Andachten - Ev. Kirchengemeinden Borsdorf und Ober-Widdersheim

Evangelische Kirchengemeinden
Borsdorf und Ober-Widdersheim
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Update: 24.10.2020
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_Andachten_






17. Sonntag nach Trinitatis, 04.10.2020
Andacht zum Erntedankgottesdienst am 4.10.2020 Ober-Widdersheim und Borsdorf, 11.10.2020 Unter-Widdersheim
von Pfr. Michael Clement

Gebet
Wir danken dir, Herr,
dass wir heute zu deinem Lob und zu deiner Ehre
diesen Gottesdienst feiern können.
Du hast uns so viel geschenkt:
Das ganze Leben liegt in deiner Hand.
Du gibst uns Essen und Kleidung,
unsere Familien und Freunde,
die Arbeit und ein Dach über dem Kopf
Gesundheit und Bewahrung in unserem Leben.
Wir danken dir für deine Fürsorge,
deine Begleitung und deinen Segen,
dein Trost und deine Liebe haben uns gestärkt.
Danke Herr, für deine Güte.
 
So danken wir dir für alles,
was wir aus deiner Hand empfangen haben.
Lass uns immer wieder erkennen,
dass du für unser Leben sorgst.
dass du uns jeden Tag deine Liebe neu schenkst,
dass wir bei dir Hilfe erfahren und Kraft bekommen.
So lass uns heute auf deine Zusagen hören
und lass den Dank in uns nicht verstummen.
Lass auch unsere neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden deinen Segen erfahren.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Liebe Schwestern und Brüder!

Wir feiern Erntedankfest. Wir danken Gott für das, was er uns schenkte und schenkt in diesem Jahr. Wir wollen ihn loben für all die guten Dinge, die er für uns getan hat, für die Versorgung, die wir erhalten und das Leben, das er ermöglicht, für Trost und Zuspruch an jedem Tag. Gott war auch in diesem Jahr an unserer Seite. Er hat seinen Segen gegeben. Dafür danken wir ihm und loben seinen Namen.
 
Bei all der Freude denken wir in diesem besonderen Jahr auch an das Leid die schwierige Seite des Lebens, die uns bedrückt.
 
Der Klimawandel macht sich mehr und mehr bemerkbar. Ganze Wälder sterben. Erschreckend sind die Anblicke der kahlen Wipfel. Ich selbst empfand dieses Jahr nicht so trocken wie die letzten beiden, aber das kann subjektiv sein. Die Landwirte klagen über schwierige Zeiten. Die Ernten sind nicht mehr sicher. Trotzdem wurde geerntet. Wir wollen nicht undankbar sein. Gott gab dennoch seinen Segen.
 
Corona hat dieses Jahr bestimmt und bestimmt es noch. Keiner weiß, wie es weitergeht. Auch wenn wir manches zurzeit nicht machen können, wollen wir auch da nicht undankbar sein. Wir sind auch verschont worden. In anderen Ländern sah es anders aus. Aber wir müssen vorsichtig bleiben. Danke Herr, für all, die die besonnen gehandelt haben.
 
Heute ist Erntedank. Dankbarkeit ist heute unser Thema. Dank für das, was Gott uns trotz allem schenkt. Ich lese das Predigtwort für den heutigen Sonntag, es steht Mk 8,1-9
   
Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. Und sie aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Es waren aber etwa viertausend; und er ließ sie gehen.

 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Als ich das Bibelwort gelesen habe, hatte ich zuerst den Gedanken: Das passt doch gar nicht zu Erntedank! Aber beim zweiten Hinsehen fiel mir etwas auf. Ich will ihnen zeigen, dass uns auch dieses Wort zur Dankbarkeit leitet.
 
Jesus ruft seine Jünger und sagt ihnen: Mich jammert das Volk. Er hat die große Menge vor sich und er sieht, dass ihnen etwas fehlt. Konkret: Essen. Seit drei Tagen hören sie ihm zu, an Gottes Wort fehlt es also nicht. Sie hören ihm zu und haben seine Botschaft von der Liebe Gottes und seiner Suche nach den Menschen sicher angenommen. Trost und Hilfe gibt uns der Herr zu allen Zeiten. Kein Mensch geht verloren, der Gott folgt. Die Botschaft ist gut, aber nach drei Tagen können die elementaren Bedürfnisse nicht mehr gedeckt werden. Die Vorräte sind aufgebraucht.
 
Jesus nimmt die Not wahr. Er erkennt den Mangel.
 
Sollte er unsere Not nicht auch kennen? Wir haben eben so einiges aufgezählt. Er weiß, was uns fehlt auch in diesen Tagen. Er kennt die Klagen der Landwirte, der Forstwirtschaft, der Coronageplagten Menschen. Wobei es bei uns noch geht. In vielen anderen Ländern hungern die Menschen, weil sie nicht mehr arbeiten können, weil sie im Lockdown gefangen sind. Aber auch das sieht Gott in seiner Größe. Er weiß, wie die Menschen hungern, nicht nur nach Brot, auch nach Freiheit, nach Gemeinschaft, nach Berührung und Nähe. Ich glaube, dass Gott weiß, was in der Welt und bei uns los ist, was den Menschen jeweils fehlt. So wie wir es wissen. Es gibt viele, die einsam werden, denen fehlt, was so viele Jahre selbstverständlich war. Gott weiß es. Jesus kennt die Not.
 
Jesus spricht damals sein Jünger an. Und sie sind perplex. Hier draußen, sollen sie Brot auftreiben für so viele.
 
Geht es uns nicht auch so, dass wir fragen: Was können wir schon tun? Wie sollen wir helfen? Die Aufgaben scheinen oft unlösbar angesichts der riesigen Probleme. Klimawandel, Corona-Pandemie, Hunger in der Welt. Flüchtlinge. Not, wohin man sieht. Einsamkeit, Sorge um das Leben. Was können wir schon tun? Aber Jesus nimmt seine Jünger in die Pflicht, ihren Beitrag zu leisten.
 
„Was habt ihr?“, fragt Jesus seine Jünger. „Was ist da?“
 
Es scheint uns damals wie heute verschwindend gering. 7 Brote und ein paar Fische, für so viele Menschen.
 
„Was habt ihr?“, fragt er auch uns. Was könnt ihr in den großen Topf geben, von dem alle satt werden können?
 
Mit fällt auf: Es wird von Jesus nichts Unmögliches verlangt, sondern er fragt nach dem Vorhandenen. Wenig scheint es zu sein: 7 Brote und ein paar Fische. Mit Dank teilt er es aus. Er gibt, was seine Jünger haben.
 
Was ist das, was wir in unseren Zeiten haben?
 
Was kannst du tun? Klimawandel, weniger Auto fahren, auf Reisen verzichten, und so weiter, Plastik vermeiden, Energie sparen. Trockenheit: neue Pflanzen züchten. Neue Wege gehen, Ressourcen schonen. Wasserverbrauch reduzieren usw. Ideen haben für den Umgang mit der Umwelt. Corona: Weiter Abstand halten, vernünftig sein. Große Massen ohne Abstand meiden. Aber auch die modernen Mittel nutzen: Telefon, Internet, das Gespräch über den Gartenzaun, der kleine Spaziergang. Wir müssen neue Ideen haben für gute Kontakte und Gemeinschaft. Das, was geht, auch nutzen und sich nicht vor lauter Angst einigeln. Ich könnte weiter aufzählen. Es geht darum, das Wenige zu nutzen. Jeder Tropfen füllt die Ozeane. Jeder Mensch kann mit seinem wenigen etwas beitragen. Wir haben vom Herrn viel geschenkt bekommen, mit dem wir beitragen können, das Not gelindert wird. Brot für die Welt für die wir nachher die Kollekte sammeln, sorgt für Hilfe in anderen Ländern, aber auch dort brauchen sie neue Ideen. Gott schickt uns, so wie seine Jünger, mit dem wenigen los, um viel zu erreichen.
 
In der Geschichte werden 7 Körbe voll Brot gesammelt. Mehr als hineingegeben wurde. Ein Wunder? Jesus vertraut auf seinen Vater im Himmel. Gott sorgt für die Menschen. Jesus vertraut aber auch auf die Menschen. Alle werden von dem wenigen satt. Können wir nicht auch von dem wenigen leben, was wir geben können? Wir können dankbar sein, dass wir leben, das Gott uns jedem und jeder das Nötige gibt, dass wir Brot zu essen haben und Wasser zu trinken, dass da sogar viel mehr ist, als wir genießen können. Dankbar können wir sein, indem wir teilen, was wir durch ihn geschenkt bekamen. Dankbar können wir für die Möglichkeiten unserer Zeit sind, für die Medizin und ihre Möglichkeiten. Wir können die Technik nutzen, Telefon und Internet, um zu kommunizieren. Dankbar können wir sein, dass wir auch auf große Distanzen Kontakt halten können. Und dankbar können wir sein, dass wir uns – wenn auch auf Abstand – doch über Gartenzaun und auf der Straße treffen können. Kleine Veranstaltungen sind möglich, dann müssen es halt viele kleine sein. Wir haben so viele Möglichkeiten. Wir können dankbar sein, für jeden Landwirt, der noch sät und erntet, für die Früchte im Garten, die Fröhlichkeit der Kinder. Das kleine Glück zu suchen und anderen zu schenken, das ist das Große, was wir mit unseren Mitteln tun können. Die Frage Jesus also lautet: Was habt ihr? Oder was könnt ihr, was ist möglich? Viel mehr, als ihr zurzeit seht.
 
Dankbar können wir auf Gottes Fürsorge schauen, die auch darin besteht, dass er uns Möglichkeiten schenkt, ihm unsere kleine Kraft zur Verfügung zu stellen. Erntedank, das heißt heute, nicht jammern, sondern dankbar die Möglichkeiten zu ergründen, den Weg zu Menschen zu finden und miteinander das Unsere zu tun, damit das Leben gelingt. Er hilft auch durch uns. Das unser Weniges, was wir geben können, zu viel wird. Er gibt den Segen dazu, dass das gelingt.

Erntedank. Dank für Essen und Versorgung, für Möglichkeiten und Miteinander, Dank für jeden, der für andere da ist, nicht egoistisch nur auf sich schaut, sondern auch den anderen sieht. So wie Jesus den das Volk jammerte. Er sieht er uns und alle Menschen, keiner geht vergessen und er machte alle satt. Amen.
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



15. Sonntag nach Trinitatis, 20.09.2020
Andacht zum Sonntag in Ober-Widdersheim
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, unser Gott,
du gabst uns das Leben,
von dir haben wir, was uns zum Leben dient.
Du sorgst für uns,
auch wenn wir manchmal vergessen, dir zu danken.
Erinnere uns an deine Fürsorge.
Hilf, dass wir unser Vertrauen
nicht auf irdische Güter und Weisheiten setzten,
sondern uns an dich halten,
an deine Güte und Treue und deine Barmherzigkeit.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht 1. Mose 2,4b-9.15:
 
Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen...Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Als der Bericht der Bibel entstand fragten Menschen – anders als heute – nicht nach dem Wie der Entstehung sondern nach dem Warum und dem Ursprung der Schöpfung: Wer hat das eigentlich alles gemacht? Wer will die Welt so wie sie ist? Warum ist es so?
 
Auf diese Fragen kann uns selbst heute die Wissenschaft keine Antwort geben. Doch die Antwort kann damals wie heute lauten: Gott hat die Welt gemacht. Er hat sie so gewollt, wie sie ist.
 
Hinter dem ganzen Schöpfungswerk steht Gott in seiner Größe und Macht. Er hat die Dinge weise geordnet, so wie er das für richtig hielt. Eine gute Schöpfung ist daraus entstanden, die dem Menschen dient, gut gemeint und gut gemacht.
 
Dass das Wie die Menschen zur Zeit der Entstehung der Bibel wenig interessierte, sieht man allein schon daran, dass unterschiedliche Schöpfungsberichte nebeneinander stehen. Der Erste mit den 7 Tagen, der Zweite, den wir eben hörten. Dieser wird von Nomaden erzählt.
 
Nomaden der Wüste gehen vom Sand aus. Das, was sie sehen, ist Sand. Damit in der Wüste etwas gedeihen kann, ist Wasser notwendig. Also lässt Gott einen Nebel aufsteigen. Die Erde wird feucht. Aus der feuchten Erde kann man etwas formen. Gott macht einen Menschen. Aus dem Erdboden, hebräisch heißt der Erdboden: Adamah, wird der Mensch, hebräisch: Adam. Von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du werden, sagt Gott am Ende der Sündenfallgeschichte. Der Mensch ist mit dem Ackerboden eng verbunden, das macht das hebräische Wortspiel deutlich: Adamah und Adam.
 
Lebendig wird der Mensch aber nicht aus der Materie. Die tote Materie allein bringt kein Leben hervor. Die Entstehung des Lebens, liegt in der Bibel ganz in Gottes Hand. Und die Menschen damals erklärten es sich so: Gott bläst dem Menschen den lebendigen Atem in die Nase. Im Einatmen und Ausatmen liegt das Wunder des Lebens. Ohne Atem kein Leben, ein einfaches Prinzip, das die Menschen der damaligen Zeit sich zu Eigen machten, um lebendiges Leben zu erklären. Gott gab eine Atemspende, damit der Mensch leben kann. Am Ende des Lebens haucht der Mensch eben dann sein Leben wieder aus. Aber Gott allein ist der Lebensspendende. Ohne ihn gäbe es kein Leben auf der Erde. Er hat das Leben gewollt.
 
Dieser Mensch braucht nun Versorgung. Er muss von etwas leben. Also pflanzt Gott mitten in der Wüste einen Garten, Eden genannt. Das ist kein Schlaraffenland, kein Land in dem Milch und Honig fließen und gebratene Hühnchen durch die Luft segeln. Nein, dieser Garten ist ein Obst- und Gemüsegarten, eine Oase mitten in der Wüste. Etwas für einen Gärtner.
 
So wie viele zuhause, ihren Garten haben mit Bäumen und ihren süßen Früchten. Diesen Garten soll der Mensch bebauen und bewahren, so wie jeder Kleingärtner, seinen Garten bebaut, und bewahrt, um etwas ernten zu können. Der Garten ist seine Lebensgrundlage., ihm von Gott gegeben, damit er überleben kann. Der Mensch arbeitet in ihm. Er muss selbst etwas für die Bewahrung seines Lebens tun. Gott hat das Leben nicht gegeben, damit wir faulenzen. Zum Leben gehört die Arbeit, die Sorge um das tägliche Brot. Auch wenn die Bäume ihre Früchte umsonst geben und sie verlockend anzusehen sind, bleibt dem Menschen diese Aufgabe.
 
Aber da sind noch zwei Bäume im Garten, um die sich dann die Geschichte vom Sündenfall rankt. Der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, und der Baum des Lebens. Auch sie tragen Früchte, aber die Verlockungen sind anders. Es sind nicht die Früchte an sich, die da locken. Es ist das, was damit verbunden ist, Erkenntnis und Leben.
 
Wie Gott zu werden, das symbolisieren diese Früchte. Doch damit stellt sich der Mensch auf gleiche Stufe mit dem Schöpfer. So sind die Menschen: Wer wüsste nicht gerne, wie alles zusammenhängt? Wer wüsste nicht gerne, was wirklich gut und richtig und was falsch ist? Wer möchte nicht in Gottes Plan hineinsehen und durchschauen, was er will? Und wer möchte nicht heute ewig leben.
 
Der ganze Jugendwahn der letzten Jahrzehnte. Das Verhindern der Alterung durch Medikamente und Operationen, das Austricksen der natürlichen Alterung, das dient doch letztlich nur dem Ziel immer jung zu bleiben. Ewiges Leben aber schaffen wir dadurch nicht. Das, was der Baum verspricht, ist heute noch eine Verlockung.
 
Der Mensch gibt sich außerdem nicht damit zufrieden, versorgt zu sein. Nein, er meint auch heute noch, klüger sein zu können als Gott. Die Menschheit ist auf dem Weg, sich über die Gegebenheiten der Schöpfung hinweg zu setzen. die Forschung versucht zu ergründen, warum der Mensch altert, damit der Mensch ewig lebt.
 
Der Mensch hat immer noch das Ziel, diese Bäume zu erreichen, den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen und den Baum des Lebens. Dabei wird schon heute klar: Jeder Eingriff in die Natur rächt sich und ist es noch so gut gemeint. Diese Erkenntnis freilich kommt spät, oft viel zu spät. So wie Adam und Eva erst merkten, als sie vom Baum der Erkenntnis genascht hatten, dass die Erkenntnis eine ganz andere war, als sie erhofft hatten. Unbeschwert genießen, war nun nicht mehr. Jetzt wussten sie, dass sie nackt waren und dass sie vor Gott verantwortlich sind für ihr Tun, und dass ihr Tun Folgen hat. Seitdem weiß der Mensch, wie sehr er schuldig ist vor dem Schöpfer. Heute erkennen wir, wir bewahren die Schöpfung nicht.
 
Aus dem guten Garten Gottes wird der Mensch am Ende der Sündenfallgeschichte vertrieben. Aus dem Garten, der ihm alles Auskommen bescherte, muss der Mensch gehen, weil er sich mit Gott auf gleiche Stufe stellte, weil er mithalten wollte mit Gott. Letztlich verdankt der Mensch die Vertreibung aus dem Paradies sich selbst, seiner Überheblichkeit, sich über Gottes Gebot stellen zu können. Was Gott gut begonnen hatte, hat der Mensch zerstört.
 
Das ist bis heute so geblieben. Wir sind immer noch auf der Suche nach Erkenntnis und Leben. Wir sind immer noch bestrebt, Gott gleich zu werden. Wir meinen immer noch, es besser zu wissen als Gott. Und zerstören dabei die Grundlage unseres Lebens.
 
Das hast du nun davon, Mensch: nun musst du mit Mühe dein Brot verdienen und mit Schmerzen deine Kinder gebären. Und Feindschaft herrscht zwischen den Tieren und dir. Die Vertreibung aus dem Paradies hat Folgen.
 
Aber, Gott lässt den Menschen auch dann nicht im Stich. Die Geschichte geht weiter. Das Leben bleibt dem Menschen, ein endliches Leben, ein Leben mit Mühsal und Leid, mit Krankheit und Tod. Doch eines bleibt: Gott. Er gab dies Leben. Er gab es, um uns Möglichkeiten zu geben. Er versorgt auch weiterhin uns Menschen mit allem, was wir brauchen.
 
Er lässt die Menschen aber auch in anderer Hinsicht nicht einfach gehen. Von nun an redet er mit uns in seinem Wort, er gibt Gebote und Weisungen, führt die Menschen durch die Zeit. Er will, dass sie seinen Willen kennen und erkennen, was er ihnen geben hat. Dankbar sollen wir für sein Fürsorge sein. Er redet, damit wir unsere Verantwortung sehen und danach handeln. Das Leben, das er schenkt, will er letztlich wieder zu sich führen. Darum ließ er uns das größte Geschenk zu Teil werden, seinen Sohn Jesus Christus. Denn durch ihn schenkt er Vergebung, durch ihn ist die Schuld getilgt, die zwischen uns Menschen und ihm steht. Durch Christus ist der alte Bann gebrochen, wir dürfen wieder Gemeinschaft haben mit unserem Vater im Himmel. Am Kreuz hat er uns versöhnt und uns ein neues Ziel gegeben. Unser Leben, das hier auf Erden zu Ende gehen muss, findet seine Vollendung bei Gott durch Christus, unseren Herrn. Seine Liebe will uns zu sich führen. Er will sie in unsere Herzen geben, damit wir ihm vertrauen, seinen Weisungen der Liebe folgen und tun, was er von uns erwartet. Wer im Vertrauen auf Christus und in Verantwortung vor dem Herrn dieses Leben führt, darf sich dann aber auch auf das freuen, was im Garten Eden nicht erreicht werden konnte, das ewige Leben durch Jesus Christus, unsern Herrn. Dieses Leben auf Erden hat ein Ziel in des Vaters Reich. Solange wir hier auf Erden sind, aber sucht Gott unsere Nähe, damit wir seine Gnade begreifen und annehmen, was er für uns getan hat. Amen.
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

15. Sonntag nach Trinitatis, 20.09.2020
Andacht zum Sonntag in Borsdorf
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Gott, unermesslich ist deine Gnade,
 
du rufst uns und willst uns bei dir haben
 
trotz allem, was in unserem Leben dir widerspricht.
 
Du willst uns verwandeln und neu machen.
 
Du nimmst dich unserer Sorgen an
 
und heilst die Wunden, die uns das Leben bringt.
 
Herr, mit dir kommen wir weiter im Leben,
 
Du trägst uns zu allen Zeiten.
 
Lass uns von deiner Gnade und Treue
 
in diesem Gottesdienst erfahren.
 
Stärke die Konfirmandinnen und Konfirmanden
 
zu einem Leben mit dir.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,
 
nun ist er also da, der Konfirmationstag. Wir kommen zusammen, um für die Konfirmandinnen und Konfirmanden Gottes Segen zu erbitten. Mit der Konfirmation endet ein wichtiger Abschnitt in eurem Leben. Sie steht an der Grenze zwischen Kindheit und Erwachsensein, zwischen dem spielerischen Erkunden und der Neugier der Kindheit behütet und beschützt, geborgen im Elternhaus und zu einem Leben, dass man selbst verantworten muss. Eigentlich will man nicht mehr beraten und beschützt sein und doch tut es euch Konfirmandinnen und Konfirmanden gut, die Eltern im Hintergrund zu haben. Die Konfirmation steht an dieser breiten Grenze, an der sich jeder und jede von euch selbst in den Griff bekommen muss, soll euer Leben gelingen.
 
An diesem Übergang in ein anderes, eigenverantwortetes Leben setzt die Kirche die Konfirmation. Nicht um die Jugendlichen zu gängeln oder noch einmal fest in den Fittichen zu haben, sondern um ihnen ein Angebot zu machen, woran man sein Leben ausrichten kann. In der Suche nach Orientierung bieten wir etwas an, das nicht vergänglich ist, nicht abhängig vom Zeitgeist und doch immer wieder aktuell werden kann in eurem Leben.
 
Das Angebot ist der Glaube an einen Gott, der die Wege des Lebens mitgeht, der euch begleitet und euch beisteht. In dessen Händen ihr geborgen seid.
 
Das Zeichen für dieses Angebot Gottes an euch ist der Segen, den wir heute für jeden von euch erbitten. Mit ihm wird deutlich, dass es nicht am Pfarrer allein liegt, auch nicht allein an den Eltern, das euer Leben gelingt, sondern, dass Gott mit seinem Wirken bei euch sein muss, damit ihr euer Leben verantwortlich gestalten könnt.
 
Wir haben als Eltern, Lehrer, Paten, Pfarrer und Mitarbeiter der Gemeinde nur je ein Bruchteil zu dem hinzugefügt, was ihr heute seid. Vieles beeinflusst euch: Freunde, Musik, Werbung, Filme, Bücher, Computer und vieles mehr. Die Frage ist doch, was man aus diesem Sammelsurium macht? Folgt man dem erstbesten Angebot oder ist man fähig zu unterscheiden und die richtigen Wege zu gehen? Was sind überhaupt die richtigen Wege?
 
Ich denke, vorher ist das schwer zu entscheiden. Man braucht Orientierungshilfen, wie die zehn Gebote, oder das Doppelgebot der Liebe: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten. Aber heute werden euch auch andere Orientierungen angeboten.
 
Manager lernen ihre Ziele durchzusetzen, ihre Träume umzusetzen. Viele Motivationstrainer geben heute den Rat, stellen sie sich ihre Träume so gut als möglich vor. Malen sie sie in den schönsten Farben aus und gehen sie Schritt für Schritt ans Werk.
 
Vergessen wird dabei, dass wir in einer Umwelt leben mit Menschen an unserer Seite, die auch leben wollen. Vergessen wird, dass wir eingebunden sind in soziale Systeme. Erfolgreiche Menschen, die dem Kurs der Mentaltrainer folgen, können auch schnell einsam werden. Man geht über Leichen, wie man sagt, um das Ziel zu erreichen. Dann dreht sich alles nur noch um einen selbst. Ich denke das ist kein tauglicher Weg.
 
Eine Orientierung ist auch das eigene Glück. Hauptsache glücklich. Doch beschreiben sie mal Glück! Viele Menschen werden Glück anders definieren. Wohlstand, Gesundheit, Partnerschaft würden viele wohl an die erste Stelle stellen, dann Kinder. Aber dieses Glück ist zerbrechlich. Zu allen Zeiten merken Menschen das. Das Geld ist schnell knapp. Die Gesundheit ein flüchtiges Gut. Und auch die Partnerschaften werden mehr und mehr nur noch auf Zeit geschlossen. Dieses Glück ist so punktuell nur da, dass es eher die Sehnsucht ist als eine Realität in unserm Leben. Das kleine Glück jeden Tag zu entdecken, das ist schon eine Herausforderung, das große Glück bleibt aber eher ein Wunschtraum als Realität. Glück allein kann keine Orientierung sein.
 
Weil das Leben eben Höhen und Tiefen kennt, dunkle Täler und lichte Höhen, darum brauchen wir Orientierung in allen Lebenslagen.
 
Gott bietet euch Konfirmandinnen und Konfirmanden seinen Segen an, wie er ihn uns allen angeboten hat und immer wieder anbietet. Sein Segen ist mehr als Glücksverheißung und Hilfe zur Selbstverwirklichung. Eigentlich hat er damit auch nur am Rande zu tun.
 
Gottes Segen ist seine Zustimmung zu dem gesegneten Menschen. Gott nimmt dich an. So wie du bist. Da ist kein wenn und kein aber. Wer gesegnet ist, ist angenommen. Gott gibt so allen Menschen, die gleiche Würde und den gleichen Rang. Jesus hat das in seinem Leben ganz deutlich gemacht, indem er gerade die aufsuchte, die in den Augen der Frommen, nicht zu Gott gehörten. Er hat mit den Außenseitern gegessen und gefeiert, denn sie gehören dazu, gehören unter den Segen. So zeigt Gott seine Liebe zu allen Menschen. Er sucht alle Menschen. So sagt Gott auch zu euch, ihr gehört dazu, gehört in seine Gemeinschaft.
 
Segnen heißt aber auch, dass wir in eine Gemeinschaft mit anderen gestellt werden, denn der Segen Gottes gilt vielen Menschen. Jesus hat davon gesprochen, dass wir die Liebe des Vaters weitergeben sollen an die Menschen um uns herum. Nächstenliebe, heißt sich auf den anderen einzulassen und bereit zu sein, ihm zu geben, was er braucht. Diese Liebe hat Jesus gelebt. Der Segen Gottes will uns dahin führen, dass wir das Gute, was wir von Gott erhalten, weitergeben. Wir können und sollen zum Segen werden.
 
Gesegnet sein, das kann aber auch heißen, dass wir von Gott beschenkt werden, das das Leben gelingt. Es kann aber eben auch heißen, dass wir in den Situationen der Not und der Trauer Hilfe erhalten, Trost finden, gestärkt werden. Der Segen macht eben an der dunklen Seite des Tales nicht halt, Gottes Segen geht mit. Gottes Segen könnte dann auch bedeuten, nicht verlassen zu sein, sondern sich geborgen zu wissen in den guten Händen Gottes und der Menschen, die er zu uns sendet und die uns zum Segen werden.
 
Doch Segen sein kann nur, wer gesegnet ist. Segen sein, heißt, Gutes zu tun, die Liebe Gottes weiterzugeben, Hoffnung zu stiften durch die Zusage der Gegenwart Gottes, zu helfen, wo man gebraucht  wird. Sich einzusetzen für die Schwachen, die Menschen, die Hilfe brauchen.
 
Der Segen Gottes, ja Gott selbst, ist das Angebot, an dem sich euer Leben orientieren kann. Das ist wirklich mehr als nur das oberflächliche Glück und die Suche nach sich selbst. Gott will nicht, dass wir nur uns selbst finden, sondern, dass wir die Wege zum Nächsten finden, zu den Menschen, mit denen wir leben, wohnen und arbeiten.
 
Dieses Angebot Gottes weiterzugeben, dafür sollte auch der Konfirmandenunterricht dienen. Heute bitten wir für euch um den Segen Gottes, dass er mit euch geht.
 
Wir wissen nicht, welche Wege ihr einschlagen werdet. Wir wissen nicht, ob es gute oder schlechte Wege sein werden. Eines aber wissen wir und daran glauben wir, dass Gott euch dabei begleiten wird, und ihr euch jederzeit an ihn wenden könnt. Wir wünschen euch Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass Gottes Segen bleibt und ihr euch zu ihm haltet, dass ihr von ihm die Kraft bekommt, die Wege zu meistern, die vor euch liegen. Vielleicht wird das ein paar Jahre dauern, bis ihr euch an das erinnert. Dann aber glaubt nur, dass Gott euch mit seinem Segen beschenkt.
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

14. Sonntag nach Trinitatis, 13.09.2020
Andacht zum Sonntag
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Du erträgst es nicht, Gott,
das eines deiner Menschenkinder verlorengeht.
Du suchst uns, wenn wir uns von dir entfernt haben.
Viel mehr, als wir dich suchen,
bist du auf der Suche nach uns.
Du hast uns gefunden
Wir sind hier und bekennen,
dass wir nicht so sind, wie du uns haben willst.
Erfülle uns mit deiner Liebe,
damit wir uns verändern können
und deine würdigen Nachfolger werden.
Lass uns an deiner Verheißung festhalten,
und uns deiner Liebe anvertrauen.
 
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
 
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
 
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Gem. (gesprochen): Amen.

Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Predigtwort für den heutigen Sonntag, steht
Lk 19,1-10:
Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
Liebe Schwestern und Brüder!
Jesus kommt. Der, von dem sie sagen, dass er ein Prophet ist, der anders predigt als die Schriftgelehrten und Pharisäer. Er erzählt von der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt. Er hat Menschen geheilt und Prophetenworte erfüllen sich. Manche sagen, dass er der Messias ist, der, der da kommen soll, der verheißene Retter. Alles ist auf den Beinen, Groß und Klein. Gedränge, alle wollen ihn sehen.
So hört auch der Oberste der Zöllner, Zachäus, von Jesu Kommen. Die Kollegen erzählen schon seit Tagen davon. Im Stadttor am Zoll hören sie von ihm, wenn sie das Geld eintreiben für Zachäus. Wenn die Menschen über die hohen Zölle schimpfen. „Wucherer, Römerfreunde“, werden sie beschimpft, weil sie dem Feind in die Hände spielen, weil sie mehr nehmen, als sie müssten und in die eigene Tasche stecken, was nur geht. Ja, Zachäus ist reich geworden, seit er der Chef der Zöllner ist. Die Pacht für den Zoll, die er an die Römer zahlt, kommt vielfach herein. Er bräuchte nicht so viel nehmen, doch die Verlockung ist groß. Reichtum, Luxus, sich alles leisten können, diesen Traum hat er sich erfüllt. Der kleine Mann ist groß rausgekommen. Er ist wer, auch wenn alle auf ihn schimpfen.
Heute will er Jesus sehen, will diesen Mann kennenlernen, von dem sie seit Tagen reden, von dem er so viel gehört hat.
Doch er ist zu klein. Sie drängen und drücken und machen ihm keinen Platz. So steigt er auf den Baum. Er will ihn sehen, den Zimmermann aus Nazareth, von dem alle reden. Manche lachen über ihn, andere beachten ihn gar nicht. Manche beschimpfen ihn im Vorbeigehen.
Und dann kommt er, Jesus, umringt von den Massen, bejubelt, bedrängt kommt er langsam näher.
Jesus bleibt vor ihm stehen, … blickt hinauf zu ihm. Er nimmt ihn wahr. Jesus sieht ihn, Zachäus, da im Baum.
„Zachäus!“, sagt er. „Steig herunter! Ich will heute bei dir einkehren.“ Zachäus glaubt es kaum. Ausgerechnet bei ihm, ausgerechnet, bei dem, den sie in Jericho den größten Sünder nennen, den sie nicht leiden können, den sie beleidigen, den sie verachten, zu ihm kommt Jesus, in sein Haus. Er beeilt sich völlig überrascht von der unerwarteten Ehre. Freudig, nimmt er Jesus auf, bereitet alles für diesen Mann und seine Begleiter vor.
Drumherum Gemurmel: „Ausgerechnet bei dem.“ „Weiß Jesus nicht, wer das ist, was er ist?“ „Jesus ist wohl doch ein Freund der Reichen.“ „Er hat ja auch noch andere Zöllner um sich.“ „Dieser Jesus ist wohl doch der Fresser und Weinsäufer, wie sie sagen.“ „Was will der bei dem!“ „Na, der isst ja oft bei Sündern, und das soll der Heiland sein?“ „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen.“, so heißt es doch im 1. Psalm. Doch dieser Jesus hält sich an nichts?“ Das und anderes hört man. „Hoffentlich liest er ihm die Leviten!“ sagen andere. „Warum ausgerechnet Zachäus?“
Zachäus hört es nicht mehr. Er geht voll Freude voraus, beauftragt die Diener, alles vorzubereiten. „Schnell, schnell, Jesus kommt zu uns, macht alles fertig!“
Es geschieht etwas in ihm. Er wollte Jesus sehen, er wollte diesen Mann kennenlernen. Ja, jetzt kommt er zu ihm, ausgerechnet zu ihm. Das ist kein Zufall. Zu dem Verlorenen. Ja, das hat er von sich schon gedacht. Verloren ist er. Reich ist er geworden, doch einsam. Luxus hat er, doch er wird verachtet. In der Synagoge kann er sich kaum noch blicken lassen. Wenn Blicke töten könnten, wäre er schon oft gestorben. Er hat gegen das Gesetz gehandelt. Er hat die Leute betrogen, ja, er ist ein Sünder und er hat nur an sich gedacht, an sein Geld, seinen Reichtum, seinen Luxus.
Und da weiß er, was er tun wird. Laut sagt er es: „Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.
Jesus hat ihn gesehen, doch eigentlich ist mehr geschehen. Jesus hat ihn gerettet. Nun will er einen neuen Weg gehen, den Weg ins Himmelreich und nicht mehr ins Verderben. Er will geben und teilen und aufhören mit dem Betrug.
Als Jesus ihn erkannte, erkannte er sich selbst. Als der Herr ihn rief, hatte sein Heil schon begonnen. Ja, so hört Zachäus es jetzt aus Jesu Mund: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
Ja, Zachäus war verloren. Doch nun ist er gefunden. Er wäre weiter den falschen Weg gegangen, den Weg nur für sich, nur ich, ich, ich. Das galt bisher, jetzt aber will er sich ändern, einen neuen Weg gehen. Er ist gefunden. Dieser Jesus hat ihn gerettet.
Draußen stehen sie immer noch und schimpfen. Sie erkennen nicht, dass Jesus alle Menschen sucht und auch sie zur Umkehr ruft.
Liebe Schwestern und Brüder,
Ein Jesuswort fiel mir noch ein, als ich bei den Vorbereitungen war: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken, ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“ Die Gerechten, sie stehen draußen und schimpfen. Was mit dem gibt er sich ab? Die Gerechten. Sie haben ihren Glauben. Sie haben ihre Sicherheit: Gott wird uns retten. Wir leben nach seinen Geboten. Und sie nehmen den Psalm 1 ernst. Nein, mit Spöttern und Sündern haben wir nichts zu schaffen. Mit denen sitzen wir nicht am Tisch. Erinnern sie sich, liebe Gemeinde an den Pharisäer, der betete. „Ich danke dir, dass ich nicht so bin wie dieser.“ Die Gerechten, wissen alles ganz genau. Nur wer sich an die Gebote hält und alles macht und tut, der darf sich gläubig nennen, so denken viele Gerechte.
Doch Jesus macht es anders. Er gibt ihnen nicht Recht. Sie haben ihn nicht an ihrer Seite. Nein, Jesus ruft die Verlorenen. Er geht zu denen, die gerettet werden müssen. Er geht zu denen, die nicht perfekt sind, die noch nicht alles richtig machen. So welche wie Zachäus ruft Jesus zu sich. Sie, die sich im Leben eingerichtet haben. Sie sind reich und satt. Sie haben alles, was sie zum Leben brauchen. Vielleicht sogar einige Freunde, die mit ihnen die Sicht der Welt teilen: „Hauptsache mir geht es gut. Ich habe alles.“ Doch eigentlich haben sie nichts, außer ihr Geld und sich. Jesus ruft sie, weil sie, wenn sie so blieben, verloren gingen. Weil sie noch nichts von Gottes Liebe wissen oder verstehen. Jesus ruft sie, weil auch sie vom Vater geliebt sind, geliebt wie all die anderen. Ob sie reich oder arm, krank oder gesund sind, viel oder wenig haben. Jesus ruft sie ins Reich des Vaters, in die Liebe Gottes. Er sagt ihnen, dass sie dazugehören zum großen Reich Gottes. Da muss keiner draußen bleiben. Gottes Liebe gilt ihnen allen, im gleichen Maß. Und für sie alle wird Jesus am Kreuz sterben, er wird für sie alle, auch für die, die ihn schmähen und ihn verspotten, für die Fernen und Nahen durch Tod und Auferstehung zum ewigen Leben gehen. Er wird ihnen allen die Türe öffnen und hat sie geöffnet, weil Gottes Liebe allen gilt. Doch wer wie Zachäus, die Liebe Gottes für sich entdeckt, wird auch sein bisheriges Leben erkennen. Im Angesicht der Liebe Gottes wird unsere Sünde offenbar. Wir können nicht weitermachen wie bisher. Wir müssen uns auf den Weg der Liebe machen, wenn wir Gottes Liebe zu uns ernst nehmen. Darum gibt Zachäus sein Vermögen den Armen. Darum gibt er zurück, was er ergaunert hat. Vierfach, wie das Gesetz fordert, so befolgt er Gottes Liebe. Er beginnt neu.
Doch was ist mit uns? Ob vermeintlich Gerechte oder immer noch Sünder, erkennen wir die Liebe Gottes? Sie gilt auch uns, ausgerechnet uns. Erkennen wir Gottes Liebe, und nehmen wir sie uns zu Herzen? Oder machen wir weiter wie bisher? Folgen wir, dann nicht weil wir müssen, sondern weil wir von Christus ergriffen sind, weil seine Liebe unser Leben verändert, weil wir in Liebe keinen ausladen dürfen, sondern alle einladen, weil wir in Liebe, keinem Armen unsere Hilfe vorenthalten, weil wir in seiner Liebe neu über unser Leben nachdenken und nicht mehr nur uns sondern auch die anderen sehen. Jesus ist gekommen, um uns zu suchen. Und er hat uns schon gefunden. Er lädt sich bei uns ein. Er will bei uns zu Gast sein. Mit seiner Liebe, will er uns verändern. Denn auch unserem Haus soll Heil widerfahren. Er ist gekommen, um selig zu machen, was verloren ist. Auch uns. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

11. Sonntag nach Trinitatis, 23.08.2020
Andacht zum Sonntag
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Himmlischer Vater,
danke, dass wir heute hier im Freien zusammen­kommen können mit Gesang und Gebet.
Zu deiner Ehre wollen wir singen
und dich durch unsere Lippen preisen.
Du bist für uns da, du siehst alle Menschen gleich an.
Deine Liebe gilt allen.
Wir Menschen sind aber schnell dabei,
verächtlich über andere zu reden,
uns zu vergleichen, damit wir besser dastehen.
Wir bekennen,
wir bleiben so weit hinter deiner Liebe zurück.
Hilf uns in deinem Sohn, Jesus Christus,
den rechten Maßstab zu erkennen,
und wandle unseren Hochmut in Demut vor dir.
Nimm dich unserer Stärken und Schwächen an.
Schenke uns das Vertrauen
in deiner Gnade und Barmherzigkeit,
die größer ist als unser Hochmut
und unsere Selbstgerechtigkeit.
Lehre uns durch dein Wort,
lass uns hören auf deine Liebe.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Das Predigtwort für den heutigen Sonntag, steht Lk 18,9–14:
 
Der Pharisäer und der Zöllner
 
Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
   
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Es ist eine der Geschichten, die mich immer wieder herausfordern. Pharisäer und Zöllner. Der eine, ein frommer Mann, wahrscheinlich von vielen bewundert, ein vorbildlicher Mann. Er macht vieles richtig in seinem Leben. Der andere ein Zöllner, von den Menschen seiner Zeit gemieden, weil er mit den Römern paktiert. Und außerdem, wohl nicht so vorbildlich lebt, sonst würde er kaum beten: Gott sei mir Sünder gnädig.
 
Sie kennen vielleicht auch vorbildliche Menschen, zu denen man hochschaut, weil sie gute Menschen sind. Menschen, die ihren Glauben ernst nehmen. Sie besuchen die Gottesdienste oder folgen ihnen im Fernsehen. Sie spenden für viele Projekte. Sie beten und sind freundlich. Nie hört man ein böses Wort aus ihrem Mund. Vorbildliche Christinnen und Christen, sie entsprechen so ganz dem Ideal. Zumindest ist das oberflächlich so.
 
Ich glaube, auch unser Pharisäer im Gleichnis ist ein guter Mann. Er zählt es ja auf, was er so tut. Er fastet wie es vorgeschrieben ist. Er gibt seine Zehnten, das heißt seine Abgabe an den Tempel für soziale Zwecke (so etwas wie die Kirchensteuer). Er ist kein Betrüger und kein Räuber, kein Ehebrecher. Er hält sich an die Gebote. Er weiß, was Gott gefällt und lebt danach. Daran ist erst einmal nichts auszusetzen.
 
Was soll man daran auch kritisieren? Gut ist nun mal gut. Wir alle wissen, dass wir so leben sollten, dass es Gott gefällt, wir sollen seiner Liebe folgen, Gutes tun, Gott und die Menschen lieben. In der Bergpredigt fordert Jesus uns auf, seid vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist. Selbst die Kritiker des Christentums, wissen, wie wir leben sollten, wie sie vielleicht selbst leben sollten, wenn sie den Glauben ernstnehmen würden.
 
Und trotzdem wird dieser Pharisäer von Jesus kritisiert. Warum?
 
Jesus kritisiert nicht sein Leben. Er kritisiert seine Haltung. Nicht, dass er Gottes Willen erfüllen möchte, sondern dass er sich mit dem Sünder vergleicht, zieht die Kritik Jesu auf ihn. Danken ist gut, aber nicht danken auf Kosten anderer. Ich danke dir, dass ich nicht so bin wie…, das ist sein erster Fehler. Er macht andere klein, um sich groß zu machen. Er sieht nur seine Errungenschaften, seine guten Seiten und ist blind auf dem Auge, das der Zöllner von vornherein im Blick hat: Sei mir Sünder gnädig.
 
Denn der Pharisäer ist nicht vollkommen. Und wir sind nicht vollkommen, auch der Pfarrer nicht. Kein Mensch ist vor Gott gerecht, wie die Theologen sagen. Wir haben alle Sünden begangen, kleine und große. Wir sind manchmal nicht so, wie Gott uns haben will. Wer wirklich seinen Glauben ernst ist, weiß das auch. Wir sind Sünder, weil Gottes Liebe nicht unser ganzes Leben durchdringt. Sei es, dass wir uns ärgern über andere und schroff reagieren, sei es, dass wir an der Not anderer vorübergehen, sei es, dass wir eben nicht dankbar sind, für das was uns Gott schenkt. Wir sind bisher verschont geblieben von Corona-Erkrankungen. Dafür sollten wir dankbar sein. Die Einschränkungen haben uns bewahrt vor Schlimmerem. Wir aber klagen über dies und das. Undank ist der Welten Lohn. Wir sind nicht perfekt in unserem Leben.
 
Das hat der Pharisäer vergessen. Es ist egal welches Gebot wir brechen, welchen Fehler wir machen. Wir brauchen alle die Vergebung Gottes. Selbst der Frömmste. Das übersieht der Pharisäer, als er so vergleichend betet, danke, dass ich nicht so bin wie... Er ist wie dieser, allein schon, weil er diesen Zöllner herabqualifiziert. Das ist sein zweiter Fehler. Der Pharisäer ist hochmütig gegenüber Gott und seinen Mitmenschen. Er meint, damit hat der die Gnade Gottes verdient, wenn er doch so vorbildlich ist. Aber das ist sein dritter Fehler. Er kann sich den Himmel nicht verdienen. Er hat nur getan, was er tun musste. Er tat, was Gott fordert, aber auch nicht mehr, und das kann er nicht ganz, jedenfalls wenn er realistisch sein Leben ansieht.
 
Der Zöllner weiß, dass er mit seinem Leben Gott nicht gefallen kann. Als Kollaborateur mit den Römern, den Feinden, meiden ihn die Leute. Damals musste man so eine Zollstation pachten. Er hat also den Römern einen Fixbetrag im Jahr bezahlt. Alles, was er mehr eingenommen hat, geht in die eigene Tasche. Da ist die Selbstbedienungsmentalität vorprogrammiert. Für die Leute ist er ein Betrüger, ein Räuber, der ihnen das Geld aus der Tasche zieht. Weil er reich ist, kann er sich ausschweifende Feste leisten. Das hat seinen Ruf ruiniert. Der Pharisäer beschreibt, was die Leute über ihn denken. Vorbildlich ist sein Leben jedenfalls nicht.
 
Aber er weiß, dass es so ist. Er weiß, dass sein Leben so gar nicht dem entspricht, wie es Gott haben will. Manche kennen die Geschichte von Zachäus, dem Zöllner, der nach der Begegnung mit Jesus seinen Betrug wieder gut machen will. Auch unser Zöllner hier macht den ersten richtigen Schritt. Er nähert sich Gott. Er betet und er bittet um Gnade. Eine Gnade, die er nicht verdient hat, die er sich mit keinem Geld der Welt kaufen kann. Er ist demutvoll zu Gott gekommen. Er macht sich klein vor dem großen Gott, der ihn allein retten kann. Denn er weiß, dass Gott gnädig ist, aber er traut sich fast nicht, darum zu bitten.
 
Es ist die Haltung mit der diese beiden vor Gott kommen, die Jesus hier deutlich macht. Der eine macht sich groß der andere klein. Der eine meint, alles richtig zu machen, der andere weiß von seiner Sünde.
 
Doch der, der um Vergebung bittet, wird erhört, nicht der, der sich für den Besten hält.
 
Vor Gott zählt nicht unsere Leistung, was wir schon alles Gutes getan haben, unsere Errungenschaften im Glauben. Wer sich wirklich mit Gott beschäftigt, weiß, dass er immer hinter der vollkommenen Liebe zurückbleibt.
 
Fromm oder nicht, wir alle brauchen die Gnade Gottes. Nur seiner Liebe haben wir es zu verdanken, dass wir nicht verloren gehen, sondern gerettet werden.
 
Gott weiß von der Schwäche der Menschen. Darum hat er seinen Sohn auf die Erde gesandt, dass er die Sünder rufe und er ist für uns in den Tod gegangen, um uns von Sünde und Schuld zu erlösen. Er trug, was uns von Gott trennt. Er nimmt auf seinen Rücken, was uns belastet. Er schenkt seine ganze Liebe, damit wir leben. Jesus ging für uns in den Tod, nicht weil Gott das braucht, sondern weil wir es brauchen, dass uns einer die Lasten abnimmt. Er überwindet die Sünde und den Tod durch seine Auferstehung. Die Liebe Gottes hört nicht auf. Sie will uns zur Vollendung führen.
 
Aber Gott will gebeten sein, er will angerufen werden, wie es der Zöllner tat. Gottes Gnade ist groß. Sie schenkt Vergebung und Neubeginn. Er will uns in der Liebe stärken, indem er an jedem Tag neu mit uns beginnt, uns auffordert seiner Liebe zu folgen.
 
Doch wir sollen nicht die Demut verlieren, die uns bewusst macht: Die Gnade Gottes haben wir nicht verdient, sondern sie ist ein Geschenk, um das wir bitten können und sollen. Gott wird den erhören, der auf seine Liebe vertraut. Amen.
 
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

7. Sonntag nach Trinitatis, 26.07.2020
Andacht zum Sonntag
von Pfr. Michael Clement
Gottesdienst am 16.08.2020 Bad Salzhausen 9:45 Uhr und Nidda 11:00 Uhr

 
Gebet
"Alle haben gesündigt und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten"  (Röm 3, 23)
Den Hass, der Rasse von Rasse trennt,
Volk von Volk, Klasse von Klasse: Gott (Vater), vergib!
Das habsüchtige Streben der Menschen und Völker
zu besitzen, was nicht ihr eigen ist: Gott (Vater), vergib!
Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt
und die Erde verwüstet: Gott (Vater), vergib!
Unsern Neid auf das Wohlergehen und Glück
der anderen: Gott (Vater) vergib!
Unser mangelndes Teilnehmen an der Not
der Heimatlosen und Flüchtlinge: Gott (Vater) vergib!
Den Hochmut, der uns verleitet,
auf uns selbst zu vertrauen, nicht auf Gott:
Gott (Vater) vergib!
Neige dein Ohr, mein Gott, und höre,
tu deine Augen auf und sieh
auf die Bruchstücke unseres Lebens.
Denn wir liegen vor dir mit
unserem Gebet und vertrauen nicht
auf unsere Gerechtigkeit,
sondern auf deine Barmherzigkeit.         (Dan. 9, 18)
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Gem. (gesprochen): Amen.

Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!

Das Predigtwort für den heutigen Sonntag, steht Röm 11,25-32: Ganz Israel wird gerettet werden
Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.« Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Denn wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.
Liebe Schwestern und Brüder!
Warum muss ich mich als Christ mit diesem Thema beschäftigen? Warum ist so wichtig was mit Israel geschieht?, das habe ich mich bei den Vorbereitungen gefragt. Warum macht Paulus so viel Aufhebens darum, sind es nur persönliche Gründe, weil er ja nun selbst Israelit war? Oder steckt vielleicht viel mehr dahinter?
Dieses Bibelwort hat außerdem ja auch eine ganz schreckliche Auslegungsgeschichte. Aus ihm wurden nicht nur Judenmissionen entwickelt, sondern die angebliche Verstockung der Juden wurde zum Anlass genommen, sie auszugrenzen und zu verfolgen, sie zu ermorden über viele Jahrhunderte bis hin zu den schrecklichen Pogromen der Nazidiktatur. Dieses Volk hat es schwer gehabt in seiner Geschichte. Es ist verfolgt und gedemütigt worden, auch von unserem Volk. Viele sind an ihm schuldig geworden und werden noch schuldig bis in unsere Tage. Die Nachrichten der letzten Jahre berichten, dass die Angriffe wieder häufiger werden. Synagogen werden überfallen, Menschen geschlagen, auch bei uns.
Wenn wir also mit diesem Wort des Paulus umgehen, gilt es genau zu bedenken, was Paulus eigentlich will und dieses Wort in den Zusammenhang des Römerbriefes oder doch wenigstens der Kapitel 9-11 zu stellen, in denen es um Israel geht.
Paulus stellte fest, dass weiterhin Verfolgungen von Christen zu seiner Zeit stattfanden, so wie er ja einst selbst die Gemeinden verfolgte. Er traf bei seinen ehemaligen Glaubens- und Volksgenossen auf taube Ohren. Sie wollten das Heil in Christus nicht annehmen. Sie schlossen sich damit zunächst vom Heil aus. So argumentierte Paulus. Damit könnte die Sache erledigt sein. Er könnte sagen: Dann halt nicht, ihr Problem.
Aber es ist nicht so einfach. Denn dem vermeintlichen Ausschluss vom Heil Gottes steht Gottes Wort selbst entgegen. Und das ist das eigentliche Dilemma des Paulus.
Gott ist treu und steht zu seinem Wort. Am Schicksal des Volkes Gottes, am Heil Israels hängt auch die Glaubwürdigkeit Gottes. Denn er hat seinem Volk Verheißungen gegeben. Er hat ihm das Heil versprochen. Er muss zu seinem Volk stehen, sonst wäre sein Wort unglaubwürdig. Dann wäre auch die Verkündigung über das Heil in Jesus Christus hinfällig. Das Wort Gottes muss sich auch im Hinblick auf Israel erfüllen. Darum stellte sich für Paulus die Frage: Wie kommt Israel zum Heil? Es ging ihm gar nicht um die Verwerfung seines Volkes, weil sie Christus nicht erkennen, sondern es geht bei der Frage um Gottes Glaubwürdigkeit und um Rettung aller Menschen, weil Gottes Wort dieses zugesagt hat.
Paulus argumentiert über 3 Kapitel im Römerbrief. Er versucht aus der Schrift zu ergründen, wie es gehen kann, dass Gott sein Volk rettet. Er sucht nach Wegen und meint einen gefunden zu haben, der den Israeliten wie den Christen gilt.
Liebe Schwestern und Brüder,
um nichts anderen kann es uns heute gehen, als die Frage: Steht Gott zu seinem Wort? Und die Antwort muss heißen: „Ja“. Sonst ist unsere Hoffnung umsonst, unser Glaube nichtig. Dann aber muss das Heil auch Israel gelten, denn Gott hat es zugesagt.
Paulus argumentiert folgendermaßen – ich nehme dazu einzelne wichtige Aussagen der Kapitel heraus: Zum Volk, zum wahren Israel gehören nur die Kinder der Verheißung. Es ist nicht unser Tun, das uns dazu macht. Es ist Gottes Erbarmen. Gott hat und wird seine Herrlichkeit an den Gefäßen der Barmherzigkeit, wie er uns Menschen nennt, erzeigen. An uns muss sich seine Barmherzigkeit und Gnade zeigen. Darum ist es nur unser Glaube, der uns gerecht macht, nicht unser Tun. Wer von Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, der wird gerettet werden. Glauben kommt aus der Predigt aus dem Hören des Wortes Gottes. Weil aber das Heil aus Gnade allein geschenkt wird, kann Israel auch nur durch Gnade gerettet werden. Wie die Heiden aus Gnade hinzugekommen sind, weil Gott sich ihnen in Jesus Christus zugewandt hat. Er hat ihnen die Vergebung zugesprochen durch Christi Tod und Auferstehung. Es ist nicht unser Verdienst, sondern Gottes Barmherzigkeit, dass wir zum Heil gelangen können durch Christus unsern Herrn. So ist es auch nicht das Verdienst Israels gerettet zu werden. Gott wird aber seine Barmherzigkeit an ihnen zeigen. Er wird sie aus Gnade retten. Er wird aus Gnade und Barmherzigkeit ihre Sünden vergeben, wie er sie uns vergibt. Weil er zu seinem Wort und seiner Verheißung steht, darum kann Israel auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit hoffen. Er hat es zugesagt.
Ob man für diese Argumentation das Motiv der Verstockung braucht, das Paulus hier verwendet? Verstockt sind auch andere. Paulus erklärt sich und anderen nur, dass es Menschen gibt, die noch nicht glauben, die das Heil in Christus nicht annehmen.
Wenn Gott aber für den Glauben sorgt, muss Gott ihnen den Zugang verwehrt haben. Problematisch ist aber dann, dass die Schuld bei Gott liegen würde, wenn jemand nicht glaubt. Warum kann Gott nicht alle Menschen glauben lassen? Gott hätte die Macht dazu. Paulus sagt: Gott lässt sie nicht glauben, um seine Gnade an ihnen umso deutlicher zu machen? Jedenfalls haben wir kein Recht auf Gnade.
Es ist jedenfalls so, dass unser aller Glaube nicht gelingen kann, wenn Gott uns durch seinen Geist nicht dazu fähig macht.
In der Geschichte zeigte sich immer wieder, Menschen haben sich selbst von Gott abgewandt. Wenn sie nicht mehr auf Gott sondern auf sich selbst vertrauten, wenn sie anderen Göttern dienten, wenn sie Gottes Maßstäbe verließen oder wenn sie sich sogar an die Stelle Gottes setzten, dann hat Gott sie zunächst in die Irre laufen lassen. Das war in der Geschichte Israels so, das war in der christlichen Geschichte so. Viele Irrwege könnten wir aufzählen, viele falsche Wege beschreiben. Der Morgen würde nicht ausreichen, alles zu bedenken. Aber Gott verlässt sie nicht. In seiner Gnade und Zuwendung sucht er nach den Verirrten.
Und die, die glauben, haben diese Gnade angenommen und wissen: Es ist nicht unser Verdienst und Würdigkeit, die uns das Heil geben. Wir sind Sünder, im Umgang mit Gott, im Umgang mit den Menschen. Wir können uns den Himmel nicht verdienen, nicht erarbeiten, nicht machen. Selbst wenn wir noch so fromm lebten, und alle Gesetze befolgten. Das ist kein Weg zum Heil.
Da ist aber der Gott der Gnade und Barmherzigkeit, ein Gott, der die Schwächen der Menschen kennt, der um ihre Anfälligkeit weiß, sich von ihm abzuwenden. Gott, der ihre Überheblichkeit kennt, weiß, dass es viele Menschen gibt, die sich nichts schenken lassen wollen. Aber weil er die Menschen liebt – zuerst sein Volk – aber eigentlich alle Menschen, weil er nicht will, dass der Sünder verderbe, sondern will, dass alle Menschen leben, darum tut er das, was wir tun müssten. Er wendet sich uns zu. Immer wieder hat er das in der Geschichte Israels getan, um sein Volk zu retten und zu erlösen. Er hat es auch in Christus getan, damit alle, die seinen Namen anrufen, gerettet werden. Er wendet sich uns zu, vergibt die Sünden, tilgt die Schuld, nimmt alles auf sich, reißt alle Schranken ein, damit, was in der Beziehung zu Gott gestört war, geheilt wird, damit Gemeinschaft herrschen kann zwischen ihm und uns. Es sind seine Gnade und sein Erbarmen, die uns in die Gemeinschaft mit ihm hineinnehmen. Er schenkt das Heil, nicht weil wir es verdient haben, sondern weil er will, dass wir leben, mit ihm leben, ihm vertrauen und unser Heil bei ihm suchen. Er überwindet unsere Verstockung aus Gnade. Er will, dass alle das Heil bei ihm finden, auch sein Volk Israel.
Deshalb kann Nichts eine Verfolgung dieses Volkes rechtfertigt, jedweder Hass auf sie kann mit glaubensgründen nicht begründet werden. Es ist Gottes geliebtes Volk.
Den Verheißungen Gottes dürfen und sollen wir alle vertrauen. Es ist Gottes Wort, das uns heilsgewiss macht. Es sind seine Zusagen, die uns Mut machen zum Leben und auch zum Sterben, weil wir in seiner Hand geborgen sind und bleiben.
Die Zusage gilt auch dem Volk Gottes. Die Erwählung Israels kann Gott nicht zurücknehmen. So hat er auch einen Weg, um sein Volk zu retten. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

6. Sonntag nach Trinitatis, 19.07.2020
Andacht zum Sonntag
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, Gott, himmlischer Vater.
deine Stadt leuchtet
und zeugt von deiner Gegenwart in der Welt.
Du bleibst nicht verborgen.
Du hast uns in deine Gegenwart gerufen.
Dein Licht scheint für uns,
du hast dich uns offenbart.
Dafür danken wir dir.
Verändere uns, gib deinen Geist
damit wir deine Liebe immer wieder erkennen.
Schenke dein Licht, damit es aus uns strahlt,
Mach uns zu Botschaftern deiner Liebe.
Lass auch durch uns,
durch unser Reden und Handeln, dich bekennen.
Lass uns nun hören auf dein Wort
und sehen, was du uns zu sagen hast.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.
 
Predigt
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
 
 
Das Predigtwort für den heutigen Sonntag, steht Mt 5,13-16:
Salz und Licht
Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Liebe Schwestern und Brüder!

Salz der Erde; Licht der Welt! Jesus hält schon ganz schön viel von uns. Wir sind es, die der Suppe der Welt die rechte Würze geben. Wir, die wir auf Gott hören, die wir von ihm leben, die wir seinen Zusagen vertrauen, die wir wissen, was er von den Menschen will, wir, die wir von ihm auserwählt sind, in seiner Nachfolge zu sein, wir sollen Salz der Erde und Licht der Welt sein. Jesus hat einiges mit uns vor. Er hält viel von uns. Er traut es uns zu.
Aber es steckt auch Kritik in diesem Wort. Salz, das nicht würzt, wird weggeworfen, sagt Jesus. Ja, was will man mit dem Zeug auch. Wenn die Suppe immer noch fad schmeckt, dann muss man wohl neues, anderes Salz nehmen. Aber irgendwie kann ich es mir gar nicht vorstellen. Salz, das nicht salzig ist.
Aber in Bezug auf uns, wenn wir nicht die rechte Würze geben, werden wir dann auch weggeworfen? Kann das überhaupt sein, das ein Christ nicht recht würzig ist für die Welt, keinen Geschmack abgibt?
Was müssten wir denn geben? Was ist das Salz unserer Existenz? Womit würzen wir die Welt?
Unser Reden und Handeln hat seinen Auswirkungen. Menschen merken, wer und was uns bestimmt, ob wir Gott folgen oder anderes uns gefangen hält.
Im zweiten Bild wird das deutlicher, Licht der Welt. Es zeigt noch mehr die paradoxe Situation. Wer ein Licht anzündet, will ja Licht haben. Keiner käme auf die Idee, dann einen Deckel drauf zu tun, und das Licht wieder abzuschirmen. Nein, Lampen sind da, um Licht zu geben, hinaus zu strahlen, den Raum, die Welt, das Leben zu erhellen. Wir sind Lampen in Gottes Augen, Lichter für andere Menschen, Glaubenslichter. Wir sollen strahlen mit dem, was Gott uns mitgibt.
Mit der Stadt auf dem Berg vergleicht er uns, die weithin sichtbar ist, von ferne schon zu erkennen. So ist es auch mit uns und unserem Licht, es kann gar nicht verborgen bleiben.
Jesus hat uns zu etwas Besonderem gemacht, das sich nicht verstecken kann. Es wäre so verrückt wie salzloses Salz und lichtloses Licht oder nicht brennendes Feuer. Wir haben einen Auftrag, dem wir uns nicht entziehen können.
Das wird auch darin deutlich, dass Jesus nicht dazu auffordert, Salz und Licht zu werden. Wir sind es! Wir zeigen durch unser Leben, wer wir sind, was wir glauben und worauf wir vertrauen. Wir sind Botschafter, Würze, Licht durch das, was wir reden und tun.
Jetzt kommt vielleicht der Einwand: Was will ich, kleines Licht, denn schon machen? Was kann ich, kleines Salzkorn, schon bewirken?
Wie viel das Wenige bewirkt, kennt jede Hausfrau. Es braucht nicht viel, um eine Suppe richtig zu würzen. Und wer nachts schon mal durchs Haus schleicht, weiß, dass ein kleines Licht schon die richtige Richtung geben kann. Zum Beispiel das Display einer Uhr, oder bei uns des Telefons, das Licht eines Fernsehers. Oft genügt wenig, um etwas zu erkennen. So erkennen wir: Nicht die Menge macht es, nicht die Größe. Ich, kleines Licht, kann Richtung geben. Ich, kleines Licht, kann Mut machen. Ich, kleines Licht, kann anderen durch mein Leben zeigen, was Gott bewirken kann. Es braucht ja nicht viel.
Außerdem sind wir nicht allein. Jeder hat sein Licht, jeder seine Spur Salz, jeder gibt etwas. Zusammen erst ist die Würze für die Welt vollkommen.
Gott traut es uns zu, das hinzubekommen, ja er hat uns dazu bestimmt, das zu sein, wozu er uns sendet.
Eigentlich geht es auch gar nicht anders, denn wir sind schon, was wir sein sollen, Salz der Erde und Licht der Welt.
Und Jesus geht diesen Weg mit uns. Denn der Salzgeber und Lichtmacher ist doch er. Er sagt von sich: Ich bin das Licht der Welt! Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Was aus uns herausleuchtet, ist doch letztlich das, was er uns durch sich selbst gibt. Was uns die Würze verleiht, ist seine Würze in unserem Leben. Er selbst will durch uns hindurch zu den anderen Menschen in die Welt kommen. Dazu ist er Mensch geworden und hat uns die Liebe des Vaters gebracht, damit wir teilhaben an ihm. Er hat uns von Sünde und Tod erlöst und ist für uns in den Tod gegangen, damit wir mit ihm verbunden sind und bleiben. Er hat uns in die Gemeinschaft des Vaters und seines Geistes gestellt, damit wir in der Gegenwart Gottes leben und aus seiner Nähe zu dem werden, wozu er uns bestimmt hat. Wir können von seiner Liebe erzählen, anderen seine Gnade zusagen, die Vergebung zusprechen, die Liebe Gottes mitteilen und sie vorleben. Weil er selbst in uns und durch uns wirken möchte, sind wir befähigt dazu, ja, mit allem Notwendigen ausgestattet, ausgerüstet mit der Kraft aus der Höhe.
„Lasst eure Lichter leuchten vor den Leuten“, sagt Jesus. „Zeigt ihnen, was durch mich in euch steckt. Was ihr aus dem Glauben heraus geworden seid, das kann ruhig sichtbar werden.“
Jesus spricht von den guten Werken. Nicht dass wir durch gute Werke in den Himmel kommen, oder uns das Heil verdienen können, das hat Jesus für uns ein für alle Mal getan. Aber seine Liebe will auch in den Taten sichtbar werden, die wir an anderen tun. Sei es der Besuch bei der Nachbarin, die Hilfe beim Einkaufen, der Trost für einen Freund, die Hilfe für Flüchtlinge, der Segen, den ich anderen zuspreche, der Notgroschen, den ich jemanden in die Hand drücke, der ihn gerade braucht. Aber auch die Vergebung, die ich bereit bin zu gewähren, und die Bereitschaft, um Vergebung zu bitten, Vorbild sein in der Liebe, heißt auch zu verzeihen, und neue Chancen zu gewähren.
Es gibt viele Arten, die Liebe zu zeigen. Es gibt viele Möglichkeiten so zu sein, wie Jesus das von uns fordert. Er selbst hat in der Bergpredigt dazu viele Beispiele geben. Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch fluchen. Gib dem, der fordert, mehr als er haben will und vieles andere mehr. Auf dem Weg der Liebe ergeben sich die Möglichkeiten eigentlich von selbst. Machen wir uns darüber Gedanken, fällt uns sicher noch vieles ein.
Unsere Umwelt nimmt wahr, wie wir handeln, was wir sagen, was wir ausstreuen. Jesus fordert etwas später die Gemeinde auf, vollkommen zu werden, wie der Vater im Himmel. Sicher, wir erreichen keine Vollkommenheit auf Erden. Aber mit Jesus können wir uns auf den Weg machen, zumindest besser zu werden in der Liebe. Wir können wachsen und reifen mit ihm und an ihm, seine Kraft in uns wirken lassen und sein Licht durch uns Raum geben zum Strahlen. Dass durch uns sein Licht leuchtet und seine Würze die Welt verändert, dazu sind wir bestimmt. Dazu ruft er uns aus den Völkern und nimmt uns in seinen Dienst, um seinem Wort eine Stimme zu geben. Jeder an seinem Platz, jeder in seinem Umfeld, jeder dort, wo er oder sie gebraucht wird, damit Gottes Name groß werde und alle Menschen ihn preisen, weil er der Herr ist und bleibt, über unser Leben und die ganze Welt. Amen.
 
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

7. Sonntag nach Trinitatis, 26.07.2020
Andacht zum Sonntag
von Pfr. Michael Clement
Gottesdienst am 26.07.2020 Bad Salzhausen 9:45 Uhr und Nidda 11:00 Uhr

 
Gebet
Pfr.: Lasst uns beten:
Danke, Herr, für die Rettung.
dass du für uns da bist,
dass du dich unseres Lebens annimmst.
In aller Not hast du dich deines Volkes erbarmt
und ihnen immer wieder geholfen.
Du bist auch in den Krisen unseres Lebens an unserer Seite
und führst uns immer wieder zum Leben.
Du richtest uns auf, bei dir bleiben wir geborgen.
Von dir haben wir, was dem Leben dient.
Du schenkst, was wir brauchen
an Nahrung und Kleidung, an Fürsorge und Trost.
Deine Liebe hat kein Ende, dafür danken wir dir
und bitten:
Stärke uns, deiner Liebe zu vertrauen
und lass deine Liebe in uns und durch uns wirken.
Mache uns zu Tätern deines Wortes,
lass uns weitergeben, was du uns schenkst.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Gem. (gesprochen): Amen.

Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Predigtwort für den heutigen Sonntag, steht: Hebräerbrief 13,1-3
 
Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Bleibt. Wenn ein Wort den Hebräerbrief beschreibt, dann dieses Wort: Bleibt. Bleibt beim Glauben an den Herrn Jesus Christus. Bleibt beim Heil, das er euch schenkt, bleibt in der Gemeinde, wo Gottes Wort gelehrt wird, wo ihr Gottes Zusagen hören könnt, bleibt in der Liebe Gottes, die kein Ende hat in Ewigkeit. Bleibt, denn Gott bleibt bei euch. Er hat euch ein Versprechen gegeben, dass auf Erden seines Gleichen sucht. Dieser Gott hat alles getan, damit wir bleiben können. Denn, was uns trennt, das hat er auf seine Schultern genommen, was uns hindert, bei Gott zu sein, hat er überwunden. Gott hat die Hürden hinweggenommen, das Heiligtum geöffnet. Wir dürfen und sollen direkt mit ihm zu tun haben. Christus hat ein für alle Mal die Schuld getragen, nicht für sich, sondern für die ganze Welt, also für uns. Unsere Fehler und Schwächen, unsere Sünden hat er auf sich genommen und für uns den Tod erduldet, um für uns das Leben zu gewinnen durch die Auferstehung. Eine größere Liebe kann er nicht zeigen, als dass er für uns stirbt und uns von unserer Schuld erlöst. Zwischen Gott und den Menschen, ist alles seit dem im Reinen. Gott kommt und bleibt in eurem Leben, sagt euch Vergebung und Leben zu, das bleibt bis in Ewigkeit. Gottes Liebe bleibt. Auf sie können wir vertrauen, auf ihr unser Leben aufbauen, von ihr kann uns nichts trennen. Jesus hat die bleibende Liebe Gottes verkündigt und uns gerufen, dass wir mit seinem Volk gerettet sind.
 
Gott bleibt. So bleibt bei Gott. Du musst nichts tun außer zu bleiben. Du musst keine Leistung erbringen, damit diese Liebe bleibt. Die Vorbilder im Glauben sind Vorbilder des Bleibens, des Vertrauens auf die Zusagen Gottes. Auch und gerade in schweren Zeiten. Auch wenn die Mahnungen am Ende des Hebräerbriefes so scheinen, als wären das die Leistungen, die wir erbringen müssten. So geht es doch nicht um Leistung. Zu unserem Heil können wir ja nichts beitragen. Das hat Jesus schon alles getan.
 
Aber die Liebe Jesu will uns durchdringen. Die bleibende Gegenwart Gottes will uns ermutigen, ihm mit allem zu folgen, was uns möglich ist. Denn wo seine Liebe in uns wirkt, da wird das Bleiben in der Liebe zur Selbstverständlichkeit. Die Mahnung ist eine abschließende Feststellung. Wo Gott bleibt und die Liebe bleibt, wo Verheißung und Erfüllung bleiben, wo Menschen die Gemeinschaft Jesu erfahren und Gemeinschaft haben, da ist auch die bleibende Liebe untereinander das Zeichen der bleibenden Gegenwart Gottes, seiner Liebe.
 
Zwei Beispiele aus der längeren Liste, die noch folgt, nimmt das Predigtwort auf. Gastfreundschaft und Gefangenenfürsorge.
 
Damals gab es kaum Gasthöfe und wenn, waren es nicht gerade ansprechende Etablissements, da sie oft auch der Prostitution dienten. Da schickt man keinen Freund hin, und erst recht keinen Bruder oder keine Schwester im Glauben. Man half sich in der frühen Christenheit. Die Christen fielen auf, durch die Unterstützung, die sie einander gaben. Mancher Gast wurde zum Boten Gottes, weil er von seinen Reisen berichtete, von anderen Gemeinden, von der Stärkung im Glauben, die man in anderen Gemeinden erfuhr und die Liebe, die dort gezeigt wurde. Engel, das sind hier nicht geflügelte Wesen, sondern Botschafter der Gnade Gottes. Christen ermutigten sich gegenseitig durch Gottes Wort und die Liebe und wurden so zu Gottes Boten. Wie eine Frau, die mich einmal in der Seelsorge verwundert fragte, warum ihre Bekannte sie als Engel bezeichnete. Sie hatte Gutes getan. Sie hatte ihre Bekannte unterstützt. Sie hat ihr Mut gemacht und das, obwohl sie eigentlich mit dem Glauben bis dahin gar nicht so viel zu tun hatte. Deshalb wurde sie zum Engel für ihre Freundin. Gott hatte sie gesandt, das Gute zu tun.
 
Seine Liebe bahnt sich einen Weg, damit er die Menschen erreicht. Er bedient sich auch der Menschen, um seine Botschaft zu senden. Er bedient sich unserer Liebe. Er nimmt uns hinein in sein Werk, lässt uns weitergeben, was er uns schenkt. Er braucht keine geflügelten Wesen, er braucht uns. Wir können zu Engeln, zu Boten Gottes werden, wenn wir von ihm und seiner Liebe erzählen und anderen Menschen helfen, ihnen beistehen, sie ermutigen und aufrichten.
 
Bleibt in der Liebe, zeigt in eurer Liebe, welche Botschaft euch erreicht hat, was euer Leben verändert, das könnt ihr an der Liebe erkennen.
 
Das zweite Beispiel war die Gefangenenfürsorge. Ich habe jetzt bewusst nicht Gefängnisseelsorge gesagt, weil da ein gewaltiger Unterschied besteht. Damals waren die Gefangenen auf die Versorgung durch Angehörige und Freunde angewiesen. Paulus schreibt immer wieder davon, dass die Gemeinden für ihn sorgen. In den feuchten Verließen gab es selten genug etwas zu essen oder sauberes Trinkwasser. Die Wächter wurden bestochen, damit sie es zuließen, dass jemand durchgelassen wird, der Nahrung und Trinken brachte, frische Kleidung oder manchen Zuspruch. Die Gemeinden sorgten sich um ihre Gemeindeglieder, die oft wegen Verleumdungen inhaftiert wurden, oder weil sie den Kaiser nicht huldigten. Die Gefangenen brauchten die Unterstützung, die Liebe der Gemeinde, um zu überleben. Christen kümmerten sich um die Gefangenen, sie versorgten sie, weil die Liebe die Gemeindeglieder dazu brachte, keinen zu vergessen, der mit ihnen Christ ist und in der Liebe Gottes stand. Heute ist bei uns in Deutschland davon die Gefängnisseelsorge geblieben, die sich um das seelische Wohl der Gefangenen kümmert. Denn es muss keiner mehr um sein Essen bangen. In anderen Ländern sieht es aber noch anders aus. Verfolgungen und Inhaftierungen gibt es bis heute.
 
Die Liebe Gottes gibt uns heute unsere Aufgaben. Jeder sieht andere Not. Beispielsweise der Pastor, der seit Jahren auf die Missstände bei Tönjes aufmerksam machte. Nöte herrschen in den von den Pandemielockdown betroffenen Gebieten. Menschen hungern, weil sie ohne Arbeit kein Essen mehr kaufen können. Andere sorgen sich um ihre Zukunft hier, weil der Arbeitsplatz gefährdet ist oder die Kurzarbeit zum finanziellen Engpass führt. In der Zeit der Pandemie sind Menschen einsam geworden. Mancher braucht wieder Nähe, das Gefühl nicht vergessen zu sein. Wahrgenommen zu werden, ernstgenommen zu werden in der Not, das wünschen sich viele.
 
Bleibt in der Liebe, fordert uns der Hebräerbrief auf. Generell gilt die Aufforderung, unserer Liebe ein Ziel zu geben. Denn Christsein geht nur so, dass wir lieben, dass wir Gottes Liebe durch uns wirken lassen und selbst zu Liebenden werden.
 
Die Hoffnung, die uns trägt, soll auch andere tragen, das Wort, das uns aufrichtet, auch anderen Mut machen, die Gabe, die uns Leben schenkt, auch anderen zum Leben dienen.
 
Unserer Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Unsere Liebe hat viele Adressaten. Aber ihr Merkmal ist, dass sie nicht uns gilt, sondern dem oder der anderen, dass sie uns wahrnehmen lässt, wo wir konkret beistehen und helfen können. Dazu will Gottes Liebe uns bringen.
 
Vielleicht gehen sie nachher heim und haben einen Gedanken dazu, wem sie helfen können. Zögern sie nicht, es zu tun. Sie können für manchen Menschen zum Engel werden. Lassen sie sich dazu berufen. In der gegenseitigen Liebe, wird unser Glaube konkret. In der Gemeinschaft können wir sie leben und damit Gottes Liebe preisen und ihm danken für die gute Gabe seiner Liebe. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

6. Sonntag nach Trinitatis, 19.07.2020
Andacht zum Sonntag
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Danke, Gott,
 
dass du uns kennst und trotzdem liebst,
 
dass du deine Hand über uns hältst,
 
dass du für uns sorgst.
 
Du nimmst dich auch unserer Ängste und Sorgen an.
 
Und hilfst uns.
 
Du hast uns berufen,
 
herausgerufen, damit wir von dir wissen,
 
deine Liebe erkennen,
 
deine Größe erahnen, weil du uns zeigst,
 
wer du bist und was wir sind.
 
Danke, Gott, dass du dich zu erkennen gibst.
 
Danke, dass wir vor dir nicht Angst haben müssen.
 
Denn du begegnest uns mit deiner Liebe,
 
du sagst uns deine Vergebung zu.
 
Du hast uns berufen, herausgerufen aus der Masse der Menschen,
 
damit wir dich und deine Liebe bezeugen
 
und dir und den Menschen in Liebe dienen.
 
Lass uns hören, was du uns zu sagen hast.
 
Führe du uns, damit wir dem Auftrag gerecht werden,
 
Lass uns werden, was wir sind: deine Kinder.
 
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
 
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
 
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
 

Amen.
 
Predigt
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Das Predigtwort für den heutigen Sonntag, steht 5. Mose 7,6-12
 
Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der Herr euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der Herr, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.
   
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Man sucht sich nicht das aus, was man nicht mag. Im Restaurant bestellt man sein Lieblingsessen, in der Boutique muss die Bluse gefallen. Der Urlaubsort soll den Ansprüchen genügen. Nur was gefällt, wird auch genommen. Auch in der Liebe ist das so, es muss passen, sonst wird das nichts. Der Mann fürs Leben, die Frau fürs Leben, da braucht es mehr als nur ein erstes Verliebtsein. Da muss Treue, Verlässlichkeit, Rücksicht, Versorgung und vieles mehr zusammenkommen, damit sie die Auserwählte, bzw. er der Auserwählte wird. Was wir mit dem Begriff Liebe umschreiben, ist aber noch viel mehr.
 
Eine ganz andere Liebe ist die zwischen Eltern und ihren Kindern bzw. umgekehrt. Die umfassende Liebe ist das Band, das Beziehungen zusammenhält.
 
Nicht anders ist es mit unserer Beziehung zu Gott. Nur die Liebe hält sie aufrecht. Ohne die Liebe Gottes geht es nicht und ohne unsere Liebe zu Gott kann diese Beziehung nichts werden.
 
Das war schon bei dem Volk Israel so. Die Liebe Gottes ließ ihn das Volk Israel aussuchen. Es war kein besonderes Volk, nichts Außergewöhnliches. Ein kleines Völkchen im heutigen Vorderasien. Abraham, der Stammvater, war nur ein einfacher Hirte, der vom heutigen Südirak über das Kurdengebiet und Syrien nach Palästina zog. Gott hat ihn auserwählt ein großes Volk zu werden. Ihm gilt die erste Verheißung, der erste Bund, die Zusage: Ich bin dein Gott. Die Verheißung wurde erneuert. Isaak und Jakob erhalten die Zusage Gottes. Gott hat sein Volk lieb. Er sorgt für sein Volk auch in den Krisen dieser Zeit. Vor der Hungernot rettet er sie durch die Aufnahme in Ägypten. Vor der Unterdrückung rettet er sie durch Moses. Gott sorgt für sein Volk. Er hat sie auserwählt. Er gibt seine Liebe darein. Er hat einen Eid geschworen, dass dieses Volk sich auf ihn verlassen kann. Es ist seine Liebe, die ihn festhalten lässt an ihnen, auch wenn seine Liebe nicht immer erwidert wird.
 
Dieses Volk ist halsstarrig. Es vergisst immer wieder, wer es versorgt. Es vergisst, wer es rettet. Diese Geschichte Gottes mit seinem Volk ist nicht ungetrübt. Gottes Liebe hört nicht auf, er steht zu seinem Wort. Aber die Menschen bleiben nicht treu, sein Volk bleibt oft genug nicht treu. Der Weg durch die Wüste von Ägypten nach Palästina ist ein einziges Murren und Maulen. Misstrauen herrscht oft von Seiten des Volkes. Gott straft auch aber er bleibt bei seinem Versprechen. Er bleibt treu. Er verspricht seinen Eid zu halten, den er den Vätern gab, wenn sie auf ihn und seine Gebote vertrauen, wenn sie mit ihm gehen. Im 5. Buch Mose, aus dem unser Predigtwort stammt, wird das noch einmal zusammengefasst. Der einzige Gott, dass ist der Herr, der sein Volk auserwählt hat. Er hat sich aus Liebe seinem Volk offenbart, hat seinen Willen kundgetan. Er hat sie gerettet. Nicht weil sie etwas besonderes wären, sondern weil seine Liebe ihn dazu bringt. Nun fordert er, diese Liebe ein. Er will den Liebenden über Generationen beistehen, ihnen Barmherzigkeit erweisen. Ins tausendste Glied sagt er, selbst bei einem Generationenwechsel alle 20 Jahre sind das 20000 Jahre. Unvorstellbar groß ist Gottes Barmherzigkeit. Wir erkennen seine Vergebung seinem Volk gegenüber in der Geschichte des Volkes Israel.
 
Aber es gibt auch die andere Seite. Die ihn hassen, denen wird er es ins Angesicht vergelten. Gott lässt nicht mit sich spaßen. Wir blenden das gerne aus in unserem Glauben. Gott ist doch Liebe. Ja, er sucht die Menschen. Er vergibt immer wieder. Er ist geduldig. Er erwählt bis heute Menschen, damit sie von seiner Liebe erfahren. Aber wer die Liebe Gottes trotz aller Mühe Gottes nicht annimmt, schadet sich selbst. Wir sagen: „Wer nicht will, der hat!“ Wer Gottes Liebe nicht will, der wird sie nicht erfahren. Gottes Volk muss das in seiner Geschichte immer wieder erfahren. Strafe folgt auf den Abfall, Rettung auf die Zuwendung zu Gott. Aber wer sich dauerhaft abwendet, wird keine Rettung finden.
 
Gott ruft aber immer wieder. Er erwählt. Er tut das bis heute. Seine Liebe ist längst über das kleine Volk Israel hinausgewachsen. Er ist der Gott der ganzen Welt, des Universums, alles Geschaffenen. Er hat seine Liebe allen zugewandt. Durch Jesus Christus, seinen Sohn, hat er der ganzen Welt seine Liebe zugesagt. Nicht nur den Schafen aus dem Hause Israel, sondern aller Welt gilt sein Heil. Er ist für alle gestorben und auferstanden. Er hat Sünde und Tod für alle überwunden.
 
Durch die Taufe werden wir hineingenommen in die Liebe Gottes. Es ist der neuen Bund, der neue Vertrag, den Gott mit uns schließt. Wer getauft ist und glaubt, dass Jesus Christus der Herr ist, der wird selig werden. Die Zusage gilt der ganzen Welt. Gottes Liebe hat keine Grenzen.
 
Er erwählt uns nicht, weil wir etwas besonderes unter den Menschen sind. Nicht das Große, nicht das Mächtige, nicht das Angesehene zählt in seinen Augen, sondern er liebt mit großer Liebe alle, die er geschaffen hat, was oder wer sie auch sind. Seine Treue bleibt. Seine Barmherzigkeit hat kein Ende. Er sieht nicht mit menschlichen Maßstäben. Er sieht in die Herzen, ob wir`s ehrlich meinen.
 
Manchmal entdecken Menschen, dass sie Gottes Liebe doch gar nicht verdient hätten. Ihr Lebenswandel, ihre Beziehung zu Gott waren doch nie, oder sind nicht immer gut gewesen. Einer sagte mal zu mir: „Ich komme sowieso nicht in den Himmel.“ Aber gerade denen kann man sagen: „Ja, vielleicht nicht von dir aus. Aber du weißt jedenfalls, dass deine Rettung Gnade ist. Keiner ist von uns perfekt, keiner hält alle Gebote bis ins Kleinste. Jeder ist Sünder und hätte Gottes Zorn verdient. Aber der Vater im Himmel sagt, dir Vergebung zu.“
 
Was unter Menschen schwer ist, dass man Fehler verzeiht und vergibt, ist bei Gott möglich. Der Herr hat uns in Jesus Christus vergeben. Es ist schon geschehen. Wir dürfen es glauben und bekennen, wir sind erlöst durch Jesus Christus. Wir sind gerettet zum Leben, weil er durch Tod und Auferstehung ging und alles überwunden hat.
 
Sicher sollen wir alles halten, was er uns sagt, sicher sollen wir nach seinem Willen leben, sicher sollen wir dankbar sein, für seine Liebe. Aber auf dem Weg sind wir nicht perfekt. Wir können uns bessern, aber erfüllen, kann es und konnte es nur einer, Jesus selbst.
 
Was der Herr von uns fordert, ist nicht, perfekt zu sein, sondern auf ihn und sein Wort zu vertrauen. Seine Liebe nicht zu bezweifeln, sondern darauf zu setzen, dass er sein Versprechen gegeben hat, dass, wer ihn liebt, das Heil bei ihm findet, dass, wer an ihn glaubt, nie getrennt ist von seiner Gnade und Barmherzigkeit.
 
Die Taufe ist dafür das Symbol. Mit ihr hat der Herr uns sein Versprechen gegeben. Er ist bei uns bis ans Ende aller Tage.
 
Dieser Zusage können wir vertrauen. Auf Gottes Liebe können wir unsere Leben gründen, auf sein Wort können wir uns verlassen und dankbar seiner Liebe folgen. Amen.
 
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

2. Sonntag nach Trinitatis, 2106.2020
Andacht zum Sonntag
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, wir kommen zu dir,
weil deine Güte und Liebe weiter reichen,
als wir es begreifen.
Bei dir haben wir Zuflucht.
Du schenkst, was wir brauchen.
Herr, Quelle unseres Lebens,
wir danken dir für deine Zusagen und deine Hilfe.
Wir sind nicht immer voll Zuversicht.
So legen wir dir auch unsere Last in die Hände.
Unsere Sorgen bringen wir dir,
unsere Ängste und Grenzen,
unsere Fehler und Sünden.
Du bist für uns da,
du hast uns durch deinen Sohn Jesus Christus Vergebung zugesagt.
Wir bekennen unsere Schwäche
und bitten um Vergebung.
Schenke uns deine Stärke und deinen Segen,
damit wir dir folgen.
Sprich zu uns und richte uns auf.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
 
Amen.
 
Predigt
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Das Predigtwort für den heutigen Sonntag, steht Mt 11,25-30: Jesu Lobpreis. Der Heilandsruf
 
Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Corona, Rassismus, Trump sind die Themen, die derzeit die Medienwelt beherrschen, Hilfen für diese Firma, diese Branchen, diese Menschen. Lockerungen oder doch nicht. Jeden Tag gibt es etwas anderes. Mir geht es so: Man hat es irgendwann satt, weiß aber, dass wir uns noch eine Weile damit auseinander­setzen müssen. Es ist noch nicht vorbei. Manchen macht diese Unsicherheit depressiv. Manche vereinsamen. Manche haben Zukunftsängste. Manche freuen sich über die Lockerungen, andere haben Angst vor der zweiten Welle. Manche werden ungeduldig. Wie soll das weitergehen? Keiner weiß es. Diese Zeiten sind schwierig und bleiben es vorerst.
 
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Dieser Zuspruch Jesu passt in diese Zeit. Er passt auf alle Sorgen unseres Lebens. Er ist unser Gott und will uns aufrichten und stärken. Da ist die Hilfe, die wir brauchen in schwierigen Zeiten, in den Nöten und Lasten des Lebens. Gott weiß von der Last unseres Lebens. Jesus bräuchte sonst nicht davon reden. Er kennt die Sorgen und Nöte auch in unserer Zeit. Er verleugnet nicht, dass es sie gibt. Ja, wir dürfen auch dazu stehen, dass unser Leben nicht immer einfach und unser Vertrauen nicht immer super ist. Selbst wir Glaubende kommen in schwierige Situationen. Manchmal brauchen wir dann den Zuspruch, wie jeder andere.
 
Mutmachende Worte findet der Glaubende aber sicher leichter als andere, weil er den Zuspruch Gottes kennt. Manchmal verpackt in einem Lied:
„Bis hierher hat mich Gott gebracht, bis hierher mir geholfen“, sangen manche Ältere zum Beispiel in Kriegszeiten, und schöpften daraus Kraft.
Oder aus manchem Bibelwort wie: „Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch“ und andere.
Oder das Wort unseres Bibelverses: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“
Jesus ruft uns dieses Trostwort zu, damit wir kommen und uns trösten lassen. Und wir können es weitersagen, was er uns zusagt: Kommt zu ihm, legt es bei ihm ab. Legt es auf seine Schultern, was euch quält. Er will es mittragen, mit seiner Kraft uns unterstützen. Er trägt uns auf seinen Händen, wenn unsere Kraft nicht reicht.
 
Wie in der Geschichte von den Fußspuren im Sand. Da heißt es:
Ich träumte eines Nachts,
ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Und es entstand vor meinen Augen,
Streiflichtern gleich, mein Leben.
Nachdem das letzte Bild an uns
vorbeigeglitten war, sah ich zurück und stellte fest,
dass in den schweren Zeiten meines Lebens
nur eine Spur zu sehen war.
Das verwirrte mich sehr,
und ich wandte mich an den Herrn:
„Als ich dir damals, alles was ich hatte, übergab,
um dir zu folgen, da sagtest du,
du würdest immer bei mir sein.
Warum hast du mich verlassen,
als ich dich so verzweifelt brauchte?“
Der Herr nahm meine Hand:
„Geliebtes Kind, nie lies ich dich allein,
schon gar nicht in der Not.
Wo du nur ein Paar Spuren in dem Sand erkennst,
sei gewiss: ICH HABE DICH GETRAGEN.“
 
 
Ich wünsche mir, so getragen zu werden. So in Gottes Händen zu sein, dass mich nichts irre machen oder das Vertrauen erschüttern kann. Denn wo sollten wir sonst besser geborgen sein, als in Gottes guten Händen.
 
Aber da ist er doch wieder der Zweifel, der an uns und unserem Glauben nagt, die Versuchung, Gottes Kraft zu hinterfragen. Und das mangelnde Vertrauen darauf, dass er schon eine Zukunft für uns bereithält. Und doch sind wir auch oder gerade in schwierigen Zeiten getragen von Gottes Händen. Wenn wir denken Gott ist fern, ist er ganz besonders nahe.
 
Er hat für uns auf dieser Erde gelebt. Er hat die Liebe Gottes offenbart. Er stand Menschen in verschiedenen Situationen bei, hat Kranke geheilt und den Ausgestoßenen den Zuspruch gegeben, dazuzugehören. Gottes Leibe gilt allen, auch den verlorenen, verirrten. Alle sind eingeladen in seine Gemeinschaft, in die Gemeinschaft Gottes, die die Einladung annehmen, die Platz nehmen an dem Tisch der Gnade, wie es uns das eben gelesene Gleichnis vom großen Abendmahl erzählt. Ausschließen können wir uns nur selbst, indem wir die Liebe nicht annehmen, das Vertrauen nicht wagen, das Geschenk nicht würdigen, das Jesus uns gemacht hat und noch macht: Kommt zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
 
Er ist die Quelle des Lebens. Bei ihm finden wir die Erfrischung, den Trunk, der uns stärkt, der uns neu macht und uns die Kraft gibt, die Aufgaben des Lebens anzugehen. An seinem Tisch können wir auftanken und uns ausruhen und bleiben danach mit ihm verbunden. Nichts kann uns von ihm trennen.
 
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
 
Ein Joch ist – für die, die das Gerät nicht kennen – ein Gestell, das man den Tieren auf die Schultern legte, damit sie zum Beispiel einen Pflug oder einen Karren ziehen konnten.
 
Jesus will uns aber nicht vor seinen Karren spannen. Er spricht von einem sanften Joch und einer leichten Last. Denn dieses Joch ist seine Liebe und seine Gnade, die er uns schenkt. Die Zusage, seiner Gegenwart in unserem Leben, hilft uns. Er steht uns bei und ermutigt uns, die Liebe weiterzugeben, die uns durch ihn geschenkt ist und uns bestimmt. Seine Liebe wirkt durch uns hindurch. Es ist seine Kraft, die wir ziehen, ja die vielmehr uns zieht, Gutes zu tun und aus seiner Kraft zu geben. Mit diesem sanften Joch, das eher entlastet, können wir alles tragen und jeden Weg gehen.
 
Was wir von Jesus lernen können, ist unser Leben in Gottes Hände zu legen und mit Gott den Weg zu gehen. Er ist für uns den harten Weg ans Kreuz gegangen. Was uns von Gott trennt, unsere Sünde und Schuld, hat er getragen, was wir an Zweifeln und Sorgen mit uns tragen, hat er durch Tod und Auferstehung überwunden. Der für uns auferstanden ist, bleibt selbst im Sterben bei uns und leitet uns in des Vaters Reich zur Vollendung. Was hier noch quält, ist dort aufgehoben und wir werden ihn schauen von Angesicht zu Angesicht. Aber schon in diesem Leben ist er uns zugewandt. Jetzt schon dürfen wir von seiner Gnade und Liebe erfahren. Sie gilt einem jeden von uns. Gott gibt keinen verloren. Er steht uns bei, was auch immer geschieht. Jesus preist seinen Vater, dass er diese Liebe zu den Menschen offenbart hat und Jesus, seinen Sohn, zu uns gesandt hat, damit wir es erfahren.
 
Nicht den Weisen und Klugen zeigte sich Gott, die alles hinterfragen und verstehen wollen, sondern den Unmündigen, die es wie die Kinder einfach annehmen und sich beschenken lassen.
 
Denn wir können Gottes Gnade mit dem Verstand nicht erfassen. Warum sollte sich der große Gott überhaupt um uns kümmern? Heute zweifelt man Gott selbst an, stellt ihn in Frage. Im Psalm 139 heißt es. Verse 5-6: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.“
 
Verse 17-18: „Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß! Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.“
 
Wir können Gott mit dem Verstand nicht erfassen und alle Weisheit durchdenken. Größer als unser Verstehen ist, was Gottes Größe ausmacht, und mehr als wir begreifen, ist seine Liebe, die er uns täglich schenkt. Dass der himmlische Vater sich mir und dir und uns allen zuwendet, dass der große Gott, der über allem ist, was geschaffen ist, trotzdem in seiner Schöpfung wirkt und uns retten und erhalten will, das ist mit dem Verstand nicht zu erfassen. Aber wir können es annehmen und wenn wir uns darauf einlassen, auch spüren, dass die Hände, die uns ins Leben riefen, auch tragen und führen, bis wir wieder bei ihm sind.
 
Wir können Gott nur mit Jesus preisen und ihm danken für diese Gnade, die er uns schenkt. Wir loben ihn dafür, dass wir es durch den heiligen Geist erfahren und glauben können, dass Jesus der Herr ist, der uns mit Gott verbindet in Ewigkeit.
 
Auf seine Schultern möchte ich meine Last legen. In diese Hände meine Sorgen geben. Dem alles übergeben, was mir das Leben schwer macht, der mit hilft es zu tragen. In seiner Liebe bin ich geborgen. Er wird mich tragen, wenn es schwierig wird. Auch ihnen sagt er seine Liebe zu. Er trägt auch sie in seinen Händen.
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
 

1. Sonntag nach Trinitatis, 14.06.2020
Andacht zum Sonntag
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Gott, unser Vater
Du bist da, du kennst uns.
Du wartest, dass wir antworten auf deine Liebe.
Du stehst an unserer Seite.
Bei dir sind wir gehalten.
Danke für die Zusagen deiner Nähe.
Auch wenn wir manchmal blind sind
für seine Gegenwart
und dein Wort nicht immer unser Herz erreicht,
du hörst nicht auf, nach uns zu suchen.
So bist du da, wenn wir nach dir fragen.
Und rettest uns, tröstest uns und richtest uns auf.
Öffne unsere Herzen und Sinne,
damit dein Zuspruch uns erreicht,
damit deine Mahnung uns wachrüttelt,
damit wir deine Liebe begreifen.
Gib deinen Geist, damit wir in der Erkenntnis wachsen
und tun wohin du uns führen willst.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Gem. Amen.

Predigt
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!
 
Das Predigtwort für den heutigen Sonntag, steht Apg 4,32–37 Die Gütergemeinschaft der ersten Christen:
Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn wir uns eine ideale Gemeinde vorstellen, dann doch so, wie das hier beschrieben wird. Eine Gemeinde, die für alle ihre Mitglieder sorgt. Da geht keiner vergessen. Wenn irgendwo Not herrscht, springen die anderen ein. Das Zeugnis vom auferstandenen Herrn, Jesus Christus, wird nicht nur durch gute Predigten sondern auch in den Taten bezeugt, indem die Liebe allen gleichermaßen gilt.
 
Freilich, es ist eine ideale Vorstellung, die schon wenige Kapitel später in der Apostelgeschichte an ihre Grenzen kommt. Da werden nämlich die Witwen der griechischen Gemeindeglieder bei der Verteilung der Güter vergessen und der organisatorische Aufwand wird den Apostel zu viel.
 
Aber eigentlich wäre das gut, wenn keiner vergessen würde, wenn alle auf alle achten würden, wenn die Not eines Menschen uns dazu bringt, nach unseren Möglichkeiten zu helfen.

Im Mittelalter waren die Klöster für die Armenfürsorge zuständig. Luther hat dann die Fürsten, Gemeinde und Städte aufgefordert, einen Armenkasten einzurichten, damit nach der Auflösung der Klöster, die Armenfürsorge weitergeht. Später waren die Pfarrer mit den Bürgermeistern für die Armenkasse zuständig. Heute gibt es die Armenfürsorge institutionalisiert durch den Staat mit Hartz IV und anderem. Beratung und Unterstützung erhalten Leute aber bis heute auch durch die Kirche über die Diakonie. Menschen sollen nicht vergessen werden. Notleidenden soll geholfen werden, nicht nur bei uns, sondern überall auf der Welt. Brot für die Welt ist eine Organisation unserer Kirche, auch bei der Diakonie angebunden, die für die Entwicklungshilfeprojekte und die Katastrophenhilfe in der ganzen Welt sorgt.
 
Kirche sorgt sich um die Armen bis heute.

Freilich, wir haben keine Gütergemeinschaft mehr, wie in der Jerusalemer Gemeinde. Das funktionierte auch nur zu Beginn.
 
Die Gemeinde hatte die Erwartung, das Jesus noch zu ihren Lebzeiten zurückkommt und sein Reich aufrichtet. Auch Paulus dachte noch, dass er dieses Ereignis erleben werde. Naherwartung nennen das die Theologen. Da konnte man leicht seine Existenz opfern, alles verkaufen, alles abgeben, wenn man das eh bald nicht mehr brauchen wird.

Seitdem sind fast 2000 Jahre vergangen. Wir können nicht unsere Existenzgrundlage aufgeben, Beruf und Arbeit, Häuser und Vermögen. Das Leben geht weiter.

Aber trotzdem bleibt die Aufgabe, zu der uns die Liebe drängt, andere Menschen nicht zu vergessen, für Menschen zu sorgen, nicht nur an uns zu denken, sondern auch an die, denen es schlechter geht, hier bei uns und in der Welt.
 
Diese Woche schrieb mir ein junger Mann auf Instagram aus Gambia in Westafrika. 21 Jahre alt, lebt er mit seinen Geschwistern bei der Oma, die Eltern sind gestorben. Sie haben seit einer Woche nichts mehr zu essen. Die Pandemie sorgt dort durch den Lockdown auch für Hungersnöte. Das ist auch so in Südafrika, Indien und anderen Ländern. Kein öffentliches Leben, keine Arbeit, kein Geld, kein Essen. Corona tötet auch durch die Armut in vielen Ländern dieser Erde. Auch Charles Mulli schreibt davon in seinem letzten Bericht. (siehe Homepage)
 
Wir haben es gut in unserem Land, nicht nur weil wir eine gute Gesundheitsversorgung haben, sondern auch, weil die Versorgung mit Lebensmitteln klappt.

Viele meckern auf hohem Niveau, aber auch bei uns kommen Menschen an ihre Grenzen. Existenzen stehen auf dem Spiel. Bei uns wird keiner hungern müssen, aber einfach wird es für viele Menschen nicht werden.

Jesus Christus hat uns gezeigt, dass jeder Mensch in den Augen Gottes wertvoll und wichtig ist. Paulus hat in seinen Briefen die Unterschiede in der Gemeinde relativiert. Vor Gott sind alle gleich, ob Mann oder Frau, ob Sklave oder freier Herr, ob Ausländer oder Einheimischer. Selbst die Christen in anderen Städten und Dörfer, sie gehören zueinander. Der Leib Christi ist nicht zerteilt, sondern einer, wir gehören alle zusammen. Wie unser Körper leidet, wenn ein Teil krank ist, so ist auch in der Christenheit das Leid eines Teiles das Leid aller. Wenn wir vom Leiden unserer Schwestern und Brüder im Herrn hören, dann muss uns das bewegen. Es lässt uns nicht kalt.

Eine Gemeinde ist erst dann Gemeinde, wenn die Gemeindeglieder füreinander da sind. Der Leib Christis, die Gemeinde der Glaubenden, ist erst dann in der Liebe, wenn der Blick auch denen gilt, die Not leiden, wo auch immer sie sind.
Wir müssen nicht, wie in den ersten Gemeinden alles hergeben, aber wir können unseren Teil tun, dass anderen geholfen wird.
Entwicklungshilfeprojekte können unterstützt werden durch Geld oder auch tatkräftigen Einsatz im Ausland. Bei uns können bei den Tafeln Menschen für andere sorgen. In der Diakonie gibt es Gelegenheiten sich beraten zu lassen, oder auch Unterstützung zu bekommen.
Aber auch untereinander können wir uns beistehen und tun das auch durch Nachbarschaftshilfe, durch ein Gespräch mit denen, die unsere Zuwendung brauchen, mit Hilfen bei Arztbesuchen und vielem mehr.

Eine Gemeinde sind wir, wenn unsere Talente und Fähigkeiten, unsere Worte und Taten Menschen aufrichten, trösten, stärken. Christsein können wir nicht alleine. Glauben an Jesus schon, aber um Liebe zu üben, müssen wir auf andere zugehen.

Gemeinde meint dabei uns alle. Alle für alle, nicht nur Pfarrer und Kirchenvorstand, sondern jeder Christ soll Liebe üben, in Worten und Taten, im Helfen und Reden, im Hören und Beten. So sind wir und bleiben wir in der Liebe Gottes, die uns geschenkt ist durch Jesus Christus unseren Herrn.
 
Es wird uns nur begrenzt gelingen. Erst recht, wenn diese Aufgabe nur auf wenigen Schultern ruht. Wenn aber alle ihren Teil dazu beitragen, kann vielen geholfen werden.

Jeder und jede hat dabei seine ihm oder ihr eigene Aufgabe. So unterschiedlich wie wir sind, können wir auch Unterschiedliches einbringen, so wie es uns der Herr gibt, können wir geben. Verantwortung für andere kann jeder und jede wahrnehmen und so die Liebe vollkommen machen, in der wir selbst stehen.

Zum Füreinander gehört auch das Beten für die Menschen. Fürbitte nennt sich das Gebet vor dem Vater unser. Im Gebet geht der Blick von uns weg. Wir danken Gott für die Gaben und beten für die Menschen, die uns in den Sinn kommen. Gott weiß, was ein jeder Mensch braucht, aber wenn wir ihm die Nöte bringen, so will er hören und selbst zum Handelnden werden. Er will für die sorgen, um die wir uns Sorgen machen. Er beruft uns und andere, seiner Liebe zu folgen und zu tun, wozu er uns in Liebe sendet. Dazu gebe er uns seinen heiligen Geist. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
 
Trinitatis, 07.06.2020
Andacht zum Sonntag
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Großer Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde,
deine Herrlichkeit erfüllt das Weltall.
Deine Gegenwart gibt uns Trost und Hoffnung.
Du offenbarst dich Menschen überall auf dieser Erde.
Du bist unter uns gewesen in Gestalt eines Menschen,
du hast in deinem Sohn Jesus Christus
unser Leben und Sterben geteilt.
Du sagst allen Menschen Erlösung zu,
vergibst uns und schenkst ewiges Leben.
Dein Geist wohnt unter uns und hält uns lebendig;
deine Liebe, deine Freundlichkeit,
dein Erbarmen umfangen unser Leben.
Du machst uns zu Gliedern an deinem Leib.
Mit allen, die deinen Namen anrufen,
gehören wir zu dir.
Wir loben und preisen dich, den Dreieinigen,
Gott Vater, Sohn und heiligen Geist,
jetzt und in Ewigkeit.
Wir bitten dich, erfülle uns immer wieder
mit Glauben, Hoffnung und Liebe,
damit wir weitergeben und ausstreuen,
was du uns schenkst.
Nimm uns in den Dienst am Leib Christi.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Predigt
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wann haben Sie das letzte Mal einen Menschen gesegnet? Haben Sie es überhaupt schon einmal getan? „Ich wünsche dir Gottes Segen“. „Gott segne dich!“
 
Wir haben früher, wenn die Kinder aus dem Haus gingen, ihnen Gottes Segen gewünscht und ein Kreuz mit dem Finger auf ihre Stirn gemacht. Abends wünschen wir uns Gottes Segen. Bei Besuchen wünsche ich Gottes Segen und auch manchmal am Telefon.
 
Manche Menschen reagieren darauf mit: „Ja, den können wir gebrauchen!“
 
Im Segen steckt mehr als ein guter Wunsch, auch wenn darin auch ein Stück eines Segens liegt. Aber zum Segen gehört eben auch der, der für die Erfüllung sorgt, unser Gott.
 
In jedem Gottesdienst kommen mehrere Segen vor. Nicht nur der am Ende, sondern auch am Anfang und am Ende der Predigt werden Segensworte gesprochen:
 
„Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“ „Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.“
 
Das Predigtwort für den heutigen Sonntag behandelt den Segen, der bei uns am Ende des Gottesdienstes steht: 4. Mose 6,22-27:
 
Der priesterliche Segen
 
Und der Herr redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Ich will bei dem letzten Satz anfangen: „So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“

Aaron und seine Söhne bekommen als Priester den Auftrag im Namen Gottes zu segnen. Es ist nicht etwas, was sie im eigenen Namen tun. Gott will, dass sein Name über das Volk gelegt wird. Es ist kein anderer Name, der uns selig macht, der uns Heil schenkt, als Gottes Name. Segnen wir, stellen wir sie unter den, der das Leben schenkt, der uns Hoffnung gibt und seine Liebe schenkt, der uns in Jesus Christus von Sünden und Tod erlöst und uns im Heiligen Geist mit ihm verbindet. „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“, heißt es in Psalm 91,1-2. Unter seinem Schutz und Schirm zu sein, das bewirkt sein Segen, wenn wir unter seinem Namen stehen und uns ihm anvertrauen. Seinen Namen auf jemanden zu legen, heißt ihn Gott anzuvertrauen, damit er an ihm / an ihr handelt. Denn das ist die Zusage, dass Gott segnet, wenn wir segnen, dass seine Gegenwart etwas bewirkt. Wer gesegnet ist, der weiß, dass Gott selbst für ihn sorgt und ihn segnet. Gott wirkt in seinem Leben. Gott wirkt in unserem Leben. Und das tut gut und bewirkt das Gute. „Gott segne dich!“, heißt schon, dass Gott mit dir geht auf allen deinen Wegen.

Wir sind unter seinem Schutz und Schirm.

So sagt es auch der erste Teil des priesterlichen Segens oder aaronitischen Segens:

Der Herr segne dich und behüte dich.

Behütet sein, gesegnet sein. Einen guten Hirten zu haben, der die Wege mitgeht, auf denen wir durchs Leben gehen. Dieser Gott verlässt uns nicht, wohin unser Weg auch führt. Das kann Trost und Hilfe sein, gerade in schweren Zeiten, wie diesen. Gerade auch, wenn wir unsere Zukunft vielleicht nicht rosig sehen, wenn wir uns Sorgen machen, im dunklen Tal wandeln. Gott ist bei uns. Wir dürfen uns, sollen es uns immer wieder sagen lassen und gesagt sein lassen: Du stehst unter Gottes Namen, von ihm kann dich nichts trennen. Wenn einer die Zukunft kennt, dann der Herr. Er weiß auch für dich einen Weg. Manchmal müssen wir uns entscheiden, da oder dort lang. Beide Wege wird Gott mit dir gehen und dich führen, damit du bei ihm bleibst, denn er ist bei dir.

Ich möchte aber auch von den guten Tagen reden. Manchem sind sie zu selbstverständlich geworden. Manchmal machen sie uns auch zu selbstsicher. Aufwärts, weiter, höher, besser. Noch mehr Urlaub, noch besserer Job, noch mehr Besitz. Die Zukunft liegt manchem offen vor Augen, als wäre das Morgen schon klar. Wer unter dem Schutz des Höchsten ist, weiß von seinen Grenzen. Die Grenzen des Machbaren, die Grenzen des Lebens, die Grenzen der Moral. Gott geht auch diesen Weg mit, aber er ermahnt auch zur Selbstkritik und Rücksicht, zu Demut im Angesicht Gottes. Sein Segen ist auch dafür da, uns zu leiten, dass wir nicht auf falsche Wege geraten.

Denn der Herr sieht uns. „…der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; …“, heißt es im zweiten Teil des Segens. Er ist uns zugewandt. Er blickt auf uns und unser Leben, keine Zeit, in der er sich abwendet von seinem Volk, von denen, die unter seinem Namen sind. Es leuchtet. Er teilt uns seine Herrlichkeit mit. Wir können ihn erkennen in seiner Liebe und Gnade, in seiner Barmherzigkeit, die er uns schenkt.

Unser Leben ist nicht vollkommen. Wir vergessen ihn und gehen in die Irre. Wir meinen, ohne ihn geht’s auch. Wir leben nach eigenem Ermessen und machen Dinge falsch. Andere meinen, ohne ihn zu sein und Zweifeln, obwohl seine Zusage doch immer gilt. Gott kennt uns, kennt die Menschen, kennt jede Fassette unseres Lebens, trotzdem hört seine Liebe nicht auf. Der Vater kann nicht anders, er kann seine Liebe nicht vergessen. Er will, dass wir leben, dass das Leben gelingt. Er spricht zu uns in seinem Wort, er begleitet uns immer. Und er opfert sich selbst für unsere Fehler. Jesus ging ans Kreuz, um uns von Sünde und Tod zu erlösen. Er hat die unbedingte Liebe Gottes verkündet, die selbst im Tod nicht endet, sondern uns zur Vollendung führt. Seine Gnade ist nicht von oben herab, sondern von vergebender Freude über den, der zu ihm findet. Er will sich uns zu erkennen geben. Sein Angesicht bleibt uns zugewandt, damit wir ihn und seine Nähe und Gegenwart wahrnehmen und annehmen, was er uns schenkt.

„…der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“, ist der letzte Teil des Segens. Wenn Gott sein Angesicht über uns hebt, dann überblickt er, was uns ausmacht. Er kann Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sehen. Er herrscht „von Ewigkeit zu Ewigkeit“, sagen wir. Er ist über Raum und Zeit, weil beides etwas Geschaffenes ist. Raum und Zeit gehören zur Schöpfung. Er aber ist der Schöpfer. Er steht darüber. Gott sieht, was war, ist und sein wird, weil alles in seinen Händen geborgen ist. Nichts ist ohne ihn und wird ohne ihn sein. Und doch nimmt er uns Menschen war, als seine Kreaturen, als seine geliebte Wesen, als Kinder seiner Liebe. Wir sind ihm wichtig, sind wertvoll in seinen Augen. Darum umsorgt er uns, schenkt uns seine Gegenwart und Nähe, lässt uns nicht allein.

Er schenkt Frieden. Das hat nichts mit Abwesenheit von Krieg zu tun, oder zumindest nur am Rande. Shalom ist im hebräischen die Ausgeglichenheit der Verhältnisse. Wie bei einer Waage. Modern könnten wir vielleicht sagen: Es ist alles ok. Gott sorgt für das Ok. Gott leitet uns zum OK. Wir sind mit ihm auf dem Weg, dass alles gut wird, dass es richtig wird, wenn wir auf ihn hören. Dass wir für andere eintreten, den Rassismus bekämpfen, die Unterdrückung beenden, uns aber auch in Gegebenheiten hineinfügen, die wir nicht ändern können, ok wird es erst durch Gott. Frieden ist mehr, als alles ist in Ordnung. Es kann auch heißen, dass wir uns auseinandersetzten mit anderen Positionen, Verschiedenes vergleichen, Meinungen gelten lassen, auch wenn sie nicht unsere ist. Anderen Menschen Raum geben zu ihrem Leben, auch wenn es nicht unser Weg ist. Frieden kann in einem sehr bunten Leben sein in dem alle Fassetten Platz haben. Wie die Natur nicht einfarbig ist und verschiedene Formen und Lebensräume beinhaltet, kann Frieden da sein, wo Verschiedenheit normal ist und Anderssein heißt, Gottes Wege zu akzeptieren. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Frieden zu machen. Es ist unsere Aufgabe, ihn zu gestalten. Das können wir nur, wenn wir Gott akzeptieren, der über allen sein Angesicht leuchten lässt, der alle gleich liebt. In seiner Liebe ist Frieden. Mit ihm haben wir Frieden, weil er uns liebt.

Segnen heißt, Menschen, die Zusagen Gottes zuzusprechen, weil wir Gottes Wirken erkennen. Er ist uns zugewandt. Er will den Segen wirken. Er erst macht unser Segnen zum Segen für die Menschen.

So geben wir nur weiter, was er uns aufgetragen hat. Jeder Mensch ist berufen, in Gottes Namen weiterzugeben, was der Herr uns schenkt. Ja, das können wir gebrauchen, dass Gott unser Leben begleitet und mit uns geht, dass er das Gute macht und uns in Schwachheit tröstet und aufrichtet, dass seine Liebe nicht aufhört und jeden Tag in seinen Händen geborgen sein lässt. Gott segne dich. Gott ist nahe in deinem Leben bis zur Vollendung in Ewigkeit. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
 
Pfingsten 31.5./1.6.2020
Liebe Schwestern und Brüder!
 
 
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht:
 
Apg 2,1-18
 

Das Pfingstwunder
 
Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.
 
Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. Amen.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Der Heilige Geist ruft uns heute zusammen, um mit Gott verbunden Gottesdienst zu feiern. Der Heilige Geist, das ist Gottes Gegenwart unter uns. Seine Nähe, seine Liebe, die uns umgibt. Der Heilige Geist macht, dass wir glauben, dass wir Gott vertrauen, dass wir uns zu ihm wenden und durch Gottes Wort gestärkt werden. Darum sind wir heute hier, um uns stärken zu lassen, trösten und helfen zu lassen durch Gottes Gegenwart.
 
Viele sind heute hier, weil sie einen Menschen verloren haben, der ihnen wichtig war. Wir hatten vom Beginn des Shutdowns bis heute in den Kirchengemeinden Borsdorf und Ober-Widdersheim 14 Todesfälle. Einen Menschen zu verlieren, ist schwer. Die Trauer ist nicht so leicht zu überwinden. Den Jüngern und Anhängern Jesus ging es nicht anders. Erst der schreckliche Tod Jesus am Kreuz, dann die Auferstehung und das leere Grab. Jesus zeigt sich ihnen nach der Auferstehung, aber dann geht er doch. Himmelfahrt ist der zweite Abschied Jesu von den Seinen. Er geht zum Vater. Wieder sind sie in Trauer. Er lässt sie zurück mit einer Verheißung: Ich werde euch den Geist senden, der wird euch alles lehren. Und so warten seine Jünger auf den Geist, der sie tröstet und lehrt, der sie mit ihrem Herrn verbindet.
 
Zwischen dem Wissen, Jesus ist beim Vater, und der Trauer stehen die Jünger, denn ihr Herr ist nicht mehr bei ihnen. Sie treffen sich in Jerusalem, reden von ihm, von seinen Taten und seinen Worten.
 
So tun wir das ja auch, wenn wir uns an unsere Verstorbenen erinnern. Wir erzählen uns die Anekdoten, die uns mit ihnen verbinden. Wir lachen über die schönen Momente und weinen über den Verlust. Ich denke, den Jüngern ging es nicht anders. Wir bleiben auch über die Erinnerungen miteinander verbunden. Aber dabei geht es um die Vergangenheit. Die Jünger warteten, wie auch wir, auf den Trost und den Zuspruch, der Hoffnung schenkt und Mut macht zum Leben in der Gegenwart und in der Zukunft. Sie beten miteinander zu Gott, dass der verheißene Tröster kommt, dass sie seine Gegenwart erfahren.
 
Die Apostelgeschichte erzählt uns von jenem Tag, 50 Tage nach Ostern, als sie plötzlich erfüllt werden vom Heiligen Geist.
 
Lange Zeit hatten Menschen Schwierigkeiten, das Wirken des Geistes zu beschreiben. Im Zeitalter des Internets und W-LAN fällt uns das leichter. Der Heilige Geist das ist die Verbindung mit Gott, nur ohne technische Geräte. Gott kann direkt mit uns Verbindung aufnehmen. Der Empfänger sind wir selbst. Er kommt direkt in unsere Herzen und Sinne. Zungen zerteilt wie ein Feuer, so beschreibt es die Apostelgeschichte, ein komisches Bild. Entscheidend aber ist, was damit gesagt wird. Der göttliche Funke, ein Teil der Herrlichkeit Gottes, kommt zu den Jüngern. Seine Gegenwart erfüllt sie, Gott ist wirklich bei ihnen. Der Geist rüstet sie aus mit Mut und Zuversicht und rüstet sie aus Zeugen der Gnade Gottes zu sein. Davon können sie nun erzählen. Sie preisen den Herrn.
 
Es muss ein Ereignis gewesen sein, dass auch andere angelockt hat. Ein Brausen vom Himmel erfüllt die Umgebung. „Was ist da los?“, fragen sich die Menschen aus aller Herren Länder.
 
Sie hören die Jünger in all ihren Sprachen. Es wäre als würde ich jetzt Thailändisch oder Suaheli reden. Eine Missionarin erzählte einmal von einem solchen Ereignis, als bei einem ihrer Besuche in Afrika eine einfache Frau plötzlich in Deutsch betete, obwohl sie die Sprache gar nicht kannte. Sie war selbst erschrocken darüber, aber die Missionarin konnte sie beruhigen, dass das ein gutes Gebet war, das sie gesprochen hatte. Das gibt es also bis heute. Auf jeden Fall wird deutlich Gottes Geist ist international. Die Gabe des Heiligen Geistes lässt überall auf der Welt Menschen zum Glauben kommen. Sie erleben Gottes Gegenwart. Und das ist das eigentlich Entscheidende.
 
Aus der Erinnerung an Jesus wird Gottes Gegenwart in der Welt, aus Vergangenheit wird Zukunft. Die Jünger bekommen die Gewissheit, dass nicht nur damals Jesus bei ihnen war, sondern dass er bleibend mit seinem Heiligen Geist mit ihnen ist. Der Trost liegt darin, dass er nicht weg, sondern gegenwärtig ist. Jesus war gegangen, um gegenwärtig zu sein. Immer da, wo wir ihn suchen, wenn wir seine Hilfe nötig haben, wenn wir Hoffnung und Zuspruch brauchen, aber eigentlich in jeder Situation unseres Lebens, auch in Freude und Glück ist er bei uns. Er lässt uns nicht allein. Der Glaube hängt nicht allein an der Vergangenheit Jesu, sondern hängt an der Gegenwart und Zukunft, Gott und Jesus sind und bleiben an unserer Seite. Der, der am Kreuz starb und der auferweckt wurde, der Sünde und Tod überwunden hat, lebt nicht fern von uns, sondern mitten unter uns. Der Geist Gottes schenkt uns diese Gegenwart mitten in unser Leben hinein.
 
Das ist bis heute so. Wir können uns auf ihn verlassen. Ihm alles sagen, alles bringen, alle Lasten mit ihm teilen, alle Trauer und alle Sorgen, alles Glück und alle Freude. Er hört uns und begleitet unser Leben. Wir haben einen Herrn, der mit uns ist. Dafür preisen und loben wir ihn, weil wir in seiner Gegenwart alles haben, was wir brauchen. Gottes Geist macht uns aber auch gewiss, dass diese Gegenwart nicht aufhören wird, auch nicht an der Schwelle des Todes. Wir bleiben bei Gott geborgen, weil Jesus uns den Weg ins Himmelreich geöffnet hat, weil alle Schuld auf seinen Schultern ruht und er unsere Sünde überwunden hat. Nichts kann uns mehr von seiner Liebe und Gegenwart trennen. So sind auch unsere Verstorbenen in seiner Gegenwart aufgehoben. Und wir werden uns wiedersehen im himmlischen Paradies. Wir können es nur glaubend annehmen und uns in Gottes Hände begeben. Der Heilige Geist macht uns des Glaubens gewiss. Er befähigt auch uns Gottes Zeugen zu sein, von der Hoffnung und Liebe zu erzählen, von Vergebung und ewigem Leben, von Jesus, der uns den Himmel geöffnet hat und den Frieden mit ihm zu verkündigen. Der Geist Gottes verbindet uns mit Gott hier in dieser Welt und in Ewigkeit. Amen.
 
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Exaudi, 24.5.2020
Andacht zum Sonntag
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Gott, unermesslich ist deine Gnade,
du rufst uns und willst uns bei dir haben
trotz allem, was in unserem Leben dir widerspricht.
Du willst uns verwandeln und neu machen.
Du nimmst dich unserer Sorgen an
und heilst die Wunden, die uns das Leben bringt.
Du gibst uns, was wir brauchen,
schenkst uns jeden Tag deine Gegenwart.
Herr, mit dir kommen wir weiter im Leben,
Du trägst uns zu allen Zeiten.
Lass uns von deiner Gnade und Treue erfahren.
Stärke uns
und gib deinen Geist, dass wir mit dir leben.
Das bitten wir dich durch Jesus Christi,
deinen Sohn, unseren Herrn,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Predigt
Gnade sein mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.
 
Jeremia 31,31,34 Der neue Bund
 
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Liebe Gemeinde,

Es ist schon verrückt: Wir halten uns nicht an das, was Gott uns sagt, doch Gott vergibt uns und fängt neu mit uns an. Manche Menschen meinen: „Mit Gott habe ich keinen Vertrag!“ Und Gott sagt: „Von dir aus vielleicht nicht. Ich habe aber einen Vertrag für dich vorbereitet, für den du nicht einmal viel tun musst. Du kannst mir vertrauen!“

Manche wollen sich nicht auf Gott einlassen, weil er so viel fordert, andere, weil sie meinen, nichts davon zu haben. Denn eigentlich wissen wir, was Gott von uns fordert. Viele Menschen haben zumindest eine Ahnung, wie das Leben aussehen müsste, das Gott gefallen würde. Ob man sich nun an den Zehn Geboten orientiert, oder am Doppelgebot der Liebe (Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen… und liebe deinen Nächsten, wie dich selbst), viele haben eigentlich verstanden, was Gott will. Beim Propheten Micha heißt es: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Gott hat seinem Volk im Laufe der Geschichte gesagt, was er will. Er hat ihnen Regeln, Gebote, gegeben, ihnen die Richtung gewiesen. Er hat sie aus mancher schwierigen Situation geholt, nicht nur damals in Ägypten. Immer wieder fängt er neu mit seinem Volk an. Die Propheten warnten die Israeliten vor den falschen Wegen und verkehrten Hoffnungen. Wenn sie sich anderen Göttern zuwandten und trügerische politische Bündnisse eingingen, wenn sie die Armen vergaßen und sich durch falsche Opfer freikaufen wollten, wenn sie im Alltag Gott vergaßen und einander betrogen haben, dann prangerten das die Propheten an.

Israel hat den Bund gebrochen, so sieht es nicht nur Jeremia. Er sieht die Katastrophe kommen, das Exil, doch das Volk reagiert nicht und der König will davon nichts wissen.

Gott aber verlässt sein Volk nicht. Auch wenn sie den alten Vertrag nicht gehalten haben. Er bietet einen neuen Vertrag an. Er will und hat vergeben. Er will sich nicht an dem orientieren, was war. Gott will neu anfangen, einen neuen Bund, einen neuen Vertrag schließen.

Was unterscheidet diesen neuen Bund vom alten Bund? Der alte Bund wurde am Berg Sinai geschlossen und auf steinernen Tafeln festgehalten, die Zehn Gebote lagen in der Bundeslade. Man musste diesen Bund immer wieder erneuern. Die Regeln von Mund zu Mund weitergeben, später Texte schreiben und lesen. Es brauchte Vermittler: Moses, die Priester und Propheten, Lehrer des Wortes Gottes, Ausleger, die die Menschen erinnerten. „Erkenne den Herrn.“ „Sieh auf Gott.“ „Höret das Wort des Herrn.“ Sie rufen zum Glauben, mahnen zur Einhaltung, suchen die Menschen, um sie zu gewinnen.

Der neue Bund steht nicht auf Stein oder Papier geschrieben. Das Gesetz des Herrn will Gott ins Herz der Menschen geben. Übrigens ist das Herz im hebräischen der Sitz des Verstandes. Sie sollen begreifen, was Gott will, weil es in ihnen selbst angelegt ist. Gott macht sich unmittelbar. Es braucht keine Mittler mehr, keine Personen, die zwischen Gott und den Menschen als Überbringer wirken. Gott will selbst in die Herzen reden und unmittelbar die Menschen erreichen. Ins Innerste hinein will er reden, damit die Menschen ihm folgen. Sie sollen ihn erkennen, wie er wirklich ist. Der liebende Vater sorgt sich um seine Kinder. Er will, dass sie leben und seine Liebe begreifen. „Ich will vergeben und nicht mehr an ihre Sünde denken“, sagt er seinem Volk, sagt er uns.

Der neue Bund bedeutet, dass von Gott kommt, was uns rettet. Er schenkt es uns, dass wir bei ihm bleiben können. Durch Jesus Christus ist uns die Liebe Gottes zugesagt, die bestehen bleibt. Der Vater sucht uns, er will uns für sich gewinnen. Er will, dass wir leben und mit ihm und durch ihn unsere Tage gestalten. Weil wir aber nicht so sind, wie wir sein sollten, störrisch gegenüber seinem Wort, eigensinnig gegenüber seiner Führung, Gedankenlos in unserem Tun, schenkt er uns durch Jesus die Vergebung, die nicht mehr abhängig ist von unserer Leistung. Gott geht in Jesus selbst in den Tod, er nimmt auf sich, was uns trennt, vergibt die Sünde und stirbt unseren Tod. Am Kreuz überwindet er unsere Sünden und erlöst uns von unserer Schuld. Durch seine Auferstehung ist der Weg frei zu Gott. Das Tor zum Himmelreich steht offen, für den, der auf Gott vertraut und dem Wort der Erlösung glaubt.

Wie kommen wir aber zur Erkenntnis und zum Glauben? Gott schenkt seinen Geist, seine unmittelbare Verbindung mit uns, ein W-LAN ohne technische Geräte. Der Herr schafft eine Verbindung, die ihn unmittelbar mit den Menschen kommunizieren lässt. Gott selbst kommt in unsere Herzen und sagt uns seine Liebe zu. Er macht, dass wir glauben können und das Vertrauen in den guten Vater und Hirten finden, der uns nur Gutes schenken will. Gott baut den Vertrag auf, er sorgt dafür, dass er eingehalten werden kann. Er vergibt die Vertragsbrüche, und sagt uns jeden Tag neu seine Liebe zu. Gott glaubt an uns, weil er uns liebt.

Wir können diesen Vertrag nicht eingehen, ohne dass Gott ihn uns schenkt. Er ist schon geschenkt. Wir dürfen neu beginnen. Die Zusagen gelten schon. Zwar werden noch Menschen uns von Gott erzählen, und uns immer wieder auch auf sein Wort hinweisen. Aber erkennen werden wir Gott nur durch ihn selbst, durch seinen heiligen Geist. Wenn er in unsere Herzen schreibt, dann wissen wir wirklich, wie er ist, dann erkennen wir seine Liebe und geben uns in seine Hände.

Manche sagen sie haben keinen Vertrag mit Gott. Gott aber hat den Vertrag bereits gemacht. Er will dir alles schenken. Obwohl wir so sind, wie wir sind.

Eigentlich ist es verrückt, dass Gott uns immer noch haben will. Es ist verrückt, dass er alles tut, dass wir seine Liebe erfahren. Aber der Bund steht fest, der uns mit ihm verbindet. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Zur Predigt passt das Lied „Das Privileg zu sein“ von Samuel Harfst.
 
Himmelfahrtstag, 21.5.2020
Andacht zum Himmelfahrtstag von Pfr. Michael Clement

Gebet
Allmächtiger Gott und Vater,
du hast deinen Sohn, unsern Heiland,
an deine rechte Seite gesetzt und so Ehre gegeben.
Du hast uns durch ihn
deine Herrlichkeit und Liebe gezeigt.
Du wirkst weiterhin unter uns,
wo Menschen deine Nähe erfahren.
Wir danken dir dafür und bitten dich:
Stärke unser Vertrauen darauf,
dass du, Gott mit Jesus Christus
durch den Heiligen Geist auch unser Leben regierst
und wir mit dir verbunden sind und bleiben.
Das bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unsern Herrn,
der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Predigt
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,
welches Bild verbinden sie mit Christi Himmelfahrt? Einen auf einer Wolke aufsteigenden Christus? Wie auf so einer Art himmlischem Fahrstuhl? Von oben winkt Christus seinen Jüngern zu. Oder moderner: Weggebeamt? Sich langsam auflösende Konturen? Oder wie ein Zauberer in einer Wolke plötzlich verschwindend?  Es sind diese Bilder, die es uns heute manchen schwer machen, mit der Himmelfahrt Christi etwas anzufangen. Und glauben sie mir, auch schon vor 500 Jahren und davor hatten Menschen mit diesem Bild aus dem Lukasevangelium bzw. der Apostelgeschichte Probleme. Wenn es da heißt: Jesus wurde zusehens aufgehoben gen Himmel. Eine Wolke nahm ihn auf.

Doch es kommt gar nicht so sehr auf diese Bilder an. Kein anderes Evangelium braucht sie, um auszudrücken, was mit der Himmelfahrt gemeint ist.  Was soll aber dann das Bild von dem offenen Himmel und der Auffahrt Christi. Es soll nichts anderes als die Gemeinschaft veranschaulichen, in der Jesus und Gott stehen, quasi als Bestätigung all der Ereignisse um Ostern mit Tod und Auferstehung. Seit dem Himmelfahrtstag ist Jesus nicht mehr leibhaftig unter seine Jünger getreten, denn er ist wieder eins mit dem Vater. Und die Jünger erkennen seine Herrlichkeit. Die Offenbarung Gottes in Christus ist vollendet. Der Himmel ist offen. Der Blick zum Vater ist frei durch ihn. Er und der Vater sind wieder eins. Nichts anderes sagt auch unser heutiger Predigttext aus dem Johannesevangelium. Er steht im Kapitel 17, 20-26: Jesus betet dort:

Ich bitte aber nicht allein für die Jünger, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt, ehe der Grund der Welt gelegt war. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus bittet für seine Jünger und die ihnen folgenden Gemeinden, es geht ihm darum, den Himmel für die kommenden Generationen zu öffnen. Immer wieder ist das das Ziel des Gebetes. „Damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast,… damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst, … damit sie meine Herrlichkeit sehen, … damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.“
Darum bittet Jesus seinen Vater, dass sein Werk auf Erden kein Ende hat, sondern der Anfang einer ganz neuen Beziehung der Menschen zu Gott wird. Im Bild des Lukas gesagt: Jesus bittet, dass der Himmel offen und seine Herrlichkeit für alle Zeiten in der Welt sichtbar bleibt.

Zunächst bittet Jesus um die Einheit. Wie er mit Gott eins ist, so sollen auch seine Jünger – und in ihrem Gefolge die Christen – mit ihm eins sein. Das heißt, wir sollen mit ihm verbunden bleiben. Es soll keine Trennung zwischen Jesus und uns geben. Auch nach seinem Tod sollen wir ihn noch erkennen können, seine Liebe erfahren und sie leben. Seine Liebe bleibt uns über den Tod hinaus zugewandt. Die Einheit mit ihm soll uns verändern, wir sollen ihm folgen und auch untereinander eins werden in ihm.

Die Einheit der Christen. Das ist ein schwieriges Kapitel. Wir kennen viele Kirchen und Splittergruppen. Trotz ökumenischer Versammlungen und Allianz, von einer Einheit der Christenheit, sind wir weit entfernt. Und selbst innerhalb unserer Kirchen ist manchmal mehr Trennendes als Gemeinsamkeit. Viele leiden darunter, dass es nicht zu einer Einheit der Christenheit kommt. Manche versuchen mit aller Gewalt eine scheinbare Einigkeit herzustellen. „Wir haben uns doch alle lieb.“ „Keiner wider den andern!“ An der Oberfläche gilt das vielleicht, aber hintenherum werden die Messer gewetzt. Vielleicht liegt es daran, dass man Einheit mit Einigkeit verwechselt.  Immer, wenn sich Kirchenobere nicht einig waren, kam es zu Spaltungen. So schon in Korinth und später immer wieder in der Kirchengeschichte, alles, um des wahren Glaubens, der reinen Lehre willen. Einigkeit war selten in der Kirche und ist selten bis heute. Aber von Einigkeit spricht unser Wort auch nicht.
Bei den ganzen unterschiedlichen Meinungen und Theologien, dem ganzen Streit geht es doch nur um eins, Jesus Christus. Paulus drückt es so aus: „Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, Jesus Christus.“ Die Einheit, um die es geht, ist die Einheit durch IHN. Bei all dem Trennenden bleibt doch der eine Gott.
Die Kirchen und Glaubensgemeinschaften trennen sich untereinander und daran leiden Menschen. Aber nicht, was uns trennt, sondern, was uns eint, nämlich der Glaube an Gottes Sohn, Jesus Christus, wäre zu betonen und anzuerkennen, dass er auch in anderen Kirchen und Glaubensrichtungen wirkt. Denn das ist es, was Jesus den Nachfolgenden versprochen hat, und um was er Gott bittet, dass er in ihnen sei, wie der Vater in ihm. Jedem, der an ihn glaubt, ist diese Verheißung gegeben.
Die Einheit der Christen besteht in Jesus Christus. Wer meint, sie durch Einigkeit oder Einheitlichkeit ersetzen zu müssen, setzt die Sache der Welt an die Stelle der Sache Gottes. Bei all dem Trennenden, was uns schmerzt und manchen im Laufe seiner Lebensgeschichte vielleicht auch verletzt, bleibt die Verheißung, dass Gott in Jesus Christus die Einheit der glaubenden Christen schon hergestellt hat.
Im Bekenntnis dieser Einheit trotz allem Trennenden, liegt ein Teil des Evangeliums, das Grenzen überwindet, die Menschen sich setzten.
Immer wieder hat Jesus in seiner Zeit solche Grenzen überwunden und so Einheit mit Gott gestiftet über die Grenzen hinweg.  
Auch im Überschreiten der Grenzen zwischen Menschen wird ein Teil seiner Liebe zu uns sichtbar. Denn das ist ein weiterer Teil seines Gebetes. Er bittet darum, dass, wo er ist, auch die bei ihm seien, die Gott ihm gegeben hat, damit sie seine Herrlichkeit sehen, die Gott ihm gegeben hat.  

Wo wird Gottes Herrlichkeit sichtbar? Dort, wo die Liebe Gottes sichtbar wird. Dort, wo Menschen zum Glauben kommen. Dort, wo Menschen Menschen helfen, weil Gottes Liebe sie erfüllt. Dort, wo Menschen in ihrem Gegenüber, den von Gott geliebten Menschen sehen. Dort, wo Liebe den anderen so nimmt, wie er ist. Dort, wo Gottes Wort Menschen anspricht und sein Name offenbar wird. Überall dort ist Gott ganz nahe und seine Herrlichkeit wird offenbar, wo aus dem Glauben und aus der Gegenwart Gottes heraus, Grenzen keine Rolle mehr spielen. Wo bildlich ausgedrückt aus dem Weinstock Christus die Kraft Gottes die Reben zum Fruchtbringen treibt.
Manchmal ist es schwer, diese Gegenwart Gottes zu erkennen. Vielleicht sind wir ein wenig blind dafür geworden. In den einfachen Dingen des Lebens Gottes Gegenwart wahrzunehmen, dafür ist unser Blick kaum noch geschult. Viele Menschen erwarten gleich das große Ereignis, die große Hilfe, das ultimative Wirken. Viele glauben zwar nicht an die Wundergeschichten, erwarten aber ein solches Wunder für ihr Leben. Die Gegenwart aber zeigt sich in den kleinen Dingen. Im Getragen-Werden durch eine unruhige Nacht, in der Begegnung mit hilfreichen Menschen, in der Gabe des täglichen Brotes, im Glauben an die bleibende Gegenwart Gottes auch über den Tod hinaus, die uns helfen kann, Trauer und Tod zu überwinden. In der Erkenntnis, dass mit der Gegenwart Christi auch Gott gegenwärtig ist. Die Liebe Gottes bleibt, wie der Vater den Sohn, so hat der Sohn uns lieb und damit auch der Vater.
Christus bittet für uns, dass wir seine Herrlichkeit erkennen, und dass diese Erkenntnis uns bleibt. Gottes Name soll unter den Menschen wieder gelobt und besungen werden. Gott hat sich in Christus gezeigt, damit ein für alle Mal deutlich wird, dass er ein Gott für die Menschen ist, dass der Himmel offen steht für alle, die in Jesus Christus seinen Sohn erkannt haben, damit sie in der Nachfolge seine Worte weitersagen und Menschen bis heute erkennen können, dass er Gottes Sohn ist und an ihn glauben. Er gibt seine Liebe, seinen Geist in unsere Herzen, damit wir von ihm erzählen und auch im Tun seinen Namen verkündigen.  Immer wird es Menschen geben, die sein Handeln in der Welt noch nicht erkennen, die in ihm nicht Gottes Sohn sehen, die daran zweifeln, dass er für uns den Tod überwand. Aber dazu ist er eins mit uns geworden, hat sich uns geschenkt, dass wir ihn bezeugen, damit auch diese ihn erkennen können.  Mit der Himmelfahrt Christi ist seine Geschichte mit den Menschen nicht zu Ende. Der Himmel ist offen und wer in Christus Gottes Sohn erkannt hat, der wird ihn bekennen und so anderen den Himmel öffnen. Dazu hat er sich mit uns verbunden, dass die Geschichte Gottes weitergeht in dieser Welt und der Himmel auch für zukünftige Generationen offen bleibt. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Gebet
Herr, du hast uns den Himmel aufgetan.
Gottes Reich steht uns offen.
Dafür danken wir dir.
Als Sohn bist du zum Vater gegangen,
damit wir hier auf Erden Gottes Kinder sein können
und untereinander Schwestern und Brüder.
Wir preisen dich,
weil unser Leben schon heute in deinen guten Händen geborgen ist.
Nimm allen Kleinglauben von uns.
Tröste uns, wenn wir nicht mehr weiter wissen.
Lass uns geduldig sein.
Gib uns die Kräfte,
die uns fähig machen,
die Schöpfung zu bewahren,
das Brot zu teilen und den Frieden zu verkündigen.
Stifte Gemeinschaft mit den Einsamen,
die nebenan wohnen,
und lass sie uns nicht vergessen.
Verbinde uns mit allen, die leiden,
besonders den Kranken, den Sterbenden
und den Trauernden überall auf dieser Erde.
Eine Gemeinde der Hoffenden lass uns sein,
auch angesichts des Todes.
Dein Wort komme wie ein Sonnenstrahl
in unsere Herzen und in unsere Häuser.
Herr, mache das Dunkel hell.
Amen

Rogate, 17.5.2020
Andacht zum Sonntag
von Pfr. Michael Clement

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
Psalm 66,20
 
Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken
und jauchzen dem Hort unsres Heils!
Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen
und mit Psalmen ihm jauchzen!
Denn der HERR ist ein großer Gott
und ein großer König über alle Götter.
Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,
und die Höhen der Berge sind auch sein.
Denn sein ist das Meer, und er hat's gemacht,
und seine Hände haben das Trockene bereitet.
Kommt, lasst uns anbeten und knien
und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.
Denn er ist unser Gott
und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand
Psalm 95,1-7

Matthäus 6,5-15 Vom Beten. Das Vaterunser
Jesus lehrte seine Jünger und sprach:
Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten:
 
Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Liebe Gemeinde,
über das Vaterunser kann man ganze Bücher schreiben. Ich picke mir heute nur ein paar Aspekte aus diesem Bibelwort heraus.
 
Wir brauchen nicht viele Worte beim Beten machen. Gott kennt uns, er weiß, wer wir sind, was wir denken, was wir fühlen, was wir wünschen und brauchen. Trauer und Freude, Schmerz und Glück, Lachen und Weinen, Schuld und Vergebung. Was unsere Leben ausmacht, ist vor ihm offenbar. Wir müssen es ihm nicht haarklein darlegen, was uns beschäftigt. Es reicht schon ein Satz wie: „Gott, du weißt, was los ist.“
 
Während wir bei anderen Menschen vorsichtig sein müssen, was wir mitteilen, uns manchmal größer machen, als wir sind, oder lieber verbergen, was wir wirklich denken, brauchen wir das vor Gott nicht tun. Da er uns sowieso kennt, können wir ehrlich sein vor ihm und evtl. endlich auch vor uns selbst. Wir brauchen uns vor ihm nicht verstellen, nichts schönreden, nichts verbergen. Er kennt die Wahrheit.
 
Gott missbraucht sein Wissen nicht. Er ist der einzige, der uns so nimmt, wie wir sind, weil er weiß, was wirklich ist. Menschen nutzten manchmal ihr Wissen gegen uns. Gott tut das nicht. Er ist der liebende Vater.
 
Das hebräische Wort „Abba“ gleicht eher dem hessischen „Babba“. „Babba, ich hab mir weh getan.“ „Babba, ich habe Sorgen.“ „Babba, kannst du mir helfen?“ So wie zu einem liebenden Babba dürfen wir im vollen Vertrauen kommen, uns in seine Arme begeben. Gott nimmt jeden und jede an, als sein Kind, das Trost, Zuspruch, Liebe und Geborgenheit braucht und bekommt. Auch wenn wir Mist gebaut haben, wenn es nicht rund läuft, ist er für uns da. Vergebung heißt das Stichwort. Da unterscheidet sich Gott von unseren irdischen Vätern. Er schimpft nicht, straft nicht hart, entzieht nicht seine Liebe, sondern er nimmt weg, was uns belastet. Darum war Jesus Christus auf der Erde, um uns die Vergebung und Erlösung von aller Schuld zu verkündigen, die Gott aus Liebe schenkt. Komm zu mir, mein Kind, ja, da war etwas nicht in Ordnung, ich vergebe dir und du darfst neu anfangen. Meine Liebe gilt dir immer noch. Die zugesprochene Vergebung macht die Ehrlichkeit erst möglich. Die Liebe Gottes lässt uns mutig werden, Gott alles anzuvertrauen. Das Gute und das Böse, die Schuld und das Gelingen können wir ihm bringen. Danke, Gott, dass wir ehrlich sein können.
 
Ist Gottes Vergebung von unserer Vergebung untereinander abhängig? Im Wort aus dem Matthäus-Evangelium sieht das so aus. Vergebung geschieht, weil Gott uns liebt. Er liebt auch den anderen. Er liebt alle Menschen. Er vergibt auch ihnen. Nur weil wir was gegen einen anderen haben, setzt Gott nicht seine Liebe außer Kraft. Trauen wir es Gott zu, dass er alles richtig macht, dass er schon weiß, was er tut? Trauen wir es ihm zu, dass er meinem Gegenüber das zukommen lässt, was notwendig und heilsam ist? Gottes Liebe will nicht verdammen, sie will heilen, trösten und auf neue Wege führen. Trauen wir Gott zu, dass er das richtige Maß findet für uns, dann können wir es auch Gott überlassen, welches Maß er für andere findet. Vergeben heißt, dem anderen zugestehen, was ich selbst empfange. Ist Gott gerecht, wird er mit jedem Menschen den richtigen Weg gehen. Wir sollten der Liebe Gottes vertrauen, die alles für uns tut, und dieser Liebe auch alle unsere Mitmenschen anvertrauen.
 
Noch sind wir zwischen den Wünschen und der Realität unseres Lebens. Dein Reich komme beten wir. Dann wird alles vollkommen sein. Noch ist es das nicht. Noch sind wir in einer Welt mit schwierigen Zeiten und unvollkommenen Menschen. Mit Krankheiten und guten Ärzten, mit Wahrheiten und Leugnern. Wir sehen nur ein Stück und manche Menschen nur ihre Sicht der Dinge. Ich möchte mich auf Gottes Sicht einlassen. Dort geht es nicht um „Ich“, „Ich“, „Ich“ sondern immer um das „Du“. Sein Reich komme, bedeutet dann auch, dass wir die anderen sehen, nicht nur unsere vermeintlichen Freiheiten, sondern die Fürsorge, die jeder Mensch braucht, die Rücksicht auf diejenigen, die wir schützen müssen und diejenigen, die besonders gefährdet sind. Sein Reich komme, heißt, einander mit Liebe und Verständnis wahrzunehmen. Nicht jedes vermeintliche Ziel ist gut. Egoistische Ziele führen leicht in die Versuchung sich selbst für zu wichtig zu nehmen und das Böse zu tun, was wir nicht wollen.
 
Sein Wille geschehe, Gottes Wille. Das ist die härteste Bitte. Sie gelingt nur, wenn wir anfangen, Vertrauen zu wagen. Wenn der liebende Vater alles weiß und kennt, wenn er alles gibt, dann kann ich ihm auch mein Leben anvertrauen. Es kommt von ihm und geht zu ihm hin. Er vollendet durch Jesus auch noch mein Leben nach dem Tod. Er lässt in seiner Liebe keinen verloren gehen. Vertrauen ist die Grundlage des Glaubens und sie hängt dran, den liebenden Vater zu entdecken, den Jesus uns nahegebracht hat. „Babba, dir vertraue ich mich an. Du führst mein Leben. Hilf mir, es zu führen, wie du es willst. Von dir kommt es und zu dir geht es.“ Zu solchem Vertrauen möge Gott mich und auch sie immer wieder führen.
 
Luther sagte einmal, er kommt beim Beten des Vaterunsers nicht über das Wort Vater hinaus. Vielleicht kommen Sie weiter, aber jede Zeile des Gebetes ist es wert, darüber nachzudenken. Amen.

Gebet
Herr, wie sollen wir jetzt beten, ohne überflüssige Worte?
Du kennst unsere Gemeinde, führe sie in schwerer Zeit.
Du kennst unsere Gemeindeglieder, sei du ihr Herr.
Du kennst unsere Welt. Wache über ihr, Herr.
Du kennst unsere Sorgen. Sei du über uns, Herr.
Du kennst die Kranken, sei du der Arzt über Pflegern und Ärzten
Du kennst die Sterbenden. Sei du Halt und ihre Gewissheit auf Heil.
Du kennst die Verirrten. Sei du der Hirte.
Du kennst mich, vergib und lass mich werden, wie du mich willst.
Sei du mein Herr und Heiland.
Herr, du kennst unsere Gedanken und Pläne, unsere Wünsche und Hoffnungen.
Unser Vertrauen ist schwach, doch deine Liebe so groß.
So legen wir all unsere Bitten in das Gebet, das dein Sohn uns gelehrt hat.
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

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Kantate, 10.05.2020
Andacht zum Sonntag
von Michael Clement
 
 
Singet dem HERRN ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm.
Der HERR lässt sein Heil kundwerden;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,
aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem HERRN, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
Lobet den HERRN mit Harfen,
mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem HERRN, dem König!
Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen frohlocken,
und alle Berge seien fröhlich
vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.
Psalm 98
 
Liebe Gemeinde,
 
Singet! heißt der Sonntag. Singet dem Herrn ein neues Lied. Ach, was würden wir so gerne wieder in der Kirche singen. „Wie lieblich ist der Maien“ (EG 501) „Schmückt das Fest mit Maien!“ (EG 135) und andere fröhliche Mailieder könnten jetzt erklingen. Singet! Das geht leider noch nicht in den Kirchen. Schmerzlich ist es für uns, dass so lange schon kein Gottesdienst gefeiert werden konnte (und es wird noch etwas dauern). „Gott loben, das ist unser Amt!“, heißt es. Loben ohne Musik, das macht nicht so viel Freude.
 
Doch wir können Gott auch auf andere Art loben und seine großen Wunder preisen, die auch der Psalm besingt. Wir tun es mit unseren Worten, mit und in unseren Gebeten. Wir preisen ihn durch unsere Liebe, die wir ihm und unseren Lieben entgegenbringen. Denn er hat uns zu seinen Kindern gemacht. Wir gehören zu ihm und er sagt uns seine Gegenwart an jedem Tag zu. Er schenkt uns durch Jesus Christus die Vergebung der Sünden. Weil er für uns am Kreuz litt, müssen wir unsere Schuld nicht tragen, weil er auf sich nahm, was uns von Gott trennt, und wir erlöst sind und unsere Schuld vergeben ist, ist uns seine Liebe gewiss, weil er auferstanden ist, ist auch der Tod nicht mehr das Ende unseres Lebens, sondern nur die Grenze zu unserer Vollendung in seinem Reich. Jesus hat uns den Weg ins Himmelreich geöffnet. Seine Liebe hat kein Ende. Sein Heil gilt in Ewigkeit.
 
Das große Wunder ist, dass er uns annimmt und leben lässt, trotz all dessen, was und wie wir sind. Gott hat das Heil geschaffen, das unser Leben erhält. Unverdient und ohne unser Zutun dürfen wir Heimat finden bei ihm, hier und in seinem Reich.
 
Diese Zusagen gelten allen Völkern. Das Heil ist universell. Nicht nur ein Volk, alle Menschen können erfahren, welchen großen Reichtum uns Gott gegeben hat. Der Schöpfer ist auch unser Erlöser und durch Jesus Christus der Retter aller Welt.
 
Mit seinem Volk Israel hat der Weg begonnen. Von den Vätern, Abraham, Isaak und Jakob, über Mose und alle Propheten, über Jesus, die ersten Christen bis in unsere Tage reicht seine Zusage. Alle Welt kann erkennen, was Gott getan hat und noch tut, damit wir Heil finden und Geborgenheit bei ihm. Denn er hält uns in seinen Händen. Er ist bei uns an jedem Tag. Er liebt uns, darum will er uns erretten. Nichts soll uns von ihm trennen.
 
Darum loben und preisen wir ihn, unseren Gott, darum jubeln wir ihm zu, dass jeder es hört, dass er Gott ist und seine Wunder uns zum Leben gegeben sind. Er will uns Leben schenken, das zu allen Zeiten geborgen ist.
 
Auch in diesen Zeiten, in denen unser Leben eingeschränkt und belastet ist, vieles, was selbstverständlich war, nicht mehr so geht. Wir freuen uns auf die Lockerungen und haben doch auch Angst, dass es noch nicht vorbei ist. Wir sorgen uns um unser Leben und das unserer Familien und Freunde. Gott kennt unsere Gedanken. Er weiß, was wir bitten und wünschen. Er begleitet uns, er schenkt uns seine Nähe. Er bleibt auch jetzt der Herr, der an unserer Seite bleibt. Er ist für jeden Menschen da.
 
Darum können wir ihn trotz allem loben, auch für den Trost, den er schenkt, seine Gegenwart, die auch in der Krise nicht aufhört, die Hoffnung, dass wir geborgen in seinen Händen bleiben. All das wollen wir weitertragen. Singend können wir es zu Hause ihm sagen, im Gebet ihm auch das Lob bringen.
 
Im Psalm sind es auch die Kräfte der Natur, die ihn loben mit ihren Geräuschen: Vogelgesang und Rauschen der Bäche, das Raunen der Bergwinde und das Rascheln der Blätter, das Summen und Brummen der Bienen und Hummeln. Alles lobt unseren Gott.
 
Wir sollen einstimmen in den Klang. Mit Posaunen und Harfen, mit Flöten und Gitarren, mit Klavieren und Orgeln, stimmen wir ein in den Lobgesang unseres Gottes, der so große Wunder tut.
 
Nichts soll uns von unserem Lob abhalten. Denn er sieht auf die Erde mit seiner Liebe und sucht uns, gibt uns Hoffnung und Segen. Wir können unserem Gott vertrauen, dass er das Gute für uns will. Das ist seine Gerechtigkeit, dass er für uns alles tut, damit wir leben. Seine Liebe und Barmherzigkeit sind uns zugesagt. Wer mag da vor dem großen Gott und Schöpfer Angst haben. Der mit seiner Liebe uns ansieht und uns zum Leben führt, das bei ihm geborgen bleibt. Das ist unsere Hoffnung und wird zur Zuversicht. Wer auf seine Zusagen vertraut, kann Gott nur noch loben und preisen für das Wunder, das er an uns tut. Darum singet ihm zu Ehren und preiset seinen Heiligen Namen. Amen.
 
 
Gebet
Herr, lass dein Lob auch durch uns erklingen,
lass uns singen und dich preisen mit unseren Stimmen
und durch unsere Musik.
Gib das Vertrauen, dass wir bei dir geborgen sind und bleiben.
Lass uns auch in schweren Zeiten auf dich hoffen,
denn du hast uns deine Gegenwart und Hilfe zugesagt.
Sei bei allen, die zweifeln und verzagen,
lass sie nie allein und gib, dass sie Mut gewinnen,
durch dich und durch andere Menschen.
Lass sie in deinen Händen Halt finden.
Sei bei den Kranken und hilf zur Genesung,
sei bei den Medizinern und Pflegekräften.
Sorge dich um sie, dass ihr Dienst zum Segen wird.
Wenn dein Wille uns aber in dein Reich führt,
dann lass uns auf deine bleibende Gegenwart vertrauen
durch Jesus Christus unseren Herrn.
Wir sind und bleiben in deinen Händen,
dafür loben und preisen wir deinen Namen. Amen.

Jubilate, 3.5.2020
Andacht zum Sonntag
Von Pfr. Michael Clement

Gebet
Guter Gott,
wir rufen dich an,
weil wir in diesen Zeiten deine Kraft und deinen Segen brauchen.
Du hast uns versprochen, dass du bei uns bist.
Hilf uns daran zu glauben.
Mache du uns Mut, mit dir den Weg zu gehen.
Schenke uns jeden Tag die Kraft, zu tragen, was uns auferlegt ist.
Zeige uns deine Nähe.
Lass uns bei dir geborgen sein.
Amen.

Das Evangelium für den heutigen Sonntag Jubilate steht im Johannesevangelium 15,1-8:
Jesus Christus spricht:

Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
 
Liebe Gemeindeglieder,
 
das Bild habe ich 2014 in Kaysersberg im Elsass aufgenommen. Auf einem alten Weinstock wachsen die dünnen Reben mit Blättern und den Trauben mit den Weinbeeren. Eigentlich ist es unmöglich, an einem Weinstock nicht zu wachsen. Ich hatte einmal bei einem wilden Wein einen Ast ausversehen abgerissen und einfach wieder drangesetzt. Er wuchs weiter. Auf dieser Grundlage des Weinstocks kann alles gut wachsen. Der Weinstock versorgt die Reben, mit allem, was sie brauchen, Wasser und Nährstoffe. Die Rebe wächst dem Licht entgegen. Eigentlich ist es auch unmöglich, keine Frucht zu bringen. Es gibt kaum Reben, die nicht gedeihen. Aber der Weingärtner muss sich um so einen Weinstock kümmern. Kranke Reben werden entfernt, Blätter weggenommen, die Reben so gezogen, dass sie genug Licht bekommen. Faule Trauben werden herausgeschnitten. Ein Weingärtner hat viel zu tun, damit er auch eine gute Ernte hat.
 
Mit einem Weinstock hat Jesus die Glaubenden verglichen. Er ist der dicke Stamm des Weinstocks. Er ist die Grundlage, auf dem der Wein wächst. Jede und jeder von uns ist eine Rebe, ein Zweig. Gott ist der Weingärtner. Er umsorgt das Gewächs. So wie jeder Winzer schneidet er Reben ab, die keine Frucht bringen, reinigt die Reben, damit sie mehr Früchte tragen.
 
Wer aber an dem Weinstock Jesus ist, der kann gar nicht anders, als seine Bestimmung zu erfüllen, Früchte zu tragen. Wir sind rein, sagt Jesus, um des Wortes Willen, das er zu uns geredet hat. Wir sind rein, weil er uns die Sünden vergibt, weil er uns Kraft gibt zum Leben, weil er uns wachsen und reifen lässt., weil wir durch ihn das Leben haben, das bleibt. Wir haben sein Wort, und wir leben durch sein Wort, seine Zusagen, seine Gegenwart. Wir gehören zu ihm und er lässt uns wachsen, gibt uns die Kraft aus sich selbst. Aus seiner Liebe, aus seinem Segen, gedeiht unser Leben, wächst und reift, von selbst an dem Weinstock Christus.
 
Wir müssten uns schon von ihm entfernen, wenn das nicht gelingen sollte, uns selbst herausreißen aus dem Weinstock, die Grundlage verlassen, die uns das Leben schenkt. Dann würden wir auch keine Früchte bringen. Dann verdorren wir. Aus uns selbst wird uns keine Kraft zuströmen, auch wenn manche Menschen meinen, sie brauchen Jesus nicht. In der Krise merken wir, wie schwach die Kräfte werden, wenn uns nicht von Jesus die Kraft zuströmt.
 
Gerade in schweren Zeiten, brauchen wir ihn, der uns Kraft, Hoffnung und Leben schenkt, das bestehen bleibt. In Ewigkeit sind wir mit Jesus verbunden. Nichts kann uns von ihm trennen.
 
Was heißt aber Frucht bringen? Wir haben sein Wort. Dieses Wort will durch uns hindurch zu den Menschen. Frucht bringen heißt, sein Wort weitergeben und wir haben seine Liebe, die uns Kraft, Hoffnung und Leben schenkt. Seine Liebe will durch uns hindurch, damit auch wir Kraft, Hoffnung und Liebe schenken. Wir geben nur weiter, was wir empfangen. Frucht bringen, heißt, in Jesu Namen sein Wort, seine Hoffnung, seine Liebe weiterzutragen.
 
Die letzten Wochen waren schwer und wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt. Aber in all den schwierigen Momenten, in denen uns die Kraft fehlte und fehlt, können wir uns daran erinnern, dass Jesus uns versprochen hat, bei uns zu sein. Wir können von ihm erbitten, was uns fehlt. Er hat versprochen, dass er unsere Gebete erhört.
 
Er hat auch Geduld mit uns. Der Weinstock bringt ja nicht jeden Tag seine reifen Trauben hervor. Wir dürfen reifen, wir dürfen uns ausstrecken, dem Licht Gottes entgegenwachsen, bis wir bereit sind, Früchte zu tragen. Die Beeren voll süßer Liebe Gottes, voll Hoffnung und Trost werden dann auch andere erfreuen. Jesus gibt uns die Kraft dazu. Er schenkt uns Leben, das reifen und wachsen kann.
 
Mit ihm brauchen wir vor dem Leben keine Angst haben. Seine Kraft, sein Segen hören nicht auf. Er ist für uns da.
Amen.

Herr, lass uns an deinem Weinstock wachsen und reifen.
Gibt uns die Kraft, jeden Tag unsere Aufgaben zu erledigen.
Schenke uns den Trost, den wir jeden Tag brauchen, um die schweren Dinge zu tragen.
Gib uns deine Liebe, damit wir gerne tun, was deiner Liebe entspricht.
Gib uns Menschen an die Seite, die uns Mut machen.
Lass uns selbst Mut zusprechen in deinem Namen.
Wir bringen dir alles, was uns belastet, hilf uns und jedem und jeder für die wir bitten.
Lass dein Wort und deinen Zuspruch uns immer wieder aufrichten.
Schenke uns deinen Segen, damit wir zum Segen werden.
Bis du uns vollendest und wir bei dir leben in Ewigkeit. Amen.

Anmerkung für Borsdorf und Ober-Widdersheim
Noch können wir nicht sagen, wann wir wieder Gottesdienste feiern können.
Die Schutzkonzepte müssen erst noch von den Kirchenvorständen erarbeitet werden. Es wird noch eine Weile dauern.

Ich grüße Sie ganz herzlich.
Ihr Pfarrer
Michael Clement

Miserikordias Domini, 26.4.2020
Predigt zum Evangelium des Sonntags

 
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Joh 10,11-16.27-30:
 
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden. … Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Ein kleines Kind braucht die Fürsorge der Eltern. Es braucht Menschen, die es verstehen, die es versorgen, es beschützen, die seine Wege lenken, die ihm Werte mit auf den Weg geben, die ihm gut Zusprechen, Mut machen, Hoffnung geben.
 
Gute Eltern, werden gut für ihr Kind sorgen, ihm Geborgenheit vermitteln.  
 
Das Kind wird größer und andere Menschen treten in sein Leben, Erzieher, Lehrer.
 
Wenn sie es gut machen, führen sie das Kind zu etwas Gutem. Dann die Ausbildung, Studium. Dazu kommen die Freunde, und manchmal auch schlechte Freunde, die uns vom Weg abbringen. Später sind es unsere Chefs, die ein Stück unseres Lebens bestimmen, und die Partnerin oder der Partner, die Ehefrau, der Ehemann. Wir sind eingebettet in die Politik auf allen Ebenen unseres Landes, zuletzt auch in das weltweite politische Wirken.
 
Egal was wir da betrachten, wir erwarten, dass all die, die unser Leben bestimmen, ihre Sache gut machen und die, die für uns Verantwortung tragen, ihrer Verantwortung nachkommen.  
 
Aber wir sehen auch, dass sie daran versagen. Politiker, die nur an sich selbst denken oder nicht mehr ihr ganzes Volk im Blick zu haben scheinen. Menschen, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Wir brauchen nur das Chaos anzusehen, das manche Länder in dieser Zeit des Corona-Virus haben. Da fragt man sich, ob manche wirklich verantwortlich handelten und handeln? Nicht alle tragen ihre Verantwortung.  
 
Wem sind unsere Politiker verpflichtet? Was ist ihre Verantwortung und werden sie ihr gerecht? Auch wenn manches schwierig zu entscheiden ist, manche sind ganz schön leichtsinnig, andere zu streng. Aber immerhin, sie sorgen sich fast alle wirklich um unser Überleben.
 
In der Bibel werden die Könige und Fürsten und verantwortlichen Priester als schlechte Hirten dargestellt, wenn sie ihr Volk aus den Augen verlieren. Jesus spricht von Mietlingen, Hirten auf Zeit.  
 
Zu seiner Zeit waren Hirten oft Tagelöhner. Sie erhielten nur Niedriglohn. Bei Gefahr dachten sie eher an ihr eigenes Leben, als daran die Schafe zu beschützen. Die Zuhörer wussten, Jesus knüpft mit seinen Aussagen auch an den Propheten Hesekiel an, der damals schon die Politiker als schlechte Hirten bezeichnete. Aber Jesus geht es nicht nur um politisches Versagen.  
 
Ich erinnere mich an eine Folge aus „Club der roten Bänder“, in dem ein alternativer Heiler den Eltern eines Kindes durch seine alternative Medizin Heilung verspricht.
 
Letztendlich ohne Erfolg, das Kind stirbt. Die Eltern waren den falschen Versprechungen aufgesessen. Denn diese hatten mit der Realität nichts zu tun.  
 
Zum Leben brauchen wir Vertrauen, vertrauen auf das, was uns versprochen wird.
 
Ein Kind, das seinen Eltern zunächst alles glaubt, aber nach und nach merkt, die Realität sieht anders aus, wird ein Gespür dafür entwickeln, ob es ihnen immer vertrauen kann oder nicht. Die Frage, die sich jedem im Laufe des Lebens stellt, ist:
 
Wem kann ich denn vertrauen? Wer übernimmt für seine Zusagen Verantwortung?
 
Welche Zusagen tragen überhaupt?
 
Ich bin der gute Hirte, sagt uns Jesus. Von den mehr oder weniger guten haben wir gerade gesprochen. Er aber sagt zu uns: „Ich bin der gute Hirte.“ Er ist der, der seine Verantwortung übernimmt, der nicht bei der erstbesten Gefahr davonrennt, sondern er ist der Hirte, der bleibt. Ja, der sogar bereit ist, sein Leben für die Sicherheit der Schafe zu lassen. Ja, Jesus hat sein Leben gelassen, als er für uns ans Kreuz ging. Ja, er setzt sich für uns ein, damit keines seiner Schafe verloren geht, sondern er sorgt dafür, dass jeder bei ihm Heimat und Geborgenheit findet in Ewigkeit.  Er sorgt für uns. Er ist für uns da. Er geht unsere Wege mit. Auch in den finsteren Tälern. Ja, davon verschweigt er uns nichts. Es gibt ja Leute, die meinen, Gott hat uns ein unbeschwertes Leben versprochen, aber das hat er nie. Nein, er ist ganz realistisch. In deinem Leben wird es auch Täler geben. Angriffe von außen, schwere Zeiten, mit Dürre und Mangel, auch Krankheiten: Gott weiß, dass unser Leben nicht immer nur Luxus bereithält. Er verheimlicht uns nicht die Realität des Lebens. Aber in jeder Situation gilt: Dieser Hirte bleibt. Jesus bleibt bei uns, auch wenn es mal schwierig wird. Deshalb brauchen die Schafe ja einen Hirten, damit sie die schwierigen Situationen überstehen. Gott hilft uns auch in schwierigen Zeiten, wenn alle anderen uns verlassen, wenn die irdischen Versprechen gebrochen werden, die falschen Hoffnungen zerbrechen.  
 
Gott wird die schwierigen Situationen nicht verhindern. Manches geschieht auch, weil wir nicht auf ihn hören, andere Wege einschlagen, als wir sollten, weil das Gras uns woanders besser erscheint, wir falschen Versprechungen aufsitzen. Oder sich Krankheiten einstellen, die nicht so leicht zu bekämpfen sind. Gott weiß, dass unser Leben bedroht ist. Aber er lässt uns in dieser schweren Zeit nicht allein. Gott bleibt trotz allem bei uns. Jesus bleibt. Er bleibt, weil er uns liebt, weil wir ihm wichtig sind. Nicht nur Hirte sondern auch Vater ist unser Gott. Ein Vater, der seine Verantwortung nie abgibt, sondern an unserer Seite steht, mit Trost und Rat und der uns Hoffnung gibt. Er weiß, was wir brauchen, weil er uns kennt. Da ist nichts verborgen, da braucht man auch nichts verstecken, weil Gott es sowieso wahrnimmt in seiner ganzen Tiefe, aber auch in seiner ganzen Bedeutung für unser Leben. Er weiß, warum wir uns freuen oder warum wir traurig sind. Selbst da, wo wir manchmal raten müssen, was jetzt wieder mit uns los ist, weiß Gott es. Darum kann er uns führen, weil er mit seiner ganzen Liebe unser Bestes will und uns all das geben kann, was wir wirklich brauchen. Nicht oberflächliche sondern tiefgehende Hilfe, Trost, Segen, Versorgung in einer Ganzheit, die wir menschlich gesehen kaum wirklich ganz wahrnehmen können.  
 
Dieser Zuspruch des guten Hirten, des guten Vaters, des liebenden Sohnes, Jesus Christus, gibt uns erst wirkliche Geborgenheit. An ihn können wir uns immer wenden. Denn auf Gott können wir uns verlassen. Auf seine Verantwortung für uns können wir uns verlassen, weil er nicht betrügt, weil er nicht nur sich sieht, sondern weil er uns, seine Geschöpfe, sieht, die er liebt.
 
Er weiß auch, dass uns zurzeit das Vertrauen manchmal schwer fällt. Dass der Einschnitt in unser Leben zurzeit heftig ist. Wir sehnen uns nach Normalität, nach dem Hoffnungsstreifen am Horizont, nach Gemeinschaft, Nähe, Zukunft.  
 
Darum meinen jetzt manche, die Lockerungen seien gut, und nutzen sie voll aus, als wäre alles vorbei. Aber könnten wir diesen Versprechungen trauen?  
 
Mit scheint die Euphorie verfrüht. Ich frage mich und ich frage Gott, was wir tun sollen? Was ist der rechte Weg in dieser Zeit? Wie wird die Zukunft aussehen? Meine Sorgen und Ängste will ich dem bringen, dem ich allein in dieser Zeit vertrauen kann. Denn ihm geht es nicht um Profilierung, Geld, um Stimmen und populistisches Gehabe. Er redet nicht nach dem Mund und sucht nicht seinen Vorteil. Ihm geht es um uns. Jesus liebt uns, der Vater liebt uns. Seine Verantwortung für uns, ja für alle Menschen, hat jetzt schon angefangen, weil er uns alle geschaffen hat, wir sind alle seine Kinder. Ja, Jesus sagt es sogar, dass er auch noch andere zu sich führen will. Er führt uns, nicht wir selbst. Er leitet uns zu sich hin, nicht wir uns zu ihm hin. Er gibt sich für uns selbst in den Tod, er stirbt für uns und unsere Sünden. Dafür können wir nichts tun, wir können nur staunend dankbar sein für diese große Liebe. Was uns rettet ist er, was uns tröstet ist er und seine Liebe, die allen Menschen gilt. Er kommt zu uns, er offenbart sich in seinem Sohn Jesus Christus als der liebende Vater, als der gute Hirte. Und macht uns zu seinen Kindern, zu Schafen seiner Weide, zu Mitbewohnern an seinem Haus. Niemand kann uns aus Gottes Händen reißen, niemand uns von Gott trennen, er hat die Verbindung doch längst geschaffen. Er wird für uns sorgen, er nimmt uns hinein in die Gemeinschaft mit seinem Sohn und führt uns ins himmlische Reich am Ende aller Tage. Der Tod ist besiegt, alles Trennende ist durch Jesus überwunden. Dort bei ihm finden wir den, der uns kennt, dem wir vertrauen können, der uns nicht verlässt. Er ist unser Hirte, unser Heil in Ewigkeit. Ihm allein können wir vertrauen. Amen.
 



Übertragung des 23. Psalms
durch die Klasse 3a in der Grundschule Ober-Widdersheim am 3.3.2020
Gott passt auf mich auf.
Mir wird nichts fehlen.
Er versorgt mich mit Essen und Trinken.
Er macht mich fröhlich.
Er führt mich auf den richtigen Weg, weil er Gott ist.
Wenn ich Angst habe, ist Gott bei mir.
Er beschützt mich vor allem Schlechten.
Du stärkst mich, wenn mich jemand bedroht.
Du machst mich zu einer wichtigen Person und unterstützt mich.
Gutes, Glück und Liebe werden mich mein ganzes Leben begleiten.
Ich werde immer bleiben, wo Gott ist. Amen
Lutherübersetzung des 23. Psalms
Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Amen



Falsche Hirten

Es kommt ein Wolf
Der Erste leugnet die Gefahr: Es kommt kein Wolf!
Der Zweite sieht den Wolf, aber verharmlost die Gefahr: Der tut doch nichts!
Der Dritte leugnet die Gefahr, indem er meint: Der kommt nicht zu uns.
Der Vierte leugnet die weiterhin bestehende Gefahr: Es wird kein Wolf mehr kommen.
Der Fünfte verbietet alles: Es kommt ein Wolf, also müssen wir drinnen bleiben, bis der Wolf weggeht.
Der Sechste flieht und lässt die Schafe allein.
Der Siebte leugnet die Verantwortung: Ich bin nicht zuständig, das müssen andere klären.
Der Achte weiß nichts und informiert sich nicht und rennt in die Katastrophe: Wolf? Kenn ich nicht.
Der Neunte vertraut den falschen Quellen: Wölfe sind wie Schafe.
Der Zehnte hört auf keinen Rat. Was die andern alle sagen, stimmt nicht. Fake News.
Der Elfte meint alles über Wölfe zu wissen, hat aber keine Ahnung und tut das Falsche.
Der Zwölfte glaubt an eine Verschwörung gegen ihn: Ihr wollt mich nur als Hirten loswerden.
Der Dreizehnte verträumt sein Leben und bekommt gar nichts mit.
Der Vierzehnte schickt die Schafe raus, obwohl der Wolf da ist. Besser sie als ich.
Der Fünfzehnte meint, nur das Gebet wird uns retten. Betet, tut aber sonst nichts: Gott wird mir helfen. Er übersieht aber die Hilfe, die von Gott kommt.
Der Sechzehnte geht raus, bekämpft den Wolf, opfert sein Leben, für die Schafe.
Der Siebzehnte geht raus bekämpft den Wolf und siegt.
Der Achtzehnte kann den Wolf zähmen.
Der Neunzehnte setzt seine Hunde ein, die halten den Wolf auf Distanz.
Der Zwanzigste baut einen Zaun, damit der Wolf nicht durchkommt.
Der Einundzwanzigste stellt dem Wolf eine Falle.
Der Zweiundzwanzigste tut alles, um die Schafe zu schützen, verantwortungsvoll nutzt er alle Möglichkeiten, den Wolf zu hindern, die Schafe anzugreifen.
Wer ist ein guter Hirte?
Es kommt ein Virus… Was tun unsere Hirten?
Gott gibt uns Möglichkeiten, den Virus zu bekämpfen. Er sperrt uns nicht ein. Er führt uns durch die Krise, lässt uns Erkenntnisse sammeln, um zu verstehen, was geschieht, was andere schützt, was andere gefährdet. Er lässt uns Raum zu entscheiden, ob wir andere gefährden oder zu tun, was allen gut tut. Er hat alle im Blick. Auch die, die sterben, lässt er nicht verloren gehen. Sie bleiben in seiner Herde.
Amen.

Quasimodogeniti, 19.4.2020
von Pfr. Michael Clement, Ober-Widdersheim
 
Gebet
 
Herr, könnten wir doch deine Größe begreifen.
Zu klein denken wir dich.
Zu ängstlich betrachten wir dein Wirken.
Du bist über allem,
bist mehr als wir verstehen,
höher und weiter als das Universum,
gewaltiger als alle Energien, die du geschaffen hast.
Was sollte dir unmöglich sein?
Nichts kann sich vor dir verbergen.
Nichts entzieht sich deiner Macht und Herrlichkeit.
Doch trotz deiner Größe bist du für uns da,
offenbarst uns deine Liebe und schenkst uns deine Gegenwart.
Du überwindest Raum und Zeit, um uns zu dir zu führen.
Ach, könnten wir es annehmen wie die kleinen Kinder,
voll Vertrauen, deiner Macht uns überlassen,
und unser Leben dir in die Hände legen.
Nimm uns, Herr, offenbare deine Gegenwart in unserem Leben.
Lass uns schauen, was du uns zugesagt hast.
Führe uns zu dir. Amen.
 
 
Jesaja 40, 26-31 (Lutherübersetzung 2017)
 
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
 
 
Liebe Gemeinde,
 
Menschen sind zu so viel fähig. Fortschritt auf allen Ebenen. Technisch hat sich in den letzten Jahrzehnten so viel entwickelt. Computer machen es möglich, Informationen schnell zu verbreiten und das auf der ganzen Welt. Wir können Datenmengen verarbeiten, die noch vor wenigen Jahren unvorstellbar waren. Die Medizin hat Fortschritte gemacht, sodass wir heute einen Virus schnell identifizieren können und erste Schritte zu einem Impfstoff schon schnell erfolgen. Wir können so viel. Der Mensch hat sich dabei aber zum eigenen Herrn gemacht, als könnten wir alles bestimmen, alles ergründen, alles erklären, alles verstehen.
 
Jetzt stehen wir vor dem Grenzen des Machbarkeitswahns. Unser Leben, das auf besser, weiter, höher, schöner getrimmt war, auf Fun und Action, auf Urlaub in den entferntesten Ländern, auf Grenzen überwinden, hat einen Dämpfer bekommen. Wir dachten es geht immer so weiter. Wir dachten, wir hätten alles im Griff. Wir machten uns selbst zum Mittelpunkt des Lebens. Alles drehte sich um die eigene Person und darum, das Höchstmögliche für uns herauszuholen.
 
Auch Staatenlenker führen sich auf, als könnten sie allein die Welt begreifen und wüssten allein, was richtig und falsch ist. Ihr Ich-Idol wird zu Markte getragen. Fakten spielen keine Rolle mehr, wenn doch alles sich dem Ich unterordnen muss.
 
Moderne Götzen haben wir aufgerichtet, nicht mehr aus Holz, Stein, Gold, sondern aus Fleisch und Blut, sich selbst verherrlichend. Es erinnert mich an die römischen Kaiser, die sich als Götter verehren ließen. Doch sie sind nicht Gott. Kein Mensch kann sich göttliche Attribute geben. Der scheinbare Gott der Moderne ist das eigene Ich. „Ich will“, darum ging es viele Jahre. Und alles war dem untergeordnet, was „ich will“.
 
Doch eines bedenken sie alle nicht. Über allem steht der eine Herr, unser Gott. Über all dem steht der, der die Schöpfung ins Leben rief und sie bis heute erhält, der vom kleinsten Quark, über Atom und Molekül bis zur großen Galaxie, ja, dem ganzen Kosmos mit aller Energie und Materie alles geschaffen hat. Mehr als alles, was wir begreifen ist der Herr. Nicht in der Schöpfung, sondern über ihr ist Gott. Es ist, wie bei einem Kind, das ein Lego-Haus gebaut hat. Es steckt nicht im Lego-Haus, sondern ist sein Erbauer. So ist der Herr der Erbauer all dessen, was ist. An ihn sollen wir uns wenden, an den, der alles in seinen Händen hält. Er allein regiert über Raum und Zeit, ruft ins Leben und nimmt es wieder. Er allein bestimmt das Leben.

Der Herr achtet auf sein Werk, nichts bleibt ihm verborgen. Unser Tun und Lassen, die Überheblichkeit des Menschen ist ihm vor Augen. Er bemerkt, wie wir uns überhoben haben, als seien wir allein die Bestimmer, als bräuchten wir ihn nicht.
 
In der Krise rufen die Menschen ihn nun an. In der Not lernen wir wieder beten. Auch wenn mancher zweifelt an der Nähe des Herrn, die er uns doch verheißen hat.

Es bleibt ihm nichts verborgen, nicht was wir tun, nicht was wir leiden. Es ist offenbar vor ihm, was wir sind, was wir denken, was wir gerade jetzt brauchen. Er kennt uns. Er weiß, was nötig ist. Er begleitet uns, jeden und jede in ihrer Situation, in Freude, wie im Leid. Seine Kraft und Stärke hören nicht auf, wo unser Vermögen doch endet, unsere Möglichkeiten sich erschöpfen und der Größenwahn zerbricht. Wir sind nicht die Herren über diese Welt. Unser Ich ist nicht der Mittelpunkt des Lebens. Unser Gott allein kann uns wieder aufrichten und zu dem machen, was wir sein sollen. Er gibt uns Kraft und Stärke in unserer Schwachheit, ihn zu sehen und mit ihm und füreinander das Leben zu bestehen. Von ihm kommt, was wir brauchen, damit diese Krise überwunden wird. Vom Herrn, kommt das Verständnis für die Bedürfnisse des anderen. Von Ihm kommt das Vermögen, sich für andere einzusetzen. Von ihm, kommt unser Eingeständnis, dass unser Leben zerbrechlich ist, und nur er uns bewahren kann. Von ihm kommt die Zuversicht, nicht allein zu sein, auch wenn uns nun andere Menschen fehlen. Er ist bei uns und wird uns aufrichten, den rechten Weg zu gehen. Auf ihn können wir vertrauen, dass wir die Kraft und Stärke bekommen, diese schwierige Zeit zu überwinden. Wir können das uns Mögliche tun, aber zum Gelingen muss er seinen Segen geben. Es ist gut, dass er uns Einsicht in seine Schöpfung gibt, dass wir heute vieles besser verstehen. Doch ohne ihn vergessen wir, was uns wirklich trägt.
 
Menschen merken in diesen Tagen, dass das Ich nicht alles ist. Nur miteinander gelingt das Leben. Die Egoisten haben ausgedient. Das Leben wird anders werden. Ich hoffe gemeinschaftlicher, weil auch der Nachbar wieder zählt. Ich hoffe bewusster, weil wir erkennen, woher wir kommen und wer uns das Leben schenkt und wer uns gibt, was wir wirklich brauchen. Eingeschränkter, weil manches, wirklich überflüssig war. Und ich hoffe, dass Menschen zurückfinden zum Glauben, an den, der ihr Leben alleine bestimmt, dass Gott wieder eine Rolle spielt.

Denn die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Wir werden nicht müde diesen Herrn zu preisen. Er ist unsere Rettung und unser Heil. Vergessen wir nicht, woher wir kommen, und sehen wir auf den, der uns das Ziel vorgibt. Denn unser Weg führt durch diese Welt, mit allen Höhen und Tiefen, zu ihm, der unser Leben erhalten will. Durch Jesus Christus sind wir zum Leben bestimmt, das bei Gott geborgen ist und bleibt. Auch über diese Leben hinaus, bleibt der Herr bei uns und wir bei ihm. Denn in seinem Himmelreich wartet auf uns die Vollendung des Lebens. Noch aber sind wir hier und gehen mit Gott und unter seinem Schutz und Segen dem Ziel entgegen. Er ist mit uns auf allen Wegen. Amen.
 
Gebet:
Unser Gott, Vater im Himmel,
so hilf uns jetzt. Sei bei uns in dieser Zeit.
Nimm dich unserer Sorgen und Nöte an,
Wir bitten für unsere Angehörigen,
für die Kinder und Enkel, für die Eltern und Großeltern,
für unsere Partnerinnen und Partner, unsere Nachbarn und Freunde.
Lass sie alle bei dir geborgen sein,
Hilf, dass sie gesund bleiben.
Gib den Einsamen die Gewissheit, dass du bei ihnen bist.
Lass uns dir vertrauen.
Du weißt, was wir wünschen und brauchen.
Schenke uns deine Gegenwart.
Gib uns, was wir nötig haben.
Und lass uns im Vertrauen auf dich und deine Macht
Unser Leben gestalten.
Führe uns in diesen Tagen
Und wenn du dieses Leben zu Ende gehen lässt,
lass uns geborgen bleiben in deinem Reich
durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn.
 
Amen.

Ostern, 12.-13.04.2020
Ostern fällt nicht aus
 
Dieses Jahr ist alles anders. Corona – Fällt Ostern wirklich aus? Nein, nur der Gottesdienst, aber was wir am Osterfest feiern, ist auch in diesen Tagen und sogar besonders in diesen Tagen lebensnotwendig und fällt nicht aus. Es liegt ja auch nicht an uns, ob Ostern geschieht. Nicht wir machen Ostern. Es ist damals geschehen, aber es hat Bedeutung bis heute. Gott hat das Osterfest gemacht, Jesu Auferstehung feiern wir. An ihn erinnern wir uns, wenn wir Ostern feiern.
 
„Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Mit diesem Ruf grüßen sich die Christinnen und Christen am Ostermorgen. Ich würde mir wünschen, dass der Ruf von Haus zu Haus, durchs Telefon, über die Gartenzäune hinweg, via Internet und all die Möglichkeiten unserer Tage sich verbreiten würde. Denn Ostern fällt nicht aus, nur weil es keinen Gottesdienst gibt, Ostern ist, weil Gottes Liebe siegt, über Tod und Hass, über Leid und Sorgen, gegen Einsamkeit und Trauer. Jesus lebt seitdem und immer noch bei uns. Nein, er hat uns nicht verlassen. Er ist da, gerade diese Botschaft ist in diesen Tagen so wichtig. Der Tod konnte ihn nicht halten, das Grab ihn nicht für immer vor uns verstecken. Auferstanden ist er für uns und schenkt Hoffnung und Zuversicht, dass Gott bleibt, bei mit, bei dir, bei allen.
 
Es braucht eine Weile, bis die Botschaft zu uns dringt. In diesen Tagen, Wochen, eher seit Monaten herrscht doch eher der Tod in unseren Gedanken. Die Nachrichten berichten uns: Wieder mehr gestorben! Das Leben scheint erloschen. Selbst in sonst so fröhlichen Gesellschaften steht alles still. Wir sind wieder auf unsere Sterblichkeit hingewiesen worden. Mancher stirbt einsam in diesen Tagen, umzingelt von Apparaten. Mancher wacht einsam, wie die Jünger nach dem Tod Jesu, verängstigt voller Sorgen. Leben, wie soll das jetzt gehen?
 
Wie die erschreckten Frauen am leeren Grab und die Jünger am Ostermorgen können wir es nicht glauben, dass etwas anderes für uns geschehen ist, etwas, das alle Resignation besiegen kann und besiegt. In der Nacht des Todes erklingt die Botschaft „Der Herr ist auferstanden!“ Erschrocken sind die Frauen am Grab davongelaufen, ungläubig sind die Jünger. Das leere Grab gibt noch keine Zuversicht. Aber auf dem Weg nach Emmaus erleben die beiden Jünger Jesu Gegenwart und auch in Jerusalem zeigt Jesus sich ihnen. Selbst vom ungläubigen Thomas lässt sich der Herr anfassen. Dass Jesus lebt, hat auch in den Köpfen der ersten Christinnen und Christen eine Zeit gebraucht. Jesu Gegenwart ist schon anders als vorher, nicht mehr so körperlich und doch leibhaftig und greifbar.
 
Ist es nur der Glaube, der sie das erleben lässt? Ich denke, es ist mehr. Es ist ihnen nach und nach zur Gewissheit geworden, dass der Tod Jesus nicht besiegen konnte, dass der Sohn Gottes durch Leid und Tod gegangen ist, aber lebt und für sie alles überwunden hat, um sie zu Gott zu führen. Die Verheißungen werden wahr. Gottes Sohn verlässt sie nicht. Hier in dieser Welt erleben sie seine bleibende Gegenwart aber sie sind gewiss, sie wird weiterreichen. Ihr Leben bleibt bei Gott auch im Tod geborgen. Ewiges Leben schenkt der Herr im Himmelreich. Zu ihm geht der Weg, wenn er hier auf Erden zu Ende geht. Der Hirte führt sie weiter auf die himmlischen Auen und lässt sie Weide finden im ewigen Paradies. Wenn Jesus lebt, dann auch wir. Weil er siegt, ist auch uns der Sieg geschenkt. Der Tod verliert seine Macht an das Leben, an Gott. Gott will, dass wir mit ihm und durch ihn leben, hier auf der Erde und in Ewigkeit.
 
Was hilft uns das in der gegenwärtigen und allen anderen Krisen? Gott sagt uns seine Treue zu. Nichts kann uns mehr von ihm trennen. Auch nicht dieser Virus, der uns bedrängt. Von Gott kann er uns nicht trennen. Der Herr bleibt an unserer Seite. Im Dunkel dieser Tage ist seine Gegenwart uns ein Licht der Hoffnung und des Trostes. Gott gibt uns die Zuversicht, dass die Krise nicht das Ende ist, sondern nur ein Schritt auf unserem Weg, eine Etappe unseres Lebens. Wir sind nicht allein gelassen, auch wenn manches, was bisher Sicherheit versprach, verloren zu gehen scheint: Geld und Gut, Besitz, Gesundheit, Freiheit und Leben in Fülle kommen an ihre Grenzen. Aber das Leben selbst, das Gott uns verheißt, wird siegen, auch über diese Zeit hinweg. Weil Gott das Leben gibt und erhält, weil er sogar den Tod besiegt hat durch Jesus Christus, seinen Sohn, unseren Herrn, bleiben wir unter seinem Schutz. Er ist der Halt, gibt die Gewissheit in unserem Leben. Er bleibt, wenn alles andere vergeht. Selbst die Menschen, die wir in dieser Zeit hinter uns lassen müssen, selbst unsere Sterbenden und Toten sind nicht verloren, sondern bleiben in Gottes guten Händen geborgen. Im Paradies, wo alles Leid, alle Tränen, alle Sorgen, Not und Ängste vergehen, wo Gott uns neu schafft an Leib und Seele, leben sie mit Gott in Ewigkeit, besser als auf Erden.
 
So ist für alle gesorgt, weil Jesus lebt, weil er auferstanden ist, geht die Hoffnung nicht verloren, ist auch in dieser unsicheren Zeit Halt zu finden. Die Liebe Gottes hört nicht auf. Bei Jesus finden wir Ursprung und Ziel unseres Lebens. Seit Ostern wissen wir und mit jedem Osterfest bestätigen wir es neu, dass Gott uns mit Jesus sein Hoffnungslicht gegeben hat. Darum rufen wir: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Das Licht seiner Gegenwart leuchtet auch an diesem Osterfest in unsere Herzen und Häuser. Sein Osterlicht kann niemand löschen. Es strahlt immerfort in unsere Welt.
 
Michael Clement
Karfreitag, 10.04.2020
Hoffnung zerstieben.
Fassungsloses Betrachten.
Er stirbt am Kreuz.
Zurückgebliebene: Mutter und Jünger.
Trauer um den geliebten Menschen, Jesus.
Spott und Hohn von denen, die ihn nicht kannten.
Verachtung von denen, die nichts begreifen.
„Hilf dir selbst!“
Zuspruch für den, der mit ihm gekreuzigt wurde.
Das Reich schon längst geöffnet.
Gottesferne?
Sie sehen ihn und gehen ohne Hoffnung.
Er ist weg. Weg aus der Gemeinschaft.
Sie dachten, er wäre der Retter … er aber leidet für sie.
Sein Tod für uns? Nicht zu begreifen.
Sieg des Hasses? Sieg der Verleugner?
Niederlage des Glaubens?
Erst nach Ostern wird der Blick zurück klarer.
Das war sein Weg.
Jesus musste das tun.
Alle Leidenden haben ihn an ihrer Seite.
Alle Verachteten können wissen, du bist nicht allein in deinem Schmerz.
Und die ihre Sünden plagen?
Die mitmachten beim Gehetze, die das Kreuz erst möglich machten.
Gott, sei ihnen gnädig, sagt er am Kreuz.
Vergebung, neues Leben, darum durch Tod und Auferstehung.
Wie kann Gottes Gnade noch siegen?
Das Reich muss er uns öffnen, den Sieg musste er erringen.
Hätten sie zugehört, sie wüssten: Der Tod hat nicht gesiegt.
Im Paradies ist schon der Platz bereitet.
Die Tür steht offen. Er geht uns voran.
Er geht nicht fort, er geht vor.
Und bleibt doch bei uns allen.
Er siegt selbst am Kreuz.
Im Abschied liegt das Wiedersehen.
Sein Licht von Ostern überstrahlt das Kreuz.
 
Michael Clement
Gründonnerstag, 09.04.2020
Gethsemane (Mk 14,32-42)
Liebe Gemeinde,

ich habe zurzeit andere Texte im Kopf als die Worte der vorgeschlagenen Predigtreihen. Am Gründonnerstag denken wir an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern, das er damals als Passahmahl nach jüdischer Tradition gefeiert hat. Doch Brot und Wein hat er eine neue Bedeutung gegeben. Wie das Brot wird sein Leib gebrochen. Er geht ans Kreuz, wird sterben. Sein Blut wird vergossen zur Vergebung der Sünden für die Menschen. Er stirbt für sie, für uns, damit wir leben, damit nichts mehr zwischen Gott und den Menschen steht.

Es sieht so einfach aus, was während des Abendmahls geschieht. Doch welchen Gehalt diese Worte für Jesus und die Jünger haben, das wird deutlich, als sie in den Garten Gethsemane gehen. Denn so schwer wird es Jesus, als er sich zum Beten zurückzieht. „Abba, Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir…“ Die Verzweiflung bricht sich ihre Bahn. Jesus ist klar, welchen Weg er vor sich hat. Einen schweren, schmerzvollen Weg wird er gehen. Nein, so einfach ist es auch für ihn nicht, sich in seine Leiden zu begeben. Kein „Klar gehen ich für euch in den Tod.“ Als wäre das nichts. Es ist auch ihm schwergefallen, sich Gottes Willen zu fügen. „…doch nicht, was ich will, sondern was du willst!“ Dafür braucht auch Jesus ein zähes Ringen mit sich und seinem Vater, bis er einwilligt.

In dieser schweren Stunde ist er irgendwie doch allein. Die Jünger sind eingeschlafen, vom Essen und Trinken müde geworden, wachen sie nicht mit ihm. Vielleicht haben sie nicht einmal begriffen, womit Jesus zu kämpfen hat. Das Fest der Befreiung, Passa, haben sie gefeiert. Ein Hoffnungsfest für die Juden. War ihnen bewusst, dass es ihr letzter gemeinsamer Abend war? Auch wenn es Jesus sagte, die Wahrheit dringt erst später durch, dass sie alleine zurückbleiben, wenn Jesus geht. Mit der Verhaftung Jesu ist alles anders, da zerbrechen ihre Träume, von der immer fortwährenden Gemeinschaft mit Jesus. Plötzlich wird ihnen bewusst, was Jesus meinte, als er sagte: „Ich werde nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken, bis ich davon trinken werde in meines Vaters Reich.“ Jesus weiß es schon, dass ist der letzte Abend.

Ich denke an die vielen Menschen in den Krankenhäusern, die sich wünschen, ihre Angehörigen wären bei ihnen. Ich denke an die Sterbenden, die ihre Lieben nicht mehr sehen werden. Ich denke an die Angehörigen, die bis an den Tag, als ihr Angehöriger das Haus verließ, nicht glauben wollten, dass es evtl. der letzte Moment des Miteinanders war. Die Menschen, die zu Hause sitzen und auf gute Botschaft hoffen, bangen. Mit Jesus beten sie: „Lass diesen Kelch an uns vorüber gehen.“ Nur die wenigsten können auch in die Worte einstimmen, die sich Gottes Willen unterwerfen: „Nicht was ich will, sondern, was du willst geschehe.“ Denn eigentlich wollen wir das nicht. Auch die Jünger wollten das nicht und Jesus muss lange kämpfen, um sich in Gottes Willen zufügen. Nein, der Abschied ist nicht leicht und wird nie leicht sein. Betrübt bis an den Tod fühlt sich Jesus. Betrübt, das sind viele Menschen in diesen Tagen. Vielleicht hilft der Gedanke, dass Jesus auch diese Tiefen miterlebt hat.

Doch er kann sich in Gottes Hand fallen lassen. Denn er weiß sich mit dem Vater verbunden. Gottes Gegenwart bleibt auch im Tod. Der Weg ist am Kreuz nicht zu Ende. Das Leiden ist nicht das letzte, was Jesus erleben wird. Auch kein Mensch wird im Leiden bleiben. Nach dem Tod folgt das Leben. Nach dem Zweifel, dem Hoffen und Bangen, der Einsamkeit mit den Ängsten folgt die Gemeinschaft mit dem Vater. Neues Leben erwartet den, der auf Gott vertraut. Vielleicht kann Jesus deshalb dann in diesen schweren Weg ans Kreuz einwilligen, weil Gottes Reich schon Wirklichkeit ist. „…bis ich es von Neuem trinken werde im Reich Gottes.“ Die Perspektive reicht über dieses Leben hinaus. Es ist schon überwunden, was uns von diesem Reich des Vaters trennt. Es wird nicht dunkel und einsam bleiben. Darum geht Jesu diesen Weg für uns durch Tod und Auferstehung zum Leben.

Die Jünger müssen es erst noch begreifen. Sie brauchen die Tage bis Ostern und danach, bis sie verstehen, dass Jesus lebt, dass ihre Gemeinschaft nicht geendet hat am Kreuz, sondern der Geist Gottes sie nie verlässt. 50 Tage sind es bis Pfingsten.

Nein, es ist nicht einfach das zu glauben, davon wird uns auch berichtet, von verängstigten Frauen und Jüngern, die aus der Stadt fliehen. Alle Hoffnung begraben auf Golgatha. Doch bricht sich die Hoffnung ihren Weg.

In diesen Zeiten von Corona ist es nicht leicht, den Glauben zu verkünden, weil es uns schwerfällt, wie den Jüngern, weil wir mit Gott ringen und fassungslos vor den Nachrichten sitzen. Plötzlich steht der Tod vor uns in Ausmaßen, die wir uns nicht träumen ließen. Die Welt steht still. Ungläubig, fassungslos, persönlich betroffen. Doch Gott ist nicht weit. „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Wer hätte Anfang des Jahres gedacht, dass die Jahreslosung unsere Situation so passend beschreiben würde. Zwischen Glauben und Unglauben, zwischen Zuversicht und Resignation, zwischen Vertrauen und Angst, dass der Herr uns doch vergessen haben könnte. Gott weiß, wer wir sind. Er verlässt uns nicht. Auch nicht und vor allem nicht im schweren Leid. Selbst wenn wir ringen mit ihm, um das zu verstehen, was geschieht. Er ist da.

Gründonnerstag kommt nicht vom „Grün“ sondern von „Greinen“ oder Weinen. Es ist trotz Abendmahl ein Tag des Abschiednehmens, des Weinens um den Verlust dessen, was war. Aber in ihm und seinen Geschichten liegt auch Hoffnung. Jesus verbindet sich mit uns in Brot und Wein, er bleibt bei dem Vater und bei uns.  Er ist da, wo Menschen an ihn denken, zu ihm beten, miteinander Brot und Kelch teilen. Auch wenn wir zurzeit in den Kirchen kein Abendmahl feiern können, so dürfen wir doch auch Zuhause daran denken, wenn wir essen, dass Jesus mit uns am Tisch sitzt, um uns zu stärken. Er bleibt an unserer Seite.

Darauf möchte ich in diesen Tagen vertrauen. Ich glaube, dass auch Sie in Gottes guten Händen geborgen bleiben.
Gesegnete Tage.
Ihr Pfarrer
Michael Clement
Freitag, 03.04.2020
Wo ist Gott?  
von Pfr. Michael Clement
 
Er sitzt bei den Kranken in den Krankenhäusern und Wohnungen und stärkt sie in dieser Zeit.
Er wacht bei den Sterbenden und geleitet sie in sein Reich.
Er ist bei den Angehörigen zu Hause, die um ihre Lieben bangen und tröstet sie durch sein Versprechen, an ihrer Stelle bei den Ihren zu sein.
Er ist bei den Trauernden, die es jetzt besonders schwer haben, Abschied zu nehmen, und tröstet und stärkt sie.
Er hilft den Schwestern und Pflegern, den Ärztinnen und Ärzten, die unermüdlich ihren Dienst tun, auch wenn dieser Dienst ihre Kräfte längst übersteigt.
Er erscheint bei denen, die diese Zeit als dunkel und finster erleben, und scheint in ihre Herzen mit seinem Licht.
Er ist bei den Ängstlichen, hält sie im Arm und spricht ihnen Mut zu.
Er begleitet die, die immer noch nichts begriffen haben, und versucht sie zu lenken.
Er ist bei denen, die Schuld auf sich luden, weil sie leichtsinnig waren, und spricht ihnen Vergebung zu.
Er sitzt bei den Einsamen und leistet ihnen Gesellschaft.
Er ist bei den Kindern, die zu Hause sein müssen, ihre Spielkameraden vermissen und mit den Eltern die Schulaufgaben machen müssen und hilft ihnen diese Zeit zu bestehen.
Er ist bei den Eltern, die manchmal überfordert sind zwischen Beruf und Kinderbetreuung, Schule und Verantwortung, und stärkt sie, die Aufgaben zu meistern.
Gott stärkt die Politiker, die jetzt schwere Entscheidungen treffen müssen.
Der Herr leitet die Firmenchefs in dieser Krise und hilft ihnen verantwortlich zu entscheiden. Er macht ihnen Mut, die Herausforderungen anzunehmen.
Gott macht den Menschen Mut und gibt denen Geduld, die ungeduldig werden, weil sie so lange auf das Gewohnte verzichten müssen, ihre Jobs vermissen und um ihr Gehalt bangen und verspricht auch für sie zu sorgen.
Gott lässt keinen im Stich, nimmt sich aller Menschen an.
Alle sind in seiner Hand. Er geht mit jedem durch diese Zeit.
Auch die hat er im Blick, die noch nicht genannt sind.
Gott hat viel zu tun, in diesen Tagen, doch er ist für jeden da und seine Kraft ist nie am Ende.
Sein Segen und seine Liebe gelten allen, jederzeit, an jedem Ort.
 
Danke, Herr, für deine Gegenwart.
Ihr
Michael Clement


Freitag, 03.04.2020
Andacht zum Lied: EG 482 Der Mond ist aufgegangen
 
 
1. Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.
 
 
2. Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so hold
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.
 
 
3. Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.
 
 
4. Wir stolzen Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

 
5. Gott, lass dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
lass uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.
 
 
6. Wollst endlich sonder Grämen
aus dieser Welt uns nehmen
durch einen sanften Tod;
und wenn du uns genommen,
lass uns in’ Himmel kommen,
du unser Herr und unser Gott.
 
 
7. So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und lass uns ruhig schlafen.
Und unsern kranken Nachbarn auch!
 
Text: Matthias Claudius 1779
Melodie: Johann Abraham Peter Schulz 1790
 
  
Liebe Gemeinde,
seit ein paar Tagen singen wir beim abendlichen Läuten unserer Kirchengemeinden dieses Lied bei uns auf der Terrasse. Vielleicht haben sie sich angeschlossen und zumindest bei ihnen Zuhause mitgesungen.
 
Die ersten drei und die letzte Strophe sind meist bekannt. Doch die Strophen 4-6 kennt kaum jemand, zumal sie auch in vielen Liederbüchern weggelassen werden. Aber gerade in ihnen wird die Überheblichkeit der Menschen angeprangert, die sich auf ihre Künste und Fertigkeiten verlassen, statt dem Herrn allen Lebens zu vertrauen.
 
Mit einer abendlichen Stimmung fängt dieses Lied an. Mond und Sterne bescheinen die Welt aus dem klaren Himmel. Ein schöner Abend, den keine Wolke zu trüben scheint, weckt des Dichtes Aufmerksamkeit. Er schaut in die noch nicht durch zu viel Licht, sondern durch von Dämmerung geprägte Zeit auf den Wald, der seine Schatten wirft und noch finsterer erscheint als am Tag. Aus den Wiesen steigt der Nebel, der dem Menschen damals wie heute die Sicht beeinträchtigt, manchem Trugbilder beschert und die Welt in einen Schleier hüllt. In der damals noch stilleren Welt, die die Dämmerung umhüllt, denkt der Dichter über das Leben nach. Traulich und hold sind die Begriffe mit der Matthias Claudius die Welt um sich beschreibt. Behaglich, gemütlich, angenehm ist diese Welt in dieser Dämmerstunde für ihn. Wohlgesinnt und lieblich ist die Welt dem Menschen geworden. Eine Kammer der Geborgenheit, wird die Nacht, in der wir die Sorgen und Nöte des Tages zurücklassen können. Im Schlaf wacht Gott über unsere Träume und lässt uns den Tag verarbeiten. Manches ist am nächsten Tag mit anderen Augen zu sehen, was heute noch belastend war.
 
Ein Halbmond scheint in des Dichters Blick zu fallen. Nur zum Teil zu sehen, wie manches, was wir nicht begreifen. Wer kann schon Gottes Schöpfung ganz verstehen und alle Dinge bis zum Grunde erforschen? Unser Blick ist doch begrenzt auf die Welt, auf das Universum. Wir lachen über manche Erklärung der Welt, mit der Menschen sie versuchen zu ergründen. Mancher belächelt die Versuche, die Welt zu erklären, weil er nicht alles sieht, meint er, dass es das nicht geben kann. Doch wie der Mond nur halb die Welt bestrahlt und mit einem Teil im Dunkel ist, so ist auch unsere Erkenntnis begrenzt. Das Wirken Gottes bleibt vielen verborgen. Ihn zu erklären übersteigt unsere Fähigkeiten. Doch ist er es, der diese Welt bestimmt.
 
Was ist der Mensch? Eitel und arm, ehrgeizig, überheblich und doch auf Vergebung und Liebe angewiesen. Als Sünder steht der Mensch vor Gott. Sein Erbarmen gibt dem Menschen erst den Raum zum Leben. Wir wissen nicht viel, unsere Erkenntnis ist Stückwerk, wenn wir auch noch so viel Wissenschaft betreiben und meinen die Welt erklären zu können, aber das Heil können wir uns damit nicht selbst schaffen. Nein, wir verlieren nur den Kontakt zu dem, der das Leben gab und erhält, der es bewahrt bis in Ewigkeit.
 
Darum bittet der Dichter den Herrn, dass wir uns doch wieder dem Zuwenden, der allein das Heil schenken kann. Sein Heil kann uns allein retten, seine Gegenwart lässt uns vertrauen, dass wir geborgen sind und bleiben. Die Luftgespinste und Eitelkeiten sowie das vergängliche Geld und Gut kann uns keine Hoffnung geben und uns den Himmel nicht schenken. Nicht auf die Gaben der Welt zu vertrauen, sondern einfach und ohne Misstrauen, wie Kinder zum Herrn zu gehen, dass bringt uns den Mut, alles in Gottes Hände zu legen. Fröhlich werden wir im Vertrauen auf Gottes gutes Geleit im Leben und im Sterben. Kinder haben es leichter, weil sie nicht alles hinterfragen, sondern einfach glaubend den Blick auf den Herrn richten.
 
Der Abend ist auch ein Symbol für den Abend des Lebens. Zum Lebend gehört der Rod, niemand kann ihm entrinnen. Im Angesicht des Todes bittet Matthias Claudius ohne Angst („sonder Grämen“) aus dieser Welt gehen zu können, ohne schlechte Gedanken und Furcht vor dem, was kommt. Er wünscht sich einen sanften Tod und die Geborgenheit bei Gott, die nur der Himmel schenken kann. Dort bei Gott findet der Mensch Heimat und Ruhe in Gottes Gegenwart durch Jesus Christus, unseren Herrn.
 
Im Bewusstsein bei Gott geborgen zu sein und zu bleiben, kann sich der Mensch zur Ruhe legen. In der Kühle des Abends kann man sich in Gottes Hand begeben. Er allein kann uns schützen und für uns im Schlaf sorgen. Ruhig werden wir in seiner Hand. In seine Obhut geben wir auch unsere Mitmenschen. Ob Krank oder Gesund, der Herr wird für sie sorgen, wie er unser Leben bewahrt.
 
In diesen schweren Zeiten, legen wir auch unser Leben in Gottes Hände. Wir sind an die Grenzen unserer modernen Welt gekommen. Manches Hirngespinst entpuppt sich als Trugschluss. Wir können die Welt nicht beherrschen, nicht allein unser Leben bestimmen, das wird uns in der Krise bewusst. Die Welt wird sich verändern, unser Leben wird auf neue Bahnen geführt. Bei allen Sorgen und aller Unsicherheit um die Zukunft ist einer der Garant, der unser Leben in seiner Obhut hält. Gott geht weiter mit uns auf unseren Wegen. Wir bleiben in seinen Händen geborgen. Seine Gegenwart hört nicht auf. Er bleibt bei uns.
Ihr
Michael Clement
Sonntag, 15.03.2020
Liebe Schwestern und Brüder,
  
als ich am Freitag (13.3.2020) unterwegs war, um unsere Flyer zu verteilen, die auf die Gottesdienstausfälle der nächsten Zeit durch die Corona-Pandemie hinweisen, war nach einem kurzen Schauer plötzlich ein Regenbogen über dem Tal zu sehen. Mein erster Gedanke war: Das ist ein Zeichen der Hoffnung. Es fiel mir der Bibelvers vom Ende der Sintflutgeschichte ein: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Tag und Nacht!“ Corona wird unser Leben einschränken, aber es wird nicht das Ende sein. In all den Sorgen und Ängsten gibt Gott uns die Zuversicht, dass er der Herr über seine Schöpfung ist und bleibt. Er wird für uns sorgen. Gerade auch jetzt in der Krise steht er uns bei. Auf ihn ist Verlass in diesen Zeiten.
 
Wir alle machen uns Sorgen. Manchen überwältigen die Ängste vor der Zukunft. Ich bin aufgrund der Erkrankung meiner Frau besonders in Sorge, weil eine Infektion für sie gefährlich wäre. Viele andere Menschen haben Krankheiten, die als Risikofaktoren gelten. Wir machen uns Sorgen um Eltern und Großeltern. Auch um die Arbeitsplätze und Betriebe bangen wir. Es ist eine große Herausforderung, vor der wir stehen. Wichtig ist in all dem, dass wir umsichtig und vorsichtig handeln und besonnen überlegen, was wir tun. Die Ausbreitung des Virus muss so langsam, wie irgend nötig geschehen und dazu können wir alle beitragen. Alt und Jung.
 
In all dem sollten wir auf die seriösen Nachrichten hören. Berichterstattungen, die den Sachverhalt verharmlosen, können nicht richtig sein, Berichterstattungen, die Verschwörungstheorien beinhalten, bitte bei Seite lassen und nicht verbreiten.
 
Bitte erkundigen Sie sich vorher telefonisch, ob Sie zum Hausarzt kommen können. Dort im kleinen Zimmer mit anderen zu sitzen, ist jetzt nicht sinnvoll.
 
Jetzt sind das Telefon und das Internet unsere Kommunikationsmittel. Rufen Sie Nachbarn und Freunde an. Erkundigen Sie sich gegenseitig. So ist keiner in der Krise alleine gelassen. Beten sie auch miteinander am Telefon. Wenn nötig und möglich helfen sie denen, die ihre Hilfe erbitten. Auf Besuche sollten sie, wenn möglich verzichten und / oder viel Abstand halten.
 
Leider fallen die Gottesdienste in der Gemeinde aus.
 
Gottesdienste gibt es im Fernsehen und im Internet. Lieder und Gebete kann man dort auch finden oder auf den Homepages der Kirchengemeinde.
 
Und auch Ihren Pfarrer können Sie anrufen, wenn Sie für Ihre Sorgen und Ängste einen Ansprechpartner brauchen.
 
In allen Sorgen und Ängsten steht Ihnen auch der Herr bei. Er hört unser Gebet. Auch wenn es nicht perfekt formuliert ist und eher stotternd über die Lippen kommt. Er weiß, was uns bewegt, bevor wir es aussprechen. So können wir auch mit allem kommen. Ehrlich dürfen und können wir sein, auch mit all den Vorwürfen, die wir ihm vielleicht machen. Wenn er uns kennt, wird er es auch verstehen. Seine Hilfe ist nicht fern. Sie wird nicht immer so sein, wie wir sie uns wünschen. Gott aber geht den Weg mit, der uns bestimmt ist. Er verlässt uns nicht. In der Krise, im dunklen Tal ist er bei uns. Er weiß, was wir brauchen. Unser Leben liegt in seiner Hand. Es steht über allem und allen. Er bleibt uns in seiner Liebe zugewandt. Von ihm wird uns nichts trennen.
 
Ich fand es schön am Freitag dieses Hoffnungszeichen am Himmel zu sehen. Ich habe mich gefreut, dass der Herr mir Mut macht und Zusagen gibt, die mich trösten. Er denkt an uns.
 
Jesus Christus hat uns die Liebe Gottes zugesprochen, die nie aufhören wird. Wir bleiben in Gottes Hand im Leben und über den Tod hinaus. Sein Tod und seine Auferstehung haben den Himmel für uns geöffnet. Das Ziel unseres Lebens ist die Vollendung bei ihm. Die himmlische Heimat wartet auf uns. Der, der uns den Himmel verheißt, hat auch in diesem Leben schon seine Hände über uns. Wenn alles in Schwanken gerät, ist er der sichere Hafen.
 
Wir haben eine Last auferlegt bekommen, aber der Herr hilft sie uns tragen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie im Glauben Kraft finden und Trost.
 
Beten Sie! Lassen Sie den Herrn Ihren Kummer wissen und beten Sie füreinander. Seien Sie gesegnet.
 
Ihr Pfarrer
Michael Clement
 
 
Gebet:
Herr, dir bringen wir all unsere Sorgen und Ängste.
Dir vertrauen wir unser Leben an.
Schenke uns deine Gegenwart, die uns trägt.
Gib uns Hilfe und Trost in dieser dunklen Zeit.
Noch weiß keiner, wie lange die Krise noch dauert.
Stärke die Krisenstäbe und die Krisenteams in Feuerwehr, Rettungsdienst, THW, Polizei, die Ärztinnen und Ärzte, die Pflegerinnen und Pfleger und alle anderen, die helfen.
Lass ihren Dienst zum Segen sein.
Hilf den Erkrankten, lass sie genesen.
Wo es dein Wille ist, dass Menschen den letzten Weg gehen,
gib ihnen die Gewissheit in deinen Händen zu bleiben.
Lass sie auf dich vertrauend dem Ziel in deinem Reich entgegengehen.
Tröste alle, die um einen Menschen trauern.
Begleite sie im Abschied, lass sie geborgen sein bei dir.
Uns allen stehe bei in der Krise.
Gib uns deine Kraft und stärke uns.
Dir gehört unser Leben.
Dir sei Lob, Ehre, Preis und Ruhm in Ewigkeit.
 
Amen.
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