Andachten - Ev. Kirchengemeinden Borsdorf und Ober-Widdersheim

Evangelische Kirchengemeinden
Borsdorf und Ober-Widdersheim
aus gutem Grund
evangelisch
Update: 16.04.2021
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Borsdorf und Ober-Widdersheim
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_Andachten_






Sonntag, 18.04.2021
Andacht zum Sonntag Misericordias Domini
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, weil du Hirte bist,
geht kein Mensch verloren,
du sammelst deine Herde,
und hilft den Schwachen.
Wir bitten dich:
Lass uns deine Liebe erfahren,
gib deinen Geist, der uns trägt und führt
und nimm uns an in unserer Schwachheit.
Damit wir dich immer und überall rühmen können
Und bekennen, dass du der wahre Hirte bist.
Leite uns auf den guten Weg.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Hes 34, 10-16,31:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Die schlechten Hirten und der rechte Hirt
Und des HERRN Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?...
So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. Ich will sie aus allen Völkern herausführen und aus allen Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und an allen Plätzen des Landes. Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. ... Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.
Liebe Schwestern und Brüder!
Ich weiß nicht, ob es ihnen ging wie mir, als ich dieses Bibelwort wieder einmal gelesen habe. Wenn da von den Hirten des Volkes die Rede ist, dann fallen mir die Regierungen dieser Erde ein. Angefangen bei den Eigenen, ob Bürgermeister, Landrätin, Ministerpräsidenten, ob Bundeskanzlerin oder jetzt Kanzlerkandidaten, bis hin zu Erdogan oder dem Nordkoreaner Kim Jong Un und anderen Herrschern dieser Erde. Sie alle tragen Verantwortung für ihre Bevölkerung und ihre Völker, aber auch für die Welt. Sie müssen jeden Tag Entscheidungen treffen, führen und leiten.
Als Hesekiel dieses Wort sagte, richtete er es an die Oberen des Volkes Israel, an die Fürsten, aber auch an die Priester und den Hohepriester. Hirten sind sie, Hirten, die die Aufgabe haben, für das Volk Israel zu sorgen.
Sie haben diese Position nicht von sich aus. In Israel war es Gott selbst, der das Königtum eingerichtet hatte und in dessen Namen die Könige gesalbt wurden, und er hat auch die Priester in ihr Amt eingesetzt. Letztere haben ein Erbrecht in Israel auf den Posten als Priester und Leviten oder auch Tempeldienern. Von der Erwählung des Volkes an, hat Gott sein Volk geführt. Die Mächtigen in Israel haben ihre Positionen durch Gott. Ihm sind sie verantwortlich für ihr Handeln.
Aber wie das so ist, wenn Menschen Macht bekommen – wir sehen es derzeit in vielen Ländern –, Macht ist verführerisch. Wie sagt Hesekiel: Wehe den Hirten, die sich selber weiden.
Wenn Macht missbraucht, die Stellung zum eigenen Vorteil genutzt wird, die Reichen die Armen unterdrücken, Recht gebeugt wird, und Gesetze nur dazu dienen noch mehr Vorteile zu erlangen oder bestimmten Gruppen Vorteile zu verschaffen, dann sind das keine guten Hirten mehr und ihnen droht das Wehe Gottes.
Gilt das nur für Israel? Nein, es gilt für alle. Denn der Herr ist Gott über die ganze Welt. Über alle Völker über alle Nationen. Wir glauben an den einen Herrn, Schöpfer des Himmels und der Erde, an den, der allein regiert. Ihm sind auch wir verantwortlich für unser Tun. Jeder einzelne an seiner Position, jeder an seinem Platz. Ganz besonders aber müssen die Herrschenden dieser Welt sich vor ihm verantworten, wie sie ihr Hirtenamt verstehen, ob sie für sich oder für ihr Volk regieren, denn sonst wird ihnen die Macht genommen. Gott bleibt auch über sie der Herr und Hirte.
Das gilt auch über die Kirchen und Gemeindeoberen. Der Auftrag lautet, die Herde zu weiden, gut für sie zu sorgen.
Wir könnten jetzt in das große Lamento über diesen und jenen Herrscher einstimmen, was da und dort nicht recht läuft, wo unserer Meinung nach etwas falsch, gemacht wird usw. Aber lassen wir das mal auf Seite.
Es gibt über dieses Bibelwort des Hesekiel etwas wesentlich Wichtigeres zu sagen:
Auch wenn es noch so schlimm wird, Gott behält die Macht! Er wird sich seiner Herde annehmen. Er vergisst uns nicht.
Er könnte ja sagen: „Lass sie doch in die Irre laufen, wenn sie nicht auf mich hören wollen. Lass dieses halsstarrige Volk doch untergehen.“ Das Exil in Babylonien ist in den Augen Israels Strafe für die Sünden der Väter und der Fürsten, ja des ganzen Volkes, das nicht auf Gott gehört hatte. Der Untergang des Tempels geschah, weil sie versagten, weil sie ihn vergaßen, weil ihnen Gott nicht mehr wichtig war. Also aus und vorbei. Einige drücken es auch drastisch aus: Gott hat sein Volk vergessen.
Aber…
Nein, Gott hat sein Volk nicht vergessen. Er sagt den falschen Hirten an, dass sie ihre Macht verlieren werden, dass er sein Volk aus ihren Händen retten wird.
Gott hat sein Volk nicht vergessen und er wird es nie vergessen. Er steht zu den Verheißungen, die er den Vätern gegeben hat. Denn letztlich ist er der Hirte, der sein Volk führt und leitet. Der immer schon an ihrer Seite ist.
Mit Jesus ist er auch der Hirte über uns geworden. Wir glauben an den guten Hirten, der auch unser Leben in seinen Händen hält. Er führt uns unsere Wege und leitet uns auf unseren Pfaden durchs Leben. Wo wir auch sind, der Herr hat uns in seiner Obhut. Ja, er will, dass wir leben, dass wir durch seinen Geist wissen, dass er uns in Händen hält und wie er für uns sorgt. Denn Jesus hat uns mit ihm verbunden. Durch ihn gehören auch wir zum Volk Gottes. Seine Gegenwart gilt für unser Leben und findet auch an der Schwelle des Todes kein Ende. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er ewiges Leben verheißen im Himmelreich. Wir werden eingehen ins Paradies und durch ihn Weide finden. Wer an ihn glaubt und auf ihn vertraut, der weiß sich auf ewig bei dem guten Hirten geborgen. Wir wissen es, dass Gott über uns und diese ganze Welt regiert und über sie wacht.
Bei aller Kritik, die er an den Mächtigen übt, bleibt doch diese Gewissheit, dass er sich selbst kümmert, dass er selbst eingreift, dass er weder sein Volk noch uns vergessen wird.
Im babylonischen Exil machte Hesekiel dieses Versprechen, dass Gott sein Volk sammeln wird, dass er sie aus den fernen Ländern zurückholt nach Israel. Er machte wieder gut, was die falschen Hirten verbockt haben. Er schenkt seinem Volk wieder Heimat und Ruhe. Er selbst nimmt das Hirtenamt wieder ein und führt sein Volk. Gott hat sein Volk nicht vergessen, das sagte Gott seinem Volk durch den Propheten Hesekiel zu.
Was Gott aber seinem Volk verheißen hat, dass hat er durch andere Propheten der ganzen Welt verheißen. Er allein ist Gott und am Ende werden sich alle Völker seiner Herrschaft beugen und ihn als Herrn des Himmels und der Erde bekennen. Gott wird die Völker sammeln und zu sich führen. Er ist der Hirte über alle.
Die Türe zu ihm ist durch Jesus Christus aufgeschlossen. Er ist gestorben für die Sünden der ganzen Welt. Er ist das Heil und das Leben, er der Weg, der zu Gott führt. Er ist der Hirte in dessen Namen sich alle sammeln sollen. Durch ihn sind wir mit Gott verbunden, hineingenommen in sein Volk. Durch Christus sind auch wir zu Erben der Verheißungen geworden. Gott lädt uns ein in seiner Herde, damit wir ihm folgen und mit ihm durchs Leben gehen.
Auch uns und aller Welt sagt er, dass er sich kümmern wird, dass er den Mächtigen die Macht nehmen wird aber denen, die ihm nachfolgen, Weide und Heimat schenkt. Wir sind unter seiner Obhut in diesem und durch Christus auch im ewigen Leben. Niemand kann uns aus seiner Hand reißen. Seiner Führung können wir vertrauen, seinem Wirken unser Leben überlassen. Er ist bei uns und wird für uns sorgen. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Auifzeichnung des Ostergottesdienstes
Sonntag, 04.04.2021
Andacht zum Sonntag Ostersonntag
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr Gott, du hast durch die Auferstehung deines Sohnes
dem Tode die Macht genommen
und sagst aller Welt das Leben an.
Gegen alle Dunkelheit dieser Welt scheint dein Osterlicht.
Wir bitten dich:
Öffne uns Ohren und Herzen für die Osterbotschaft,
nimm Kleinglauben und Zweifel von uns,
lass uns einstimmen in das Osterlob deiner Zeugen
weil Christus auferstanden ist.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Mt 28, 1-10:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: dort werden sie mich sehen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Christ ist erstanden. Der Tod ist überwunden. Gott behält den Sieg. Die Botschaft dieses Ostersonntags dringt hinein in unsere Welt, will gehört und weitergesagt werden von einem zum andern. Christus ist vom Tod erstanden, der Tod ist überwunden. Uns ist das Leben geschenkt und Hoffnung gegeben. Wenn Gott selbst den Tod besiegt, was kann uns noch hindern zu leben?
Wir kommen von Karfreitag her, von Tod und Trauer, von der scheinbaren Niederlage der Botschaft Christi, der Niederlage der Liebe, der Sanftmut und der Geduld. Da hatten noch die triumphiert, die Hass säen und ihre Macht erhalten wollen um den Preis des Lebens anderer. Man hatte ihn gekreuzigt, er war gestorben und damit auch die Hoffnung vieler.
Die Frauen, die am Ostermorgen zum Grab gingen, sie versuchten, den Verlust zu verarbeiten. Sie wollten nach dem Grab sehen. Sie suchten ihn, der so viel für sie bedeutete. Sie suchten ihn da, wo sie ihn hingelegt hatten. Als wäre er dort zu finden, als könnten sie ihn dort erreichen. Sie erwarteten den Toten, doch Umwälzendes geschah.
Matthäus dramatisiert die Szene, um deutlich zu machen, welch großes Ereignis an jenem Morgen stattfand. Wie bei der Schilderung einer Gotteserscheinung im Alten Testament begleiteten Erdbeben und Blitz die Erscheinung des Engels. Der Engel erschien in gleißendem Licht, weiß war sein Gewand. Wo Gott erscheint, da fallen die Menschen auf ihr Angesicht vor Schrecken. Wer Gott begegnet, der erstarrt vor Schreck. Die Wachen wurden als wären sie tot. Der Stein war weg gerollt, das Grab war leer. Der Engel sprach zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht. Ich weiß, dass ihr den Gekreuzigten sucht.“ Er wusste von ihrer Suche. Er nahm sie an, in ihrer Trauer und ihren Ängsten. Aber seine Botschaft war das Unglaubliche: Er ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Die Frauen wurden an die Botschaft Jesu erinnert, an die Ankündigungen seines Leidens und Sterbens, genauso wie an die Ankündigung der Auferstehung. Sie wurden erinnert an die Botschaft des Lebens aus Jesu eigenen Mund. Und wie zum Zeichen zeigte der Engel die Stätte, wo Jesus gelegen hat. Er war nicht mehr da, das Grab war leer. Längst hatte Christus den Ort des Todes verlassen. Der Stein brauchte nicht seinetwegen weggenommen werden, sondern um der Menschen willen, die ihn suchten, die ihn bei den Toten suchen wollten. Dort aber war er nicht zu finden. Das leere Grab wurde zum Zeichen seiner Auferstehung. Seht her, da könnt ihr ihn nicht finden, nicht bei den Toten, nicht in den Gräbern. Dort werdet ihr Christus nicht finden. Er lebt. Er ist auferstanden. Er hat den Tod überwunden. Er ist Sieger geblieben über die Dunkelheit und Finsternis, über Hass und Gewalt, über den Tod. Das leere Grab ist Zeichen des Lebens, des Lebens, das kein Ende findet in Ewigkeit.
Der Engel schickte die Frauen weiter. Er schickte sie zurück zu den Jüngern, die Botschaft zu verkünden. Auch sie sollten erfahren, dass er lebt, alle Welt sollte erfahren, dass der Tod besiegt ist durch Christus.
Der Engel sendete sie zurück nach Galiläa. Dorthin, wo alles begann, dort wo er wirkte, dort wo es Menschen gab, die ihm begegneten, die von ihm erzählen konnten. Dort wollte er sich sehen lassen, dort, wo die Botschaft nicht vergessen war, sondern weitergesagt wurde.
Die Botschaft des Lebens, sie darf erzählt werden, sie darf Hoffnung stiften, sie hat nichts an Kraft verloren. Und durch Jesu Auferstehung ist sie bestätigt. Er ist nicht gescheitert am Kreuz, sondern hat alles überwunden. Er hat den Sieg behalten und seine Botschaft mit ihm.
Die Frauen verließen das Grab mit Furcht und großer Freude. Sie hatten die Botschaft des Engels erhalten, sie waren durch die Erscheinung erschreckt, durch das umwälzende Ereignis erschüttert worden.
Wer Gottes Größe erlebt, wer so unmittelbar angesprochen wird, wird sich seiner Niedrigkeit bewusst. Der kann nur mit Furcht und mit Erschaudern, von dieser Begegnung berichten.
Die Freude aber stellte sich mit ein, denn nun hatten die Frauen die gute Botschaft, das Evangelium gehört. Er lebt und sie werden ihn sehen. Ihre Trauer hatte sich verwandelt in Freude, ihre Niedergeschlagenheit in Hoffnung, ihre Trübsal in Stärke.
Und in froher Erwartung gingen sie ihres Weges, weg vom Grab ins Leben. Noch auf diesem Weg begegnete ihnen der Auferstandene. Sie fielen vor ihm nieder. Er bestätigte die Botschaft des Engels. Und sendete sie zurück zu seinen Brüdern, zu den Gefährten der Verkündigungszeit. Er sendete sie zurück und mit allen nach Galiläa, wo er sich zeigen will.
Wer sich auf den Weg macht die Botschaft weiterzusagen, dem wird der Auferstandene begegnen. Wer ihn erwartet, den wird er nicht enttäuschen.
Seit diesen Tagen hat sich die Botschaft in der Welt verbreitet. Die Botschaft des Lebens und der Liebe hat viele Menschen erreicht. Immer wieder will sie erzählt und vergegenwärtigt werden. Und wo sie erzählt wird, da ist Christus gegenwärtig, da ist er selbst es, der Hoffnung stiftet und Kraft gibt für den Alltag der Welt. Er schenkt eine Hoffnung, die über den Tod hinausreicht, die davon spricht, dass nichts, auch nicht der Tod, uns von der Liebe Gottes trennen kann, dass wir geborgen bleiben in seinen guten Händen. Gott will uns zu sich führen, will mit uns auf dem Weg sein. Das ist es, was uns tragen und helfen kann. In unserem Leben will er sich finden lassen. Er begegnet uns im Alltag dieser Welt und führt uns zum ewigen Leben. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Aufzeichnung des Karfreitagsgottesdienstes
Karfreitag, 02.04.2021
Andacht zum Sonntag Karfreitag
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Heiliger, ewiger Gott,
dein Sohn, Jesus Christus,
hat am Kreuz an unserer Stelle
für unsere Sünden gelitten
und unsere Schuld getragen.
Wir danken dir, dass er für uns gestorben ist,
um alles zu überwinden.
Lass uns darin deine Liebe erkennen
und begreifen, dass wir durch ihn
vom ewigen Tod erlöst sind
und auch wir durch seine Auferstehung
das ewige Leben in dein Reich gewinnen.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Jes 52, 13,53:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder –, so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren. Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des Herrn offenbart? Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volks geplagt war. Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. Aber der Herr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des Herrn Plan wird durch ihn gelingen. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.
Liebe Gemeinde,
Eine schlimmere Zeit wie diese habe ich noch nicht erlebt. Was uns bestimmt ist die Angst, das Leben zu verlieren im doppelten Sinne. Das Leben scheinen wir zu verlieren, das bisher war, mit Gemeinschaft und Freundschaften, Treffen und Feiern, Fröhlichkeit und Gesang, mit Freiheiten und Urlauben und vielem mehr. Das andere Leben, das wir verlieren könnten, ist unser Leben im wirklichen Sinne. Krankheit und Tod stehen uns mehr denn je vor Augen. Was wir über die letzten Jahre auszublenden versuchten, ist bewusster geworden. Unser Leben ist gefährdet und begrenzt. Aber wir wollten es nicht und wollen es immer noch nicht wahrhaben. An der Politik sehen wir, dass die Versuche uns selbst zu retten an vielem scheitern: An persönlichen Fehlern Einzelner, am Egoismus mancher anderer, an der Verdrängung von Realitäten, an Uneinsichtigkeit und Rücksichtslosigkeit, an Abwägungen und Sturheit und vielem mehr.
Es nutzt nichts auf andere zu zeigen. Schuld sind nicht immer die anderen. Wir sind es selbst, die mitmachen. Wir müssen entscheiden, was für uns gut ist, nur dürfen wir dabei nicht die anderen vergessen, deren Wohl uns auch wichtig sein sollte.
Wir haben Angst, das Leben zu verlieren aber wir gefährden es auch selbst durch unser Verhalten.
Egal, wie wir entscheiden, wir gefährden unser Leben auf die ein oder andere Weise und das anderer mit.
Jeder Mensch wünscht sich zurzeit, dass es aufhört, dass es neu wird, dass wir die Krise überwinden. Die Lösung hat keiner parat.
Vielleicht wünschen wir uns in diesen Zeiten einen, der alles auf sich nimmt. Der das ganze Dilemma hinwegträgt, auf dessen Schultern wir unsere Last abladen können und der uns herausholt aus der Misere.
Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
So schreibt es der Prophet Jesaja im eben gelesenen Bibelwort. Gott schickt einen Retter, der gar nicht so aussieht, einen von Krankheit und Elend gezeichneten. Er geht freiwillig für uns diesen Weg, er geht in den Tod.
Als die Christen dieses Wort lasen, fanden sie darin den Weg Jesu. Gemartert geschlagen, verachtet verspottet, ging er für uns ans Kreuz. Mancher meinte, es wäre die Strafe Gottes, die Jesus trifft und Gott hätte ihn verlassen, als er am Kreuz hing. Doch er hat keine Schuld an seinem Tod. Er trägt nicht seine, sondern unsere Schuld. Er nimmt auf sich, was uns quält und lähmt. Und überwindet alles durch seinen Tod und seine Auferstehung. Er lebt, er überwand den Tod, er sieht das Licht Gottes. Durch ihn ist auch uns das Heil gewiss in Gottes Gegenwart in der Ewigkeit und auch hier in dieser Welt.
Wir wünschen uns einen, der alles auf sich nimmt und der uns herausholt. Es wäre schön, wenn er zumindest unsere Angst nähme, das Leben zu verlieren.
Genau dafür ist er diesen Weg gegangen. Weil wir selbst das Leben nicht bewahren können, weil wir uns verstricken in den Widersprüchen, weil wir uns und andere belasten durch unser Verhalten, weil wir uns anmaßen, die Welt zu retten und doch daran scheitern, darum musste er kommen. Wir können unser Leben nicht allein bewahren, wir brauchen den, der die Kraft hat, uns zu retten.
Er trägt unsere Sünde. Er trägt das, was uns von Gott und Menschen trennt, was unser Vertrauen erschüttert. Die Angst vor Leid, Krankheit und Tod, die Angst bringt uns weg von Gott und den Menschen. Sie lässt uns Dinge tun, die nicht gut für uns selbst und andere sind. Aus Angst setzten wir uns zur Wehr, aus Angst suchen wir unseren Vorteil, aus Angst nehmen wir keine Rücksicht, aus Angst vor Verlust hamstern wir für uns. Aus Angst vergessen wir den anderen, den Mitmenschen neben uns. Sünde kommt aus dem mangelnden Vertrauen, das betrifft Gott und die Menschen. Aus Angst, vergessen gegangen zu sein, zweifeln wir, aus Angst, nicht geliebt zu sein, zweifeln wir an der Liebe. Aus Angst abhängig zu sein, verlassen wir Beziehungen und auch zu unserem Gott. Sünde ist das, was uns trennt von Gott und den Menschen. Gott aber will, dass wir leben, dass wir Vertrauen haben, dass wir die Angst überwinden. Deshalb trägt Jesus die Sünde, damit sie nicht mehr zwischen uns und Gott stehen muss. Seine Liebe zeigt sich darin, dass er alles auf sich nimmt, um es zu überwinden. Vertrauen können wir zurückgewinnen, weil wir keine Angst mehr vor ihm haben müssen. Er hat die Verbindung geheilt, als Jesus für uns am Kreuz starb. Er nimmt uns auch die Angst vor dem Tod, denn er hat den Tod überwunden. Bei ihm ist Leben. Der Tod ist nicht mehr das Ende der Beziehung zu Gott, sondern die Vollendung. Seit Jesus auferstanden ist, hat der Tod seine Macht verloren. Gott bleibt und wir bei ihm. Auf ihn können wir vertrauen und auf die Zusage, dass uns von Gott nichts trennen kann. Wir können ihm unsere Ängste anvertrauen, der für uns ans Kreuz gegangen ist, Jesus Christus.
Das Leben ist gefährdet, aber es bleibt in Gottes Händen. Damit ist die Pandemie nicht zu Ende, aber wir haben den an unserer Seite, der in seiner Liebe für uns Sünde und Tod überwunden hat.
Auch in unseren Zeiten können wir auf Gott vertrauen. Seine Liebe gilt uns jeden Tag neu. Er stärkt uns die Herausforderungen unserer Zeit anzunehmen. Wir können ihm unser Leben in die Hände legen, ablegen, was uns belastet und bedrängt. Wir sind gewiss, unser Leben ist und bleibt geborgen bei Gott in Ewigkeit.
Das Vertrauen auf Gott nimmt uns die Angst vor ihm, aber auch die Angst vor dem nicht gelingenden Leben, denn er hält es in seinen Händen. Vertrauen wir ihm, können wir auch den Mitmenschen vertrauen, vertrauen wir seiner Liebe, können wir auch wieder lieben. Im Vertrauen auf ihn, verliert die Angst ihre Kraft und lässt uns dieses Leben aus seiner Hand annehmen und mit seiner Hilfe gestalten. Ist er bei uns, gewinnt das Leben neue Perspektiven. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 28.03.2021
Andacht zum Sonntag Palmarum
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, du führst uns und leitest unseren Weg.
Wer auf dich vertraut,
der braucht keine Angst vor dem Leben zu haben.
Du stellst uns in diese Welt;
Gibst uns deine Liebe, damit wir sie weitergeben.
Doch wir müssen bekennen:
Es fällt uns schwer, deiner Leitung ganz zu vertrauen.
Wir haben Angst vor den Wegen unseres Lebens.
Deine Liebe ist uns zugesagt
und doch ist unser Glaube manchmal schwach.
Lass uns deine Liebe erfahren,
gib deinen Geist, der uns trägt
und nimm dich unserer Schwachheit an.
Herr, wandle uns, stärke uns, führe uns.
Damit wir dich immer und überall rühmen können
Und bekennen, dass du unser Herr und Heiland bist.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Hebräer 11, 1-2+12,1-3:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen. …
Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.
Liebe Schwestern und Brüder!
Wir haben unseren Glauben, weil es Menschen gab und gibt, die uns von ihrem Glauben erzählen, die mit ihrem Glauben uns Vorbilder waren und sind, weil Gott selbst durch diese Menschen mit uns redet. Gott sorgt selbst für seine Zeugen des Glaubens, damit die Botschaft über die Generationen hinweg weitergetragen wird. Es ist unser Glauben an Gottes Liebe und Treue, an seine Gegenwart in unserem Leben, die uns selbst zu Zeugen macht für die nächste Generation. Unsere Kinder oder Enkel haben von uns erfahren, wie wir unseren Glauben leben, was uns im Leben hält und trägt.
Eine Wolke von Zeugen führt auch der Hebräerbrief an. Er hat im Kapitel 11 die biblischen Zeugen im Blick: Abel, der im Glauben an Gott sein Opfer brachte. Henoch, der entrückt wurde von der Erde. Noah, der Gott mehr vertraute als den Menschen, und durch seinen Glauben gerettet wurde. Abraham, der sich auf den Weg machte ins verheißene Land. Isaak, der seine Söhne segnete, und Jakob, der trotz seines Betruges doch zum Stammvater Israels wurde und im Glauben auch die Fremde ertrug. Josef, der sein Volk über die Hungernot rettete, weil der Herr mit ihm war und ihn in Ägypten zum zweitwichtigsten Mann machte. Mose, der sein Volk dann aus Ägypten führte ins Land Kanaan zurückführte. Rahab, die den Kundschaftern Obdach bot. Es sind Menschen, die durch den Glauben an Gott ihren Weg gingen und den Mut gewannen, andere, neue Wege einzuschlagen. Für den Hebräerbrief gehören auch die Frauen, die die Auferstehung Jesu bezeugten und andere Nachfolger Christi, die für den Glauben eintraten und litten zu den Glaubenszeugen, die diese Wolke ergänzen. Und letztlich führt der Weg über die zweitausend Jahre Kirchengeschichte bis in unserer Zeit. Immer wieder haben Menschen, von Heiligen Geist erfüllt, anderen den Glauben an Gott vermittelt. Sie haben neu über Gottes Liebe und Fürsorge nachgedacht. Sie haben Irrwege beschritten und sind von Gott wieder auf den rechten Weg gebracht worden. Luther, Melanchton, Bonhoeffer, und andere Männer und Frauen der Kirchengeschichte gehören heute in die Wolke von Zeugen, wie auch unsere Eltern, Lehrer und Pfarrer, jene, die uns von Gott erzählten und bezeugten, dass ihr und unser Leben von Gott bestimmt ist, ja, dass wir geborgen sind in seiner Liebe und Gnade.
Wir sehen heute am Palmsonntag, am Tag der Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem auf ihn, Jesus Christus. Sein Weg auf Erden, sein Tod und seine Auferstehung sind uns vor Augen und sind der Grund unseres Glaubens und Vertrauens. Denn er hat Gottes Leibe verkündigt und hat für uns die Sünde getragen und sich als Opfer hingegeben, damit wir erlöst sind von aller Schuld. Er hat die Arme am Kreuz ausgebreitet, um unsere Schuld zu tragen und für uns zu büßen, was eigentlich uns gelten müsste. Er ist diesen Weg gegangen, um uns mit Gott zu verbinden, damit uns nichts von der Liebe des Vaters trennen kann. Lieber geht er in den Tod, als dass wir alle verderben. Er ist auferstanden, um selbst den Tod zu besiegen und hat uns das ewige Leben erworben. Er allein führt uns zum himmlischen Vater und öffnet uns die neue Heimat in Gottes Reich. Weil er in Geduld diesen Weg für uns gegangen ist, weil er alles für uns getan hat, damit Gottes Liebe uns erreicht, darum können auch wir unseren Lebensweg gehen. Im Vertrauen auf den Herrn, Jesus Christus, können wir unsere Sünde ablegen und ihm unsere Schuld bekennen, und neue Wege mit ihm einschlagen. Im Glauben an seine Liebe und Treue, liegt der Trost in unserem Leben. Wir sind in den Händen unseres Gottes gehalten, auch wenn uns Sorgen und Ängste drücken. Wir wissen uns gestärkt durch Gottes Hilfe, wenn wir einmal an die Grenzen unserer Kraft kommen. Gott hat uns geholfen und wird uns weiterhin helfen. In jeder Stunde und Minute unseres Lebens können wir auf ihn vertrauen.
Der Autor des Hebräerbriefes will seinen Gemeinden Mut machen, den Kampf des Lebens aufzunehmen. Er lässt sie den Blick auf Jesus richten, der so viel für sie getan hat, und in dessen Händen die Gemeinde und ihre Glieder geborgen sind.
Zu seiner Zeit gab es ernsthafte Verfolgungen der Gemeinden. Christ zu sein bedeutete, gefährdet zu sein. Nicht wenige wurden verfolgt, versklavt, gemartert, gefoltert oder mussten sogar für ihren Glauben sterben. Auch heute müssen viele Christen unter der Verfolgung leiden und sind vom Tod bedroht. In vielen Ländern der Erde ist es nicht einfach, seinen Glauben auch öffentlich zu bekennen. In einigen Ländern sind sogar die gefährdet, die an kleinen Hausgemeinden teilnehmen und ihren Glauben eher im Verborgenen ausüben. Der Glaube an unseren Herrn Jesus Christus hat aber immer wieder Menschen den Mut gegeben, der Verfolgung zu widerstehen, und ihnen die Kraft gegeben an ihrem Glauben festzuhalten. Denn der Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, für uns gelitten hat und gestorben ist, hat den Tod überwunden. So kann uns nichts mehr von ihm trennen. Das Ziel liegt nicht in dieser Welt, das himmlische Paradies wartet auf uns. Wenn wir an Jesus Christus festhalten und treu zu ihm stehen, wird auch er sich zu uns bekennen und uns das ewige Leben schenken. Unser Glaube hat ein Ziel, das nicht in dieser Welt liegt. So können wir unsere Wege hier gestalten im Vertrauen darauf gehen, dass uns von Gott nichts trennen kann. Jeden Tag neu ist seine Gnade und Treue mit uns. Er bleibt in seiner Liebe bei uns.
Liebe Schwestern und Brüder,
der Glaube hat auch vielen von uns schon geholfen auf dem Lebensweg. Ein Stück des Lebens liegt schon hinter uns. Manche schwere Zeit galt es zu bestehen. Für die Älteren erinnern sich an die Nachkriegszeiten mit ihren Nöten, fehlende Väter, überforderte Mütter und den Großeltern, die halfen. Unser Glaube hat sich im Lauf der Jahre bewährt. Vom kindlichen Vertrauen, über zweifelnde Fragen ging der Weg hin zur gewissen Zuversicht oder doch wieder zu zaghaftem Gauben an Gottes Treue und Zuwendung. Manch „verlorener Sohn“, manche „verlorene Tochter“ kehrte nach Jahren zurück. Ja, manche Kämpfe mussten bestanden werden: Krankheiten gehörten dazu und Todesfälle in der Familie, Sorgen um Ehe und Arbeit und vieles mehr. Nicht immer war die Zuversicht da, dass Gott wirklich noch seine Hände über ihrem Leben hält. Doch Gott war da, in den vielen Augenblicken des Lebens. Seine Hilfe war oft erst im Nachhinein zu erkennen. Der Gott allen Trostes, der Herr über unser Leben hat uns nie verlassen, sondern hat seine Zusagen eingehalten. Er war da, wenn die Tage dunkel schienen und hat doch auch immer wieder Tage des Lebens und der Freude geschenkt. Gott hat uns vieles erreichen lassen und heute können, wir dankbar zurückblicken. Wir haben unsere Erfahrungen mit Gottes Liebe und Gegenwart machen können. Heute gehören wir selbst hinein in die Wolke von Glaubenszeugen. Im Blick auf Jesus Christus haben wir manches überstanden und durch Gottes Zuspruch Hoffnung gefunden. Wir haben anderen den Glauben vermittelt, uns eingesetzt für Mitmenschen, sind unseren Weg in mehr oder weniger festem Vertrauen auf Gott gegangen. Was war, legen wir heute dankbar zurück in Gottes Hände und bitten ihn, dass er auch die Zukunft bestimmen mag. Ein mehr oder weniger langes Stück Lebensweg liegt ja noch vor uns. Niemand weiß, was die Zukunft noch an Kämpfen und Freudenzeiten, Sorgen und Schönheiten bereit hält, was unseren Glauben gefährdet oder was ihn festigen wird. Niemand weiß, was Gottes Plan mit uns auf dieser Erde ist. Doch eines dürfen wir auf diesem Weg wissen, dass am Ende dieser Tage das ewige Reich auf uns wartet und Jesus uns in Gottes Reich empfangen wird. Er ist und bleibt unser Gott. Seine Gegenwart hilft uns, so manches zu tragen und zu ertragen, was uns noch auferlegt wird. Er wird uns die Geduld geben, die wir brauchen, um uns auf diese zukünftigen Pfade zu wagen. In Christus finden wir Vorbild und Ziel, Hoffnung und Trost. Er ist der Anfänger und Vollender des Glaubens, auf den wir sehen und auf dem wir vertrauen, heute und bis in Ewigkeit. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 14.03.2021
Andacht zum Sonntag Judika
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Auf dich, unseren Gott, vertrauen wir.
 
Du hast deine Gegenwart und deine Liebe zugesagt.
 
Auch in schwierigen Zeiten bist du an unserer Seite.
 
Auch wenn wir manchmal zweifeln
 
und ängstlich in die Zukunft schauen,
 
so wissen wir doch, dass du für uns da bist.
 
Danke für deine Zusage,
 
danke für dein Verständnis,
 
Wir bitten, nimm dich unserer Nöte an.
 
Vergib, wenn wir an dir zweifeln,
 
stärke unseren Glauben,
 
lass uns wachsen im Vertrauen.
 
Mach uns gewiss,
 
dass du auf allen Wegen mit uns gehst.
 
Sprich uns deine Hilfe zu,
 
Gib uns deinen Geist
 
lass uns hören und verstehen,
 
was du für uns getan hast und tust.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Hiob 19,19-27:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon. Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Ihn hat es wirklich erwischt. Hiob! Schlimmer kann es nicht mehr kommen. Er leidet wirklich an seinem Leben, eigentlich an allem. Die Hiobsbotschaften sind sprichwörtlich geworden. Dennoch hält er an der Hoffnung fest. Ich weiß, dass mein Erlöser lebt! Es gibt einen, der zu ihm steht, der ihn nicht aufgegeben hat. Da ist einer, der ihn aus der Tiefe seines Lebens retten wird. Gott, wird ihn retten.
 
Freilich, alle anderen verachten ihn, selbst seine Angestellten wenden sich von ihm ab. Von Krankheit und Elend gezeichnet, will keiner mehr mit ihm zu tun haben.
 
Das Schlimmste aber sind die Vorwürfe seiner Freunde, auf die er auch hier im Abschnitt antwortet. Sie werfen ihm vor, dass er sein Schicksal selbst verursacht hat. Irgendetwas muss es doch gegeben haben, mit dem er Gott erzürnt hat. Aber Hiob bleibt dabei, er ist unschuldig in diese Situation geraten. Gott wird ihm am Ende Recht geben. Gott wird sich ihm wieder zuwenden. Was ihm geschieht, das ist nicht gerecht.
 
Ich weiß, dass mein Erlöser lebt! Ein starker Glauben gibt Hiob die Kraft. Ein Glaube an die Gerechtigkeit Gottes, an den, der doch alles in seinen Händen hält, der Himmel und Erde gemacht hat, Gott, der Macht hat über die Elemente und auch über ihn. Der Gott, der sich als gnädig erweist und dem zuwendet, der sich an ihn hält. Der fromme Hiob, will nicht daran zweifeln, dass Gott sein Leben bestimmt und auch im Gerechtigkeit widerfahren lassen wird. Auch wenn es ihm gerade schlecht geht, auch wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, auch wenn er leidet, bleibt er bei Gott.
 
Sicher, er streitet auch mit Gott darüber, ja, er macht ihm Vorwürfe, will wissen, wieso es ihm so geht? Aber letztlich traut er es auch nur dem Herrn zu, ihn herauszuholen aus dem Elend. Der Erlöser lebt! Ihm will er begegnen und wird er begegnen, da ist er sich sicher.
 
So ein festes Vertrauen und einen solch starken Glauben wünsche ich uns allen. Einen Glauben, der auf Gott und seine Liebe vertraut, den Verheißungen Glauben schenkt, die er uns doch zugesagt hat. Gott, du hast gesagt, du bist an unserer Seite, hilf! Ich vertraue auf dich.
 
Doch manche Menschen sind eher, wie Hiobs Frau, die sagt: Wie kannst du noch an Gott festhalten, wenn er dir das antut? Beim kleinsten Problem und je schwieriger die Krise ist, desto mehr meinen Menschen, Gott hat sie vergessen, oder es gibt gar keinen Gott. Der liebe Gott kann das doch nicht zulassen. Aber vielleicht liegt es auch am falschen Bild, das wir uns von Gott machen. Ein Glücksbringer und Schön-Wetter Gott, der nur Gutes zulässt, den haben wir uns eingebildet.
 
Das Leid ist aber Bestandteil der Schöpfung. Viren Bakterien, Naturkatastrophen, wie wir sie immer wieder erleben, gehören zu dieser Erde. In dieser Welt, gibt es auch Leid und Not und manches Elend, das Menschen einander antun. Die perfekte Welt, das Paradies gibt es nur im Märchen. Trotzdem ist es eine gute Schöpfung in der wir leben. Gott verhindert nicht alles, was wir als schlecht empfinden, aber er verlässt uns auch nicht, wenn das Leben uns mitspielt.
 
Auch das Gottesbild der Freunde Hiobs stimmt nicht. Sie meinen, vom schlechten Zustand Hiobs auf seine Sünde schließen zu können. Als wäre unser Ergehen immer Folge unseres Tuns. Gott handelt nicht mit uns nach unserer Sünde und vergilt uns nicht nach unserer Missetat, heißt es in den Psalmen. Es gibt keinen Tun-Ergehen-Zusammenhang. Vor allem können wir nicht alle Schwierigkeiten im Leben als Folge einer Sünde verstehen. Auch wenn wir uns manches selbst einbrocken, weil wir falsch handeln.
 
Gottes Liebe gilt allen Menschen. Unsere Sünde ist durch Jesus Christus vergeben, unser Leben ruht in seinen Händen.
 
Es ist nicht unbedingt eine Strafe Gottes, wenn wir leiden. Hiob hat recht, wenn er seinen Freunden ein falsches Bild vorwirft. Nein, Gott ist sein und unser Erlöser!
 
Auch das mit der Pandemie verbundene Leid ist genauso wenig eine Strafe Gottes und kein Zeichen für Gottes Rückzug aus der Welt. Er bleibt an unserer Seite. Aber das Leid macht uns bewusst, wie abhängig unser Leben ist, wie wenig wir es wirklich selbst im Griff haben. Jedes Leid erinnert uns an die Vergänglichkeit des Lebens. Krankheit und Tod gehören in diese Welt, sie sind Teil der Schöpfungsordnung.
 
Aber in aller Angst und Not, dürfen wir daran festhalten: Der Erlöser lebt. Gott begleitet uns auch und gerade dann, wenn wir seine Nähe besonders bedürfen. Seine Liebe hört nicht auf, auch wenn das Leben uns übel mitspielt.
 
Ich weiß, dass mein Erlöser lebt! Jesu hat uns diese Liebe Gottes verkündigt. Die allen Menschen gleichermaßen gilt. Eine Liebe, die auch in diesem Leben heilen und retten kann. Seine Macht kann auch bewahren und neues Leben in dieser Welt schenken. Überstandene Krisen, sind auch Zeichen seiner Kraft und Stärke. Manche Hilfe wird uns durch Gottes Liebe zuteil. Er bewegt auch Menschen, anderen zu helfen. Gott lässt die Wissenschaft Entdeckungen machen und neue Wege gehen. Er sorgt auch auf diese Weise für uns.
 
Aber seine Gnade reicht weiter, als dieses Leben, das hat Jesus uns verkündet. Er ist durch den Tod gegangen und ist auferstanden von den Toten. Er hat selbst den Tod besiegt. Er schenkt uns das Leben, das geborgen bleibt in Gottes Gegenwart in Ewigkeit, mit ihm werden wir auferstehen zum ewigen Leben. So kann uns nichts mehr von Gott trennen, auch nicht der Tod. Der Erlöser nimmt Leid und Tränen, Lasten und Schmerz von uns, wenn wir bei ihm sind und unser Leben bei ihm vollendet wird. Der Erlöser lebt, und wir werden ihn von Angesicht zu Angesicht sehen. Der Himmel wartet auf uns.
 
Auf diesen Herrn möchte ich in meinem Leben vertrauen. Gerade auch in Zweifel und Anfechtung brauche ich diese Gewissheit, Gott verlässt mich nicht. Der Erlöser lebt! Und damit gibt es Hoffnung und Trost. Zu jeder Zeit. Jesus hat uns diesen Gott gezeigt, der auch im Leiden und Tod nahe bleibt und uns am Ende aufnimmt in sein Reich. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 14.03.2021
Andacht zum Sonntag Lätere
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, bei dir zu sein, das ist unser Wunsch.
 
In deiner Nähe kommen wir zur Ruhe,
 
Bei dir ist Gnade und Barmherzigkeit.
 
Du schenkst Vergebung für unsere Sünden.
 
Danke, Herr, dass du so für uns da bist.
 
Nicht nur in der Kirche, überall bist du gegenwärtig.
 
So vertrauen wir darauf,
 
dass deine Liebe uns erreicht.
 
Lass uns heute auf dein Wort hören
 
und erfahren, was du uns zu sagen hast.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Joh 12,20-24:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Die Ankündigung der Verherrlichung
Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen's Jesus weiter. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.
Liebe Schwestern und Brüder!
Wann ist wieder Gottesdienst? Der Lockdown hält uns gefangen zwischen ja, wir öffnen wieder, und nein, die Zahlen steigen. Die Mutationen sind ansteckender und gefährlicher und zwar jetzt für alle Generationen.
Aber die Menschen brauchen die Begegnung mit Gott im Gottesdienst, heißt es von anderer Seite. Ober-Widdersheim verschiebt die Wiederaufnahme der Gottesdienste auf Karfreitag. Abendmahle können bei uns in den Gottesdiensten immer noch nicht gefeiert werden. Es fehlt etwas Gravierendes und das ist schmerzlich.
Wir wollen Jesus sehen! Mit diesem Anliegen kommen Griechen zu den Aposteln. Passender kann die Frage nicht sein. Dem Herrn begegnen, das wollen auch wir.
Die Apostel sagen es Jesus weiter, und so hört er von der Sehnsucht der Menschen seiner Zeit.
Er hört und kennt auch heute unser Anliegen. Mit Jesus zu sein, ihm begegnen, ihn anschauen, ihn begreifen, seine Gegenwart spüren, etwas abbekommen, von seiner Liebe, seiner Gnade, seinem Leben, das gäbe uns die nötige Kraft. Wie damals den Menschen, so würde auch uns seine Nähe gut tun. Doch dazu brauchen wir nicht unbedingt einen Gottesdienst. Unsere Sehnsucht nach ihm, stillt er anders. Um ihm zu begegnen, hat er einen besseren Weg gewählt.
Jesus weiß von der Suche nach seiner Nähe.
Er geht darum seinen Weg über das Kreuz und die Auferstehung für uns und alle Welt. Im Johannesevangelium geht Jesus ans Kreuz, um erhöht und verherrlicht zu werden. Das Kreuz wird als Zeichen der Hoffnung aufgerichtet. Wer auf ihn sieht wird gerettet werden. Er geht zu seinem Vater, um mit ihm eins zu sein und seinen Weg zu vollenden. Er nimmt die Herrlichkeit Gottes an, wird zum Licht in der Dunkelheit unseres Lebens. Wer an ihn glaubt, der hat das Leben, dem scheint das Christus-Licht an jedem Tag.
Das Weizenkorn muss sterben, um Frucht zu bringen. In diesem Gleichnis bringt es Jesus auf den Punkt. Wie das Weizenkorn erst in die Erde gegeben werden muss und die Saat erst aufgehen muss, um Frucht zu bringen, so muss auch er erst sterben und auferstehen. Sein Weg geht durch den Tod zum Leben in Gottes Reich, über das Kreuz in die Herrlichkeit mit dem Vater, von der irdischen in die himmlische Heimat. Sein Tod öffnet die Tür zum Paradies. Er bereitet den Platz in Gottes Reich, an dem wir in Ewigkeit geborgen sind und Heimat finden in Gottes Gegenwart.
Sünde und Schuld nimmt er auf sich, um sie zu überwinden. Seine Liebe trägt unsere Lasten. Er nimmt weg, was uns von ihm trennt. Wir werden rein, weil er uns rein macht und den Weg zum Vater ebnet. Durch ihn werden wir mit Gott verbunden und der Weg ist frei ins Himmelreich. Er muss für uns gehen, um diese Frucht zu bringen. Damit aufgehen kann, wozu er gekommen ist, muss er diese Welt erst verlassen. Aber umso reicher schenkt er seine Gegenwart nach seiner Auferstehung. Sein Tod ist nicht das Ende, sondern die Vollendung. Er verlässt uns nicht, sondern sendet uns den Tröster, den Heiligen Geist, der uns mit ihm verbindet, der uns lehrt und Hoffnung schenkt. Wir bleiben nicht allein, wir sind nicht verlassen, auch wenn wir ihn nicht leibhaftig unter uns haben.
Durch seinen Tod und seine Auferstehung wird seine Nähe nicht weniger, sondern mehr. Allumfassend, ohne Grenzen schenkt er seine Gegenwart in der Welt. Das Weizenkorn hat Frucht getragen. Er stärkt nun alle, die an ihn glauben und ihr Vertrauen auf ihn setzen.
Wir wollen Jesus sehen! Mit diesem Anliegen waren die Griechen gekommen. Sie wollten dem Herrn begegnen. Jesu Antwort zieht auch auf die, die ihm später nachfolgten. Menschen wünschen sich bis heute, dabei gewesen zu sein, ihm selbst begegnet zu sein. Doch Jesus verweist sie und uns auf das, was nach seinem Tod Wirklichkeit wurde.
Nicht die leibhaftige Begegnung ist wichtig, sondern die Gegenwart des Auferstandenen durch seinen Geist an jedem Ort und zu jeder Zeit. Nicht wichtig ist es, ihn zu berühren, wie auch der Jünger Thomas das wollte, weil er sonst nicht glauben konnte, sondern selig ist, wer nicht sieht und doch glaubt.
Wir können seinem Wort vertrauen. Jesus ist auch heute gegenwärtig. Mit seinem Geist begleitet er unsere Wege. Wir müssen nicht erst den besonderen Ort aufsuchen, die bestimmte Zeit wissen, um mit ihm in Kontakt zu kommen, sondern wir können darauf vertrauen, dass er uns überall seine Gegenwart schenkt. An allen Ort können wir ihm begegnen, seine Nähe spüren, seinen Trost erfahren. Ob zu Hause oder in der Kirche, auf freiem Feld oder mitten im Gewühl der Menschen, der Herr ist unmittelbar an unserer Seite.
Das kann uns auch in der gegenwärtigen Situation trösten. Ob Lockdown oder nicht, ob Gottesdienst im Fernsehen, Radio, Internet, oder gelesen, ob in der eigenen Kirche oder in einer anderen, nicht der Ort macht die Begegnung, sondern der Herr selbst begegnet uns, wenn wir an ihn denken und seinem Wort vertrauen. Wer auf ihn sieht, erkennt, sein Kreuz ist das Zeichen, dass er vereint ist mit dem Vater und die Herrlichkeit Gottes auch uns geschenkt ist. Sein Licht hört nicht auf zu strahlen, sondern schickt uns seine Strahlen in unser Leben. „Ich bin das Licht der Welt, wer mit nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben!“, sagt Jesus. Sein Licht bringt uns die Zuversicht auf ein Leben mit ihm und bei ihm. Wir bleiben mit ihm verbunden.
Vertrauen wir seiner Liebe und bleiben wir an ihm, dann wird auch unser Leben Frucht bringen. Er schenkt uns die Kraft zum Leben. Unter seiner Liebe wird unser Leben aufblühen und wachsen. Wir geben weiter, was er uns schenkt. Sein Trost tröstet auch andere, sein Segen wird zum Segen für unsere Mitmenschen, unsere Hoffnung wird ansteckend für andere. Sein Wort lehrt uns, seinen Weg zu gehen und jedem von ihm zu erzählen. Die Frucht, die wir bringen, kommt von ihm und führt wieder zu ihm hin.
Unser Leben ist von seiner Gegenwart umgeben und bleibt in seinen Händen geborgen. So gehen auch wir im Vertrauen auf ihn der Vollendung entgegen. Das ewige Leben ist uns verheißen. Von Gottes Gegenwart kann uns nichts mehr trennen, die letzte Heimat findet wir bei ihm. So wissen wir ihn im Leben und im Sterben an unserer Seite. Seiner Liebe können wir vertrauen. Er ist bei uns alle Tage bis unser Leben vollendet wird in seiner Gegenwart in Himmelreich in Ewigkeit. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 07.03.2021
Andacht zum Sonntag Okuli
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, unser Gott,
ach, wäre es doch so,
dass unsere Augen stets auf dich sehen würden.
So aber müssen wir bekennen:
Wir verlieren dich nur all zu oft aus dem Blick.
Und dann kann es geschehen,
dass wir uns in dem verirren,
was der Alltag uns entgegenbringt.
Nun aber kommen wir zu dir,
denn nur mit deiner Hilfe finden wir zurück zu dir.
Wir bitten dich: Richte uns aus auf deinen Willen.
Dein Geist führt uns nicht nur in diesem Leben.
Lass uns dich mit Worten loben und deinen Willen tun.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht EpH 5, 1-9:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Unsere Augen sehn stets auf den Herren, so sagt es der Name des Sonntags, aber wer kann das schon von sich behaupten? So ist es ja nicht. „Jesus geh voran“, schön wenn es so wäre. „Ich folge dir“, ein gutes Bekenntnis, aber wenn wir unser Leben betrachten, leben wir anders. Wir sind nicht immer bei Gott. Wir leben nicht so, dass wir ständig an ihn denken. Da ist vieles anderes, was uns von ihm ablenkt. Ja, selbst wenn wir es versuchen, merken wir schnell, es ist nicht leicht. Es ist nicht so einfach, das Sehen auf den Herrn auch in die Tat umzusetzen. Es lässt sich nicht so leicht umsetzen, ganz so zu leben, wie es der Gemeinschaft mit dem Herrn und Heiland entspricht. Manche Menschen betrachten Menschen, die nach außen hin ihren Glauben auch leben wollen und versuchen, immer bei Gott zu sein, eventuell auch mit einem gewissen Lächeln. Manche vermuten dahinter eine Weltfremdheit, eventuell eine aufgesetzte Moral, eine übertriebene Religiosität, die, wenn man hinter die Fassade schauen kann, dann doch bröckelt.
Aber unser Predigtwort für den heutigen Sonntag fordert uns auf, unseren Lebensweg mit Gott zu gehen und vor allem auch so zu leben, wie es der Gemeinschaft mit Jesus entspricht.
Es steht in Eph 5,1-9:
So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzendiener - ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Liebe Schwestern und Brüder!
Wir sind Christen. Jedenfalls bezeichnen wir uns so. Wir sind getauft und damit aufgenommen in den Leib Christi. Durch Christus und den Heiligen Geist sind wir mit ihm verbunden. Wir sind Erlöste und Glaubende. Wir sind geliebte Kinder Gottes. Das wird uns in der Taufe zugesprochen. Wir gehören zu Gott in die himmlische Gemeinschaft, sitzen mit ihm am Tisch in seinem Reich. Unser Leben ist und bleibt bei Gott geborgen. Von seiner Liebe kann uns nichts trennen.
Oder doch? Lesen wir die Ermahnungen: Unzucht, Habsucht, Unreinheit, schandbare, närrische und lose Reden. All das soll nicht einmal genannt werden, dann stellen wir fest, wenn wir unser Leben genauer betrachten, irgendwann einmal oder auch mehrmals im Leben haben wir gegen diese Mahnungen verstoßen. So ist es leider nun mal, dass wir es nicht ganz lassen können, zu lästern, dummes Zeug von uns zu geben, habsüchtig sein und neidisch, unzüchtig. Lesen wir im Epheserbrief weiter oder anderen Briefen, dann wird da noch viel mehr genannt. Perfekt ist unser Leben nicht. Wir sind und bleiben Sünder solange wir auf der Erde leben.
Also erkennen wir doch den erhobenen moralischen Zeigefinger in unserem Bibelwort, und die Drohung: Du kommst so nicht in Gottes Reich. Oberflächlich betrachtet könnte man unser Bibelwort so verstehen. Wer sich nicht dran hält, für den gilt: Pech gehabt, Erlösung verspielt.
Aber das wäre nicht Christus, das wäre nicht der Glaube, von dem das Neue Testament berichtet und so fassettenreich auslegt. Wo bliebe die Vergebung, wo die Hoffnung, an der auch Paulus festhält? Denn er weiß: (Römerbrief 7,19)
„Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ Wer kann mich erlösen? Christus. Leben in dieser Welt ist mit Fehlern behaftet. Menschen sind Sünder. Vor Gott ist kein Mensch gerecht. Gerade darum starb Christus ja für unsere Sünden am Kreuz, darum hat er uns ja erlöst und uns den Weg zu Gott eröffnet, weil wir sonst nicht zu Gott kommen könnten. Wir sind durch den Glauben mit ihm verbunden. Nur durch ihn ist der Weg in Gottes Reich frei. Gott hat uns lieb, wir sind seine Kinder, seine Erben. Wir sind Kinder des göttlichen Lichtes, durch Christus und Kraft des Heiligen Geistes, der uns zum Glauben führt.
Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Das ist die eigentliche Aufforderung unseres Wortes. Wir sollen uns dem würdig erweisen, was Gott uns geschenkt hat. Wir sollen und können uns mit Jesus auf dem Weg machen, andere Menschen zu werden. Mit seiner Hilfe können wir sein lassen, was wir an Mahnungen lesen.
Das Licht Christi, seine Liebe ist durch ihn in uns angelegt. Seine Vergebung haben wir erfahren, und wir sollen und dürfen und können das Licht Christi weitergeben, weil es durch den Heiligen Geist in uns ist. Es soll durch uns hindurch strahlen in die Welt und so andere Menschen erreichen, die es noch nicht kennen. Aber was wäre das für ein Licht, dass sich der Finsternis bedient? Es ist ein Paradox. Das geht eigentlich nicht.
Das Schlechte, was wir tun würden, würde gegen das Gute sprechen, das wir verkündigen. Darum soll unser Leben dem Licht entsprechen. Auch äußerlich soll zu erkennen sein, was wir sind: Kinder des Lichtes.
Nun muss jeder sehen, wie er ein Mensch wird, der Christi Licht der Liebe ausstrahlt. Bestimmte Sachen und Verhaltensweisen passen nicht dazu. Manche sind uns selbstverständlich zuwider. Bei anderen merken wir, wie sehr wir hineinverwoben sind in unsere Zeit und wie schwer es wäre, das abzulegen. Dummes Gerede zum Beispiel. Wie viel wird im Dorf geschwätzt, wie viel wird dabei Unsinn erzählt. Wie sehr hat es schon Menschen getroffen, wenn sie plötzlich hörten, was da über sie verbreitet wurde? Gerüchte und Halbwahrheiten halten sich lange. Entkräften kann man sie fast nie. Schaden tun sie aber eigentlich immer. Aber es ist auch schwer, sich am Gerede nicht zu beteiligen. Statt dessen sollen wir loben und anderen vergeben, Mut machen und Hoffnung schenken.
Von Habsucht und Neid sind heutzutage die wenigsten frei. Den eigenen Vorteil zu suchen, auch auf Kosten anderer, ist modern. Geiz ist geil. Ein Schnäppchen macht doch jeder gern. Was das für andere bedeutet, die keinen gerechten Lohn mehr bekommen, darüber machen sich nur wenige Gedanken. „Hauptsache ich!“, das passt nicht zum christlichen Leben.
Heute sind viele auf ihren Vorteil bedacht: Wer nimmt schon noch Rücksicht und verzichtet vielleicht sogar einmal auf sein Recht? So aber entsteht eine gespaltene Gesellschaft ohne Miteinander, ohne Gemeinschaft. Die Liebe bestimmt uns nicht, wenn uns andere egal sind.
Die Liebe verbindet uns aber mit Christus und sie sollte auch unser Miteinander bestimmen. Als Kinder Gottes sind wir Brüder und Schwestern, Kinder des Lichts. Es geht nicht darum den moralischen Zeigefinger zu erheben. Schon gar nicht auf diesen oder jenen deuten. Überhaupt sollten wir nicht über andere reden. Meist decken wir damit sowieso nur unsere eigenen Fehler zu. Uns selbst sollen wir beurteilen. Entspricht unser Leben dem, was Jesus von uns will?
Wenn wir dann erkennen, dass wir falsch gehandelt haben, dann soll uns das dazu führen uns zu ändern. Unsere Sünden dürfen wir Gott bringen und ihn auch um Vergebung bitten. Wir können auch gegenseitig um Vergebung bitten und Vergebung zusprechen. Das würde der Liebe entsprechen.
Wenn wir nach dem sehen, was uns geschenkt ist, unsere Augen stets auf den Herren sehn, dann sollte uns bewusst werden, dass wir eben als Kinder des Lichts in dieser Welt leben sollen. Wir können mit Danksagung dieses Licht Jesu empfangen und weitergeben, was Gott uns damit gibt.
Statt uns also mit Schlechtem zu beschäftigen, sollen wir das Gute wecken, das was Gottes Willen und seiner Liebe entspricht. Rücksicht, Vergebung, Fürsorge. Füreinander sollen wir da sein. So danken wir Gott für seine Liebe und dafür, dass er uns in dieser Welt schon das Licht gibt, dass uns bei ihm umgibt: Ein Licht der Hoffnung, der Liebe, der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Ein Licht, das bereit ist, auf andere zuzugehen, das uns bereit macht, dem Weg Jesu zu folgen. Das heißt, vielleicht einmal gegen den Strom schwimmen. Nichts mitmachen oder unterstützen, was der Liebe widerspricht, das kann schmerzlich sein, weil andere uns belächeln. Es kann aber auch befreiend sein und uns neue Möglichkeiten eröffnen sich. Licht sein, das ist eine Aufgabe, die sich nur mit Gottes Hilfe ausführen lässt. Lasst uns also auf ihn sehen und von ihm erbitten und erhoffen, dass er uns gibt, wozu er uns sendet: Licht zu sein in dieser dunklen Welt, um sie zu erhellen durch seinen hellen Schein. Er bleibt an unserer Seite mit seinem Licht.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 28.02.2021
Andacht zum Sonntag Reminiscere
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, unser Gott,
 
du sprichst uns an, weil du uns liebst.
 
Du sagst uns deine bleibende Liebe zu.
 
Aber wir überhören deine Zusage.
 
Unsere Angst ist groß.
 
vor dem Leben und dem, was es mit sich bringt,
 
und vor dem Sterben.
 
Unser Glaube ist schwach, unser Vertrauen klein.
 
Du leidest mit uns und willst uns helfen.
 
Herr, unser Gott, wir bitten dich:
 
Gib uns Gewissheit, wenn uns Zweifel belasten,
 
und halte uns fest und stärke uns,
 
wenn Sorgen uns umtreiben.
 
Lass uns bei dir wir geborgen sein,
 
damit alle Angst weicht.
 
Gib uns die Zuversicht.
 
Wenn du da bist, dann ist uns geholfen.
 
Gib uns Ruhe bei dir, die unser Herz erfüllt.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Jes 5, 1-7:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Das Lied vom unfruchtbaren Weinberg
 
Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg.
 
Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Korruption, Vetternwirtschaft, Unterdrückung, Mobbing, Rechtsbeugung, Reiche werden reicher, Arme ärmer, das Recht liegt beim Starken. Der kleine Mann, kann sehen wo er bleibt. Das sind alles keine neuen Erfindungen. Das gab es schon immer. Wo Menschen sind gibt es Betrug und Streit. Da bereichern sich manche auf Kosten anderer. Da wird getrickst und der Vorteil gesucht, wo es nur geht.
 
Jeder will ein Stück vom Kuchen, manche sichern es sich mit allen Mitteln.
 
Das das nicht gut ist, wissen wir alle, und doch sind wir daran beteiligt. Gerne schimpfen wir auf andere und sehen den eigenen Anteil nicht all zu gern.
 
Schon gar nicht möchten wir, das uns einer darauf anspricht. Die Mächtigen erlassen dafür Gesetze. Je totalitärer desto rigoroser, werden die Kritiker bestraft. Die Meinungsäußerung unterdrückt.
 
Manche anderen versuchen, weil sie vor den Konsequenzen Angst haben, ihre Fehler unter den Teppich zu kehren, wie jetzt in Köln gesehen. Und mancher Politiker und manche Politikerin hält sich im Amt, obwohl er oder sie wirklich manches verbockt hat. (PKW Maut, KSK-Munition,…)
 
Da aber Kritik manchmal nicht einfach zu äußern ist, nutzt man andere Mittel.
 
Ein solches hat auch Jesaja genutzt, als er das sogenannte Weinberglied sang, das wir eben gehört haben.
 
Es beginnt als Liebeslied. Ein Lied, wie es zu Hochzeiten gesungen wird. In Israel war der Weinberg ein Symbol für die Frau.
 
Fröhlich fängt es an. Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg.
 
Wie ein Bräutigam für eine Braut. So hat der Weinbergsbesitzer alles für ihn getan. Er hat auf gutem Boden edle Reben gepflanzt, hat ihn zum Schutz mit Mauer und Turm versehen. Er hegt und pflegt ihn, hat eine Kelter gebaut. Es ist alles bereit für die gute Ernte.
 
Ja, so sorgt man sich um seine Liebste, kauft Kleider und Schmuck, umsorgt und hegt sie. Wer eine Frau erobern will, muss schon einiges investieren.
 
Soweit ist das ein fröhliches Lied. Aber dann kommt die Enttäuschung. Es hat alles nichts gebracht. Saure Trauben erntet der gute Weinbergsbesitzer. Die Enttäuschung ist groß. Alles Tun war umsonst. So lässt er den Weinberg vergammeln, ja verwüstet ihn. Das sollte man mit seiner Angebeteten auf keinen Fall machen. Man sollte Respekt vor der Entscheidung haben.
 
Soweit wäre es noch ein Liebeslied, wenn auch über enttäuschte Hoffnungen.
 
Ja, denkt jeder, so ist das mit der Liebe.
 
Doch dann nimmt der Prophet die Israeliten in den Blick. Der Weinberg, das ist Israel und der Weinbergsbesitzer, das ist Gott. Was hat er nicht alles für sie getan? Er hat Abraham erwählt, die Erzväter geführt, in Ägypten in der Hungernot bewahrt, sie durch Mose aus Ägypten geführt. Er hat sein Volk bewahrt in der Wüste, ihnen seinen Willen offenbart, ihnen Gesetz und Gebote gegeben, sie in ein Land geführt darin Milch und Honig fließt. Sie vor Feinden immer wieder bewahrt. Er liebt sein Volk, hat alles für sie getan. Aber sie hören nicht auf ihn. Eine Liebe wird nicht erwidert, seine Fürsorge mit Füßen getreten. Sie bringen saure Trauben, keine gute Frucht. Anstatt in seinem Namen für Recht zu sorgen, wird das Recht gebrochen, anstatt das Gerechtigkeit herrscht, wird Schlechtes getan. Statt Rechtspruch Rechtsbruch, statt Gerechtigkeit Schlechtigkeit.
 
Gott sagt seinem Volk damit das Gericht an, die Verheerung und der Untergang des Reiches stehen bevor. Der Weinberg Israel wird verwüstet. Weil sie Gottes Gebot nicht folgen, gehen sie in den Untergang.
 
Heute ist es verpönt von der Strafe Gottes zu reden. Aber mancher denkt sich, dass diese Pandemie auch zur Strafe gekommen ist, zum Hinweis, dass wir Menschen über unseren Lebenswandel mal wieder nachdenken müssen, und uns ändern müssen.
 
Wir sind gestoppt worden. So weiter wie bisher wird es nicht gehen. Wir haben nicht auf Gott gehört, seiner Liebe nicht geglaubt, sein Gebot, das uns schützen soll, nicht befolgt. Die Schöpfung haben wir vergiftet. Der Klimawandel ist von uns gemacht. Die Resistenzen gegen Antibiotika ist durch zu viel Einsatz, auch in den Zuchtbetrieben, mit ausgelöst. Das Geld regiert die Welt. Der Egoismus macht sich breit. Nicht nur mancher Politiker denkt nur an seinen Gewinn. Die Verbreitung der Pandemie wird auch durch Unachtsamkeit und Egoismus befördert. Wir haben einen Dämpfer bekommen. Ob das eine Strafe Gottes ist? Oder strafen wir uns selbst, weil das, was Gott sagt, viele nicht mehr interessiert oder manche sich das Wort so hindrehen, wie es ihnen passt.
 
Wie man die Zerstörung unserer Erde noch religiös rechtfertigen kann, bleibt mir ein Rätsel und den, der es vorantrieb, auch noch als Gottes Werkzeug bezeichnen kann, wird mir nie einleuchten. Wie man in einer Kirche rechtfertigen kann, dass Missbrauchsopfern nicht Gerechtigkeit widerfährt, das ist doch nicht zu verstehen. Ja, es gibt diese Missbrauchsfälle, aber die gehören benannt und auch bestraft und nicht kirchenintern wieder verschwiegen.
 
Und auch dass jetzt der Tarifvertrag für die Pflegekräfte ausgerechnet an der Zustimmung des Caritasverbandes scheitert, der sich doch eigentlich für eine gerechte Bezahlung einsetzen müsste, ist ein Skandal.
 
All das ist aber nichts Neues. Das oder ähnliches haben sie damals auch schon gemacht. Damals, zu Jesajas Zeiten, sagte Gott seinem Volk das Gericht an. Sollte er heute schweigen?
 
Es ist dir gesagt, was gut ist und was der Herr dein Gott von dir fordert. Wir wissen es eigentlich.
 
Liebe, sollen wir üben, denn Gott hat uns seine ganze Liebe geschenkt. Er hat alles dafür getan, dass wir zu ihm kommen können. Er hat sogar unsere Sünde auf sich genommen. Jesus Christus hat das Kreuz erduldet und den Tod überwunden. Durch ihn sind wir erlöst und uns ist das Ewige Leben geschenkt. Da bleibt nicht, was uns trennt von unserem Gott. Wir müssen ihm nur noch das Vertrauen entgegenbringen, dass er alles für uns getan hat und tut. Wir sind und bleiben in seinen Händen. Wir sollten dankbar sein für seine Gnade, die er uns jeden Tag in seiner Liebe schenkt. Für seine Bewahrung auch in dieser Zeit. Für alles Leben, was möglich ist. Für Trost in schweren Zeiten, Kraft, wenn wir schwach werden, seine Hilfe, wenn wir nicht mehr alleine zurechtkommen.
 
Dankbarkeit zeigt sich darin, Gottes Wort ernst zu nehmen und in Verantwortung vor ihm unseren Lebensweg zu gestalten. Wir sollten seinem Weg der Liebe folgen. Selbst lieben, anderen Leben ermöglichen. Für das Wohl aller eintreten. Dem Schwachen helfen, den Notleidenden unterstützen. Nicht Schlechtigkeit, sondern Gerechtigkeit sollte unser Handeln bestimmen. Statt Rechtsbruch sollte es uns darum gehen, jedem sein Recht zuzugestehen und zum Recht zu verhelfen. In der Liebe schauen wir weg von uns auf den anderen hin. Was können wir tun, was Gott gefällt? Das sollen wir umsetzen und nicht zögern. Folgen wir Gott, wird der Weinberg auch blühen und gute Frucht bringen, Früchte der Liebe der Gnade und Barmherzigkeit. Wenn wir Gott unser Leben bestimmen lassen, folgt nicht Gericht oder Untergang, sondern Leben hier auf dieser Erde und in seiner Gegenwart auch in Ewigkeit. In seinen Händen dürfen wir ruhen und jetzt schon unsere Hände füllen lassen von seiner Liebe. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 21.02.2021
Andacht zum Sonntag Invokavit
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, Du zeigst uns dein Heil.
Durch Jesus Christus hast du dich mit uns verbunden.
Du bist unsere Hilfe und unser Trost.
Doch manchmal zweifeln wir auch,
werden unsicher, hören auf die Stimmen,
die unsere Zweifel nähren
und uns in die Versuchung führen wollen,
ohne dich zu leben.
Manches bringt uns weg von dir.
Hilf uns zu widerstehen.
Stärke uns im Glauben.
Erinnere uns an dein Wort.
Ermutige uns, treu bei dir zu bleiben.
Hilf uns, der Versuchung zu trotzen.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Joh. 13, 21-30 Neue Genfer Übersetzung:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Danach erklärte Jesus, bis ins Innerste erschüttert: »Ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten.« Die Jünger sahen sich bestürzt an; sie konnten sich nicht denken, von wem er sprach. Der Jünger, den Jesus besonders liebte, hatte bei Tisch seinen Platz unmittelbar an Jesu Seite. Simon Petrus gab ihm durch ein Zeichen zu verstehen, er solle Jesus fragen, von wem er gesprochen habe. Da lehnte sich jener Jünger so weit zu Jesus hinüber, dass er ihn ´unauffällig` fragen konnte: »Herr, wer ist es?« – »Ich werde ein Stück Brot in die Schüssel tauchen«, antwortete Jesus, »und der, dem ich es gebe, der ist es.« Er nahm ein Stück Brot, tauchte es in die Schüssel und gab es Judas, dem Sohn von Simon Iskariot. Sowie Judas das Brotstück genommen hatte, ergriff der Satan Besitz von ihm. Da sagte Jesus zu Judas: »Tu das, was du vorhast, bald!« Keiner von denen, die mit am Tisch waren, verstand, weshalb er das zu ihm sagte. Da Judas die gemeinsame Kasse verwaltete, dachten einige, Jesus habe ihm den Auftrag gegeben, das einzukaufen, was für das Fest nötig war, oder er habe ihn angewiesen, den Armen etwas zu geben. Als Judas das Brot gegessen hatte, ging er sofort hinaus. Es war Nacht.
Liebe Schwestern und Brüder!
Verräter! Das Urteil ist schnell gefällt. Judas! Wie kann er nur? Er ist zum Sinnbild für alle Verräter geworden. Für alle, die die Seiten wechselten, für alle, die nicht treu blieben. Ein Judas, das ist einer, der seine Kameraden verrät, der ihnen in den Rücken fällt.
Solche Menschen sind uns unsympathisch. Mit so einem will keiner zu tun haben.
Ja, Judas war ein Verräter in den eigenen Reihen. Ja, er hat die Schergen dann zu Jesus geführt. Ja, er hat für Geld den Herrn ausgeliefert. Er war der Helfershelfer, der es möglich machte, dass Jesus verhaftet, verurteilt und dann gekreuzigt wurde.
Der Satan hat ihn verführt oder war in ihn gefahren, wie es im Bibelwort heißt. Der Versucher selbst hatte Besitz von ihm ergriffen und führte ihn auf den Weg, den er gehen sollte.
So wie der Versucher bis heute Menschen verführt, sich auf eine andere Seite zu schlagen. Der Teufel, der Satan, der Gegenspieler, der jeden versucht von Gott wegzubringen, bei Judas ist es ihm gelungen. Judas hatte scheinbar nichts entgegenzusetzen.
Was verführt Menschen bis heute? Es sind die Menschen, die ihnen nach dem Mund reden, oder die zumindest die Argumente verstärken, die Menschen zu Verrätern machen. Stimmt, das was da gesagt wird? Sie säen Zweifel und Ängste. Vielleicht hatte auch Judas Zweifel, dass Jesus der richtige Christus ist. Vielleicht hatte er anderes, besseres erhofft, dass Jesus eine Armee sammelt, die Römer vertreibt, die Hohenpriester zurechtweist. Muss der Messias nicht auch weltliche Macht haben? Haben die Propheten nicht auch vom König gesprochen, der regieren wird?
Zweifel an Jesus, die gibt es bis heute. War er wirklich der verheißene Retter? Auch Johannes der Täufer hatte nachfragen lassen. Ja, es gab Zeichen und Wunder, aber zumindest Judas war am Ende nicht ganz so überzeugt. Oder er wollte eben mehr. Vielleicht wollte er Jesus zwingen, nun seine Macht zu zeigen. Zu spät merkte er dann, was er da angerichtet hatte. Wie so mancher, der bis heute zum Verräter wird. Der Versucher hat die Macht, uns vom rechten Weg und vom Glauben abzubringen, Zweifel zu verstärken, Anfragen übergroß werden zu lassen, sodass auch wir Menschen und auch Jesus verraten.
Wie ging Jesus mit Judas um?
Er war erschüttert, im Innersten verletzt. Wie konnte es sein? Ausgerechnet einer, der doch die ganze Zeit bei ihm war, der ihn besser kannte, der mit ihm gezogen war, ausgerechnet einer von ihnen. Aber Jesus verurteilte Judas nicht. Er warf ihn nicht gleich hinaus. Judas durfte bleiben und am Mahl teilnehmen, das Brot noch essen. Judas hatte einen Platz am Tisch des Herrn, trotz dass er zum Verräter wurde. Auch von Petrus und dem Lieblingsjünger hören wir keine Proteste oder lautes Geschrei, nachdem sie erfahren hatten, dass Judas der Verräter wäre.
Die Frage, die sich die Jünger stellten, ist doch interessant: Wer ist es? Trauten sie es allen zu, bzw. auch sich selbst? Keiner scheint davor gefeit, sich von Jesus abzuwenden. Petrus hat ihn verleugnet. Nach der Verhaftung sind sie alle geflohen. „Verflucht ist, wer am Holz hängt“, steht doch im Gesetz. Viele seiner Anhänger werden ihn nach der Kreuzigung verlassen haben. Mancher war voller Zweifel: „Sind wir dem Falschen gefolgt?“, fragen die Emmaus-Jünger. Nach Ostern herrschten auch unter den Jüngern noch die Zweifel.
Verraten haben ihn im Laufe der Jahrhunderte viele. Da war anderes wichtiger. Das Geld, die Familie, der Ruf, das eigene Leben. Nicht jeder wurde zum Märtyrer. Mancher hat in der Verfolgung abgeschworen. Ja, mancher hat andere Christen den Gerichten ausgeliefert. Verräter, Judasse, gab es immer.
Jesus lässt Judas am Mahl teilnehmen, erst am Ende fordert er ihn auf, seinen Verrat bald zu tun. Und nach dem Mahl verlässt er die Runde.
Aber er hat auch seine Rolle im Geschehen. Denn der Weg ans Kreuz musste gegangen werden. Jesu Opfer am Kreuz musste geschehen. Auch der Verrat hat seinen Platz im Heilsgeschehen. Böse gedacht, aber doch führt er letztlich zum Segen, denn erst durch Jesu Tod und Auferstehung, ist der Weg vollendet. „Es ist vollbracht!“, ruft Jesus bei Johannes am Kreuz. Die Sünde wird überwunden und das Leben hat seinen Sieg errungen. Denn der Herr schenkt Vergebung und neues Leben in der Ewigkeit. Der Weg zum Vater wird durch ihn geöffnet und der Platz wird durch ihn im Himmelreich bereitet, an dem wir Heimat und Ruhe finden für unsere Seele. Jesus Weg ans Kreuz musste zu unserem Heil geschehen.
Und doch ist der Verräter verdammt, denn nur wer sich zum Herrn bekennt, wird selig werden. Nur wer auf Jesus vertraut, wird zum Heil gelangen. So schließt der Verräter sich selbst aus. Die Abkehr vom Herrn ist die Abkehr vom Heil. Das Urteil spricht sich der Verräter selbst. Der Versucher hat sein Werk an ihm vollendet.
Wie können wir dem Versucher widerstehen? Wie gelingt es uns, nicht in die Falle zu tappen? Indem wir der Finsternis das Licht entgegensetzten, der Versuchung den Zuspruch, dem Zweifel die Gewissheit, dem Teufel unseren Gott. Wie Jesus dem Versucher widerstand – wir haben die Geschichte gelesen – so können auch wir dem Versucher entgegentreten. Der Versucher verspricht viel, aber halten kann er nichts. Denn der wirklich zum Leben hilft, das ist unser Gott. Das Brot, das was zum Leben dient, kommt allein aus seiner Hand und die Macht, die der Satan verspricht, kommt letztlich auch nur von Gott. Das Leben kann nur der Herr erhalten, den Schutz des Lebens kann nur Gott bewirken. Der Satan verspricht nichts, worüber er wirklich Macht hat. Er täuscht und trickst. Wir aber wissen, unser Gott allein, hat alles in der Hand. Wer fest im Glauben steht, weiß, dass keine Macht größer ist, als die des Herrn. Wer den Zuspruch kennt, wird sich nicht so leicht verführen lassen. Aber wir brauchen den Zuspruch immer wieder neu. Wir müssen ihn uns gesagt sein lassen, bekräftigt und bestärkt durch den Herrn selbst und sein Wort, können wir widerstehen.
Was will der Satan uns bieten, dass wir nicht durch Gott schon hätten. In allen Sorgen und Nöten, in allen Ängsten und Zweifeln, kann uns nur die Gewissheit retten, dass wir in Gottes Hand sind und bleiben. Gerade in diesen Zeiten ist das wichtig. Wir können noch so viel tun, Abstand, Masken, Impfen, Vorsicht, doch der Weg und erst recht der letzte Weg liegt in Gottes Händen. Das Leben hat er gegeben und es kehrt zurück in seine Hände. Gott steht zu seinem Wort. Seine Hilfe ist gewiss. Vertrauen wir ihm, gehen wir nicht verloren, sondern werden durch Jesus Christus das Heil erlangen in Ewigkeit.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 14.02.2021
Andacht zum Sonntag Estomihi
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, du bist unsere Burg,
unsere Hilfe, unsere Rettung.
Bei dir finden wir Trost und Hoffnung.
Auch in schweren Zeiten bist du bei uns.
Du hast selbst Leid und Tod auf dich genommen.
Um uns zu retten, bist du in den Tod gegangen
und hast durch deine Auferstehung
uns das Leben geschenkt,
das ewig bei dir geborgen bleibt.
Mit dir sind und bleiben wir verbunden.
Wir danken dir dafür und bitten dich,
Segne uns, dass wir deinem Wort vertrauen,
und unser Leben in deine Hände legen.
Hilf uns zu hören und zu werden, wie du uns willst.
Gib deinen Heiligen Geist, damit wir dir folgen
und so unsere Dankbarkeit zeigen.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Jes 58,1-9a:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Falsches und rechtes Fasten
Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei. »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst's nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.
Liebe Schwestern und Brüder!
Die Zeit vor Ostern bezeichnet man ja auch als Fastenzeit. Viele Menschen nutzen sie. Manche folgen den Vorschlägen von Fastenkalendern oder haben seit Jahren den Blick auf die Aktion „7 Wochen ohne“. Eine Aktion hat dieser Tage zum Klimafasten aufgerufen. Das ist alles gutgemeint und gut gemacht, hat aber mit dem, was Jesaja in unserem Abschnitt kritisiert, nur am Rande zu tun.
Die Menschen, die zur Zeit Jesajas fasteten, wollten etwas von Gott. Er sollte sie retten, denn es standen Feinde vor den Toren der Stadt. Gott sollte helfen, die Feinde vertreiben und sich als mächtiger Gott zeigen.
Heute fastet wohl keiner mehr, um Gott gnädig zu stimmen, oder seine Hilfe zu erflehen. Aber die Frage, die damit im Raum steht, die ist heute genauso modern, wie damals. Warum hilft Gott nicht? Warum bringen die Gebete, das Fasten und Flehen nichts? Auch in unserer Zeit rufen Menschen Gott an, damit er sie rette, erlöse, heile, ihnen helfe.
Vor ein paar Jahren hieß es in einem Lied von der Gruppe BAB „ Ja, wenn das Bete sich lohne dät, was glöbste dann, was ich dann bete dät.“ (Wenn das Beten sich lohnen würde, was glaubst du, was ich dann beten würde.) Auch in dieser Liedzeile steckt die Kritik drin: Das Beten nutzt doch nichts, Gott reagiert ja doch nicht.
Ist das wirklich so? Oder hat Gott vielleicht einen Grund?
Die Menschen zur Zeit Jesajas forderten Gottes Antwort ein. Als hätten Sie ein Recht auf seine Gegenwart. Sie wunderten sich, dass er nicht hörte, obwohl sie fasteten, und nichts von ihnen wissen wollte, obwohl sie sich quälten?
Da steckt schon mal der erste Fehler drin, dass sie Gott zum Erfüllungsgehilfen ihrer Wünsche machten. Gebetsautomat. Ein ordentliches Gebet hinein, eine gute Hilfe kommt raus. Sie meinten, das muss so sein. Ein Opfer hier, eine kleine Spende dort, eine Selbstaufopferung hier, eine Bußübung dort und schon ist Gott gnädig. Martin Luther, dessen Auftreten vor dem Reichstag zu Worms sich dieses Jahr zum 500. Mal jährt, hat genau das an der Praxis seiner Kirche kritisiert. „Eine Münze im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt“ wird seinem Gegner Tetzel in den Mund gelegt. Automatische Sündenvergebung, wenn du dafür bezahlst. So geht das aber nicht. Gott lässt sich nicht zwingen. Vergebung lässt sich nicht kaufen.
Gottes Gnade kostet kein Geld. Niemand muss Jesus erst bezahlen, damit er für ihn am Kreuz stirbt. Das macht er freiwillig für uns. Er zeigt darin seine Liebe und Gnade. Er hat damit alles getan, was notwendig ist, um uns zu retten. Sünde und Tod sind überwunden, allein durch Christus, allein aus Gnade. Darin besteht die Rettung.
Doch kommen wir zurück zu Jesaja. Auch damals ließ sich Gott nicht zwingen. Aber er hatte dazu auch Gründe. Denn eigentlich nahmen sie ihn gar nicht ernst. Im Gebet und Fasten waren sie inbrünstig aber im Handeln egoistisch und lieblos. In ihrem Alltag spielte Gott gar keine Rolle. Die Geschäfte liefen wie eh und je, die Arbeiter bekamen nicht ihren gerechten Lohn, wurden unterdrückt . Sie stritten miteinander, waren böse aufeinander und miteinander, da gönnte keiner dem anderen etwas. Es war einfach ein schlechtes Miteinander und wenn einem was nicht passte, flogen die Fäuste.
Ich meine, das klingt fast wie heute und hat bei uns zugenommen. Ich empfinde viele Diskussionen als Neiddebatten. Wer bekommt zuerst den Impfstoff? Wer hat was verdient? Wer bekommt welche Hilfen? Welche Lockerungen? Warum darf der, und ich nicht? Ich will aber… Schuldzuweisungen: Die Politiker sind schuld. Ich möchte zurzeit nicht in deren Haut sein. Jeder meint es besser zu wissen. Manches ist nicht geregelt und mancher versteht die Regelungen nicht. Gut, so was gab es aber auch noch nie. Seien wir mal realistisch: wir bekommen es doch selbst selten hin, alles immer richtig zu machen. Es ist einen enorme Aufgabe, da werden auch Fehler gemacht und nicht immer gleich an alles gedacht.
Aber heute meinen viele, wenn ihnen etwas nicht passt, dann haben sie das Recht, alles zu tun, um ihre Meinung durchzusetzen. Manche schreiben Emails mit Drohungen oder setzen sie sogar in die Tat um. Das Recht der Faust scheint leider immer mehr zu dominieren, nicht die Vernunft. Wer lauter schreit, ist aber nicht immer im Recht.
Das alles hat auch mit christlichen Werten nichts zu tun. Draufhauen hat noch nie geholfen und hat auch nichts mit der von Gott geforderten Barmherzigkeit zu tun. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist, heißt es in der Jahreslosung. Liebe fordert Gott von uns.
Wer jedenfalls permanent Gottes Willen missachtet, im Alltag vergisst, was Gott fordert und nicht bereit ist auch Fehler zu vergeben, der muss sich auch nicht wundern, wenn Gott nicht unbedingt erfreut ist, und nicht tut, was wir fordern. Damals wie heute, Gnade kann man nicht einfordern. Sie ist kein Automatismus.
Aber Gott eröffnet bei Jesaja auch den Weg, der zum Heil führt, zur Gegenwart Gottes.
Verzichtet auf das, was Gottes Willen widerspricht, das wäre das richtige Fasten. Barmherzigkeit, Geduld und Rücksicht wären der richtige Weg. Sich zurückstellen. Es kann nun mal nicht jeder der erste sein beim Impfe. Seien wir froh, dass es nicht wie früher 10 Jahre gedauert hat.
Lass los, die du unterdrückst. Gib frei, denen du Unrecht antust. Schaut auf die Beziehungen, in denen es nur noch um Macht geht, statt den Menschen zu sehen. Nicht um dein Recht kämpfe, sondern um das anderer. Fang bei dir selbst an. Wo zählt nur dein Wille, statt auf andere zu hören? Wo zählt nur dein Ego und nicht der andere? Wo herrschst du mit Gewalt, statt Rücksicht zu nehmen? Bestehst auf dein Recht statt, das des anderen?
Schaut auf die Bedürftigen, die Notleidenden, die die eure Hilfe brauchen. Helft, wo ihr könnt zum Leben, steigert eure Liebe, eure Barmherzigkeit. Stellt euch zurück. Denn so würden wir Gottes Willen ernst nehmen und erfüllen. Dieses Handeln würde unsere Dankbarkeit zeigen, für Gottes Gaben und seine Gegenwart in unserem Leben, denn er ist da. Seine Gnade lässt nicht von uns. Jesus hat uns seine Gegenwart zugesagt. Er ist da. Wir sollen ihn ernst nehmen, bei seinem Wort, dann erfahren wir auch seine Nähe und seine Hilfe. Wir können ihn nicht zwingen, nicht gnädig stimmen, aber wir brauchen es auch nicht. Jesaja weist uns den Weg zu ihm.
Wenn wir tun, was erfordert, dann erfahren wir auch seine Herrlichkeit, Licht auf unseren Wegen und Gerechtigkeit um uns herum, wenn viele tun, was Gott fordert, ist vielen geholfen. Denn wenn jeder nur an sich denkt, ist eben nicht an jeden gedacht. Erst wenn jeder an den anderen denkt, wird die Hilfe sichtbar werden. Gott antwortet dem, der seinem Weg folgt, der Liebe, der Barmherzigkeit, der Gnade und der Rücksicht. Wir müssen Gott nicht durch Fasten oder irgendetwas anderes gnädig stimmen. Wir müssen seine Gnade erst nehmen und danach leben. Dann zeigt er sich auch in unserem Leben.
Kommen wir noch mal auf die angesprochene Fastenzeit zurück. Gutes christliches Fasten (Ich rede nicht von Schlankheitskuren o.a.) sollte nicht einem selbst, sondern anderen dienen. Er soll Gottes Wirken unterstützen. Fasten heißt, Verzicht um anderer willen, auch um der Schöpfung willen, um Gott zu danken. Dann sind wir auf dem Weg zu ihm. Und er ist bei uns. Amen.
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 07.02.2021
Andacht zum Sonntag Sexagesimae
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, danke für dein Wort,
danke, dass du dich hören lässt.
Danke für deine Weisungen und Gebote.
Wir bekennen, dass wir dir nicht immer folgen,
dass wir deine Wege gehen.
Vergib uns und führe uns.
Öffne unsere Ohren und Herzen,
damit wir dein Wort aufnehmen und verstehen.
Lass dein Wort wirken,
damit wir deinen WEg gehen können.
Erfülle uns mit deinem Geist und deiner Liebe.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Hebr 4, 12-13:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
 
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Haben sie schon einmal auf diese alte Weise gesät? Vielleicht haben sie zumindest die Älteren unter uns schon einmal gesehen? Wenn ein Bauer mit einem Tuch oder einer Schale um den Bauch über das Feld geht und seinen Samen ausstreut. Sicher versucht er sein vorbereitetes Feld zu treffen, aber auch jede Ecke auszunutzen, so bleibt es nicht aus, dass einiges über das Feld hinausfällt, das lässt sich nur schwer vermeiden. Auf dem Weg wird es zertreten oder aufgelesen von den Vögeln. Selbst auf den Feldern wird eine Menge gefressen. Und auf dem Felsen wird es vertrocknen, wo es keine Wurzeln bilden kann. Unter den Dornen kann es nicht groß werden. Sie nehmen ihm Licht und Nährstoffe. Aber die Masse des Saatgutes wird doch aufgehen und Frucht bringen.
 
So ganz anders scheint es in unserem Gleichnis zu sein. Großzügig sät hier der Sämann aus. Er scheint fast keinen Unterschied zu machen zwischen Weg, Steinen, Dornen und Feld. So einen Bauern würden echte Landwirte wohl belächeln, der so großzügig mit seinem Samen umgeht, geradezu mit seinem Saatgut um sich wirft, als gelte es gar kein Feld zu bestellen.
 
Aber der Sämann unseres Gleichnisses scheint recht zu behalten, die Ähren auf dem Feld tragen ein Vielfaches des Verlustes, mehr als ein Landwirt auf Erden je erwarten dürfte.
 
Und trotzdem hat er doch nach unseren Maßstäben Samen vergeudet. Er hätte sparen können mit seinem Saatgut, übrig gehabt für andere Felder, oder für ein gutes Brot.
 
Wenn Jesus dieses Gleichnis erzählt, dann will er auf etwas im Reich Gottes aufmerksam machen, was versteckt hinter dieser Geschichte liegt. Wir hören, wie er sein Gleichnis, bei Lukas ausgelegt hat:
 
Lk 8,11-15: Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
Jesus vergleicht den Sämann mit Gott und den Samen mit Gottes Wort. Und schon kann uns deutlich werden, wie großzügig Gott ist. Er sät sein Wort großzügig aus über alle Menschen. Was uns so paradox erschienen war, dass der Sämann geradezu verschwenderisch ist, hat hier seinen Grund. Zu jedem soll die frohe Botschaft kommen. Jedem gilt die Zusage Gottes, seine Nähe, seine Liebe, sein Erbarmen. Da wird kein Unterschied gemacht, wie steinig der Acker auch sei, wie weit die Menschen von ihm auch entfernt scheinen, ob sie ihn aufnehmen wollen oder nicht. Zu jedem kommt die gute Gabe Gottes, sein Wort, seine Botschaft der Liebe und Versöhnung. Er schenkt allen, was er zu geben hat, Vergebung der Sünden, einen Neuanfang in Christus und die Gemeinschaft mit Gott im Leben und im Tod, ewiges Leben in Gottes Gegenwart.
 
Nun hat man lange dieses Gleichnis so ausgelegt, dass man danach fragte, wer ist wie der Weg, wer wie die Felsen oder wer wie die Dornen und hat Menschen abqualifiziert und verurteilt?
 
Aber während der Vorbereitung fiel mir auf: Eigentlich trifft jeden von uns jeden dieser Bereiche immer wieder mal im Leben.
 
Wie schnell ist man bei den Dingen des Alltags. Wie vielfältig sind heute die Meinungen und Positionen. Wir lesen und hören scheinbar ansprechendes als das Wort Gottes, in Zeitschriften, im Fernsehen oder im Internet. Wir lassen uns Ratschläge erteilen und bilden uns Meinungen. Wir handeln nach anderen Maßstäben als denen der Heiligen Schrift. Wie oft verlassen wir den Weg der Liebe, der Wahrheit und des Lebens? Schnell ist Gottes Wort vergessen, wenn es um Politik geht oder wenn es um wirtschaftlichen Vorteil, beruflichen Chancen, Profit geht. Mancher macht das eigene Wohlergehen und die eigenen Interessen zum Maßstab des Handelns und vergiss dabei die der Mitmenschen. Manches Schlechte wird manchmal sogar noch als Gottes Wille dargestellt. Wir alle kennen Beispiele aus der Geschichte. Kreuzzüge, Apartheit in Südafrika und der Rassismus in Amerika.
 
Der Teufel kennt schon die Schliche, wie er uns von Gott und seinem Wort wegbringt. Wir stehen täglich in der Gefahr, nicht mehr nach ihm zu fragen.
 
Auf dem Weg des Lebens gibt es nur einen Weg und das ist Jesus Christus, allein auf seinem Weg bringt das Wort auch Frucht.
 
Zum zweiten fällt das Wort auf Felsen und vertrocknet, weil es keine Wurzeln hat. Auch diese Christen kennen wir. Vielleicht steckt da auch etwas in uns. Aus Euphorie und Begeisterung muss der Glaube alltagstauglich werden. Wenn Menschen vom Kirchentag kommen oder von einer tollen Freizeit und gute Erfahrungen mit dem Glauben gemacht haben, dann ist die Begeisterung zunächst groß. Gott ist super, und toll. Das Leben ist gut und schön, und alles so einfach. Dankbar und jubelnd erleben wir sie. Ja, sie stecken mit ihrer Freude auch andere an. Da ist nichts gegen zu sagen. Aber schnell ist die Begeisterung verflogen, wenn der Alltag uns wieder einholt und jeder Tag wieder neue Herausforderungen bringt. Glaube will gepflegt und erhalten sein. Tägliches Bibellesen, Gebete, Kirchgang, die Gemeinschaft in der Gemeinde, all das brauchen wir, damit die Zusage Gottes nicht verloren geht. Sonst ist bald der Glaube vergessen und mancher denkt: Ja, da war mal was, aber lange ist es her.
 
Ich glaube, Gott kann aber selbst aus dem felsigsten Untergrund noch einen Samen wachsen lassen. Ist er nicht der Fels in unserem Leben? Kann er nicht aus Steinen Brot machen? Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.
 
Wie gesagt, Glaube muss alltagstauglich werden, auch in den Niederungen tragen, wenn nicht nur eitel Sonnenschein ist. Und schon sind wir bei jenen, denen die Dornen das Leben erschweren. Wir alle kennen Menschen, die harte Schicksalsschläge ertragen und erdulden mussten, die ihnen das Glauben schwer machten. Oder Menschen, die mit den Belastungen des Alltags nur schwer fertig werden. Lasten zu tragen, ist ja nicht einfach. Gerade auch in der jetzigen Krise ist es schwer, am Glauben festzuhalten. Alles ist anders geworden.
 
Manche hatten in ihrem schönen Leben ganz vergessen, wem sie dieses Leben zu verdanken haben. Sie meinten, alles ganz von sich aus erreicht zu haben. Gott spielt im Leben keine Rolle mehr. Es war alles zu selbstverständlich.
 
Ob Positives oder Negatives. Es kann uns wegbringen von Gott.
 
Aber sagt Jesus nicht zu, dass er unsere Lasten tragen will und hat er nicht auch den Reichen sein Reich angeboten? Für uns hat er die Dornenkrone getragen und damit auch den Dornen die Stirn geboten. Allem, was uns von Gott abhalten will, hat er sich entgegengestellt. Den Versuchungen, den Oberflächlichkeiten, den Belastungen und Überforderungen wie den Freuden und Überheblichkeiten des Lebens hat er die Macht gebrochen, weil er seine Liebe und Gegenwart dagegensetzt. Darum bleibt die Hoffnung, dass das Samenkorn aufgehen kann zu seiner Zeit.
 
Wir alle tragen Felsen, Weg und Dornen in uns, aber auch ein gutes Ackerfeld, auf dem Gottes Wort aufgehen kann und Frucht bringt.
 
Wir finden diesen vierfachen Acker in uns selbst zu unterschiedlichen Zeiten, mit unterschiedlichen Aspekten und Intensitäten, Gottes Wort, sein zarter Same, findet je nachdem unterschiedlichen Boden, auf den er fallen kann.
 
Wir entsprechen nie rein einer Sorte Boden, um im Bild zu bleiben. Ich will dazu ein Beispiel erzählen.
 
Wenn man an einem Feld entlang geht, so findet man am Feldrand meist schöne Blumen, und auch manche Sorte Gras. Wenn man aber genauer hinsieht, so findet man die Ähren des Korns auch im Feldrand wachsen und Frucht bringen.
 
Und auch in den Felsen der Gebirge, in den Ritzen und Spalten finden Pflanzen Nahrung und Halt, in manchen Wüsten sammelt sich gerade im Felsen das Wasser.
 
So wird Gottes Samen auch bei uns immer fruchtbaren Boden finden. Vielleicht ist mehr davon in uns, als wir ahnen. Vielleicht ist unser eigener Acker so durchmischt, dass man fast nicht unterscheiden kann. Gott aber streut weiterhin seinen Samen auf unser Feld. Er streut ihn überallhin, damit sich sein Wort festsetzen und fruchtbaren Acker finden kann bei jedem Menschen. Darum muss er so verschwenderisch sein. Denn ein Korn des Samens genügt, ein kleines Plätzchen, an dem es wachsen kann. Hundertfach trägt die Ähre Frucht, die auf dem guten Boden fällt. Sie macht den Ausfall wett, der doch scheinbar so vergeblich gestreut war. So wächst auch in uns die Saat manchmal lange im Verborgenen und bringt doch ihre Frucht. Mancher entdeckt dann den kleinen Halm der Hoffnung in seinem Leben.
 
Das kann uns trösten und uns Hoffnung machen. Gott wird dafür sorgen, dass seine Saat guten Boden findet. Jesus sagt am Ende seiner Erklärung: Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.
 
In Geduld bringen die Frucht, die das Wort hören und behalten. Geduld ist angebracht, nicht übereilte Aktivität, die in blindem Aktionismus endet, nicht verzagen, und die Hände in den Schoß legen, sondern Geduld. Mit dem Sämann den Samen aussäen, mit Herzen, Mund und Händen bekennen, glauben, vertrauen und handeln. Die Liebe leben und sie weitergeben in Geduld. Das Wort Gottes wird seinen Weg finden, wird auch unsere Dornen überwinden, unsere Wege begrünen, unsere Felsen überwuchern, weil es Gottes Wort ist, das seinen Weg sucht und Raum findet. Bei Jesaja finden wir das Wort (Jes 55,11: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. Darauf können und wollen wir vertrauen durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 24.01.2021
Andacht zum letzen Sonntag nach Epiphanias
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Sendender Gott,
du nimmst uns in deinen Dienst,
uns, die wir uns für nicht gut genug,
nicht bereit genug, nicht würdig
oder nicht rein genug halten.
Du willst uns gebrauchen, trotz all unserer Schwäche.
Du gehst mit uns, führst uns deine Wege.
Wir bitten dich, stärke unser Vertrauen,
ermutige uns zur Liebe.
Erneuere unseren Glauben jeden Tag neu.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht 2. Petr 1,16–19(20–21):
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Die Verklärung Jesu und das prophetische Wort
Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem Heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet.
Liebe Schwestern und Brüder!
Worauf gründet sich unser Glaube? Auf der Autorität der Kirche? Auf der des Pfarrers? Weil wir an Jesus Christus glauben? Oder weil da etwas in der Bibel steht? Immer wieder stellt sich doch von Generation zu Generation die Frage: Warum soll ich denn glauben? Und dass das nicht so einfach zu vermitteln ist, sieht man nicht nur an den leerer werdenden Kirchenbänken?
Der Autor des 2. Petrusbriefes, war nicht der Apostel Petrus selbst. Es war einer der späteren Christen, der sich damals die Autorität des Apostels gibt, damit er der Gemeinde etwas über den Glauben vermitteln kann. Damals war es gar nichts Anrüchiges. Es war sogar an der Tagesordnung, dass man im Namen einer Autorität schrieb.
So tut es auch unser Briefschreiber. Im Namen des Petrus will er seine Gemeinde zum Glauben ermuntern. Denn nach den ersten Jahrhunderten war die Frage: „Worauf gründet sich denn unser Glaube?“, genauso aktuell wie heute. Ist das alles nur eine Erfindung? Was haben die Apostel wirklich mitbekommen? Wo finden wir die Wahrheit?
Ausgerechnet jene Geschichte nimmt dieser Briefschreiber nun für sich in Anspruch, die wir in der Lesung gehört haben. Eine äußerst mystische Geschichte ist jene Begegnung auf dem Berg mit der Verklärung Jesu, jene Schau des Himmlischen, die Stimme Gottes, die Herrlichkeit, das Licht, die Begegnung mit Elia und Mose. Ausgerechnet jenes Ereignis sollt ihm und seinem Brief Autorität verleihen. Heute würden viele eher die Nase rümpfen und verächtlich sagen: „Ja, Ja, ihr wart im Himmel! Sicher doch!“ Wir würden sie wohl eher als Fabel abtun.
Heute hat sie nicht so viel Gewicht wie in damaligen Zeiten. Aber damals, war sie der Garant der Richtigkeit der Behauptungen. Ja, Petrus war dabei, als Gott Jesus als seinen Sohn ehrte. Ja, dieser Petrus, kannte Jesus wirklich. Ja, von da an war klar, dass Jesus Gottes Sohn ist.
Diese Geschichte garantiert, dass Jesus wirklich der Herr ist. Das sich in ihm alle Verheißungen erfüllen. Mose und Elia, die Garanten des alten Bundes, erkennen ihn an. Diese Geschichte verbindet das Alte mit dem Neuen Testament. Sie ist Bindeglied nicht nur zwischen den himmlischen und irdischen Welten sondern auch zwischen dem alten und dem neuen Bund. Sie gibt Jesus zunächst die Autorität und mit ihm auch den Nachfolgern.
Aber sie steht nicht allein. Was der Autor des 2. Petrusbriefes danach anführt, ist viel wichtiger. Denn er sagt. In der Bibel lesen wir von diesem Jesus Christus. Was wie eine Fabel daherkommt, ist vorhergesagt. So erklärt es Jesus auch den Emmausjüngern am Auferstehungstag. In den Schriften des Alten Bundes steht schon von ihm geschrieben. Das prophetische Wort deutet auf ihn hin. Jesus Christus, Gottes Sohn, unser Retter ist vorhergesagt. Ja, wir können von seinem Wesen erfahren, wenn wir in jenen Schriften lesen.
Wir vergessen heute all zu leicht, dass am Anfang des Christentums, erst einmal keine Evangelien da waren, die Briefe erst im Entstehen waren und die Berichte der Zeitzeugen an erster Stelle standen. Doch kann man ihnen glauben? Darf man dem Hörensagen trauen? Erst nach und nach sind die Schriften des Neuen Testaments in Umlauf gekommen. Was aber schon da war und zählte waren die Schriften der Juden: Thora, Schriften und Propheten. In ihnen konnte der versierte Ausleger Hinweise auf Christus finden und den Willen Gottes ergründen. An dieses Wort mussten sie sich halten, darin suchen „Was Christum treibet“ wie Luther das später ausdrückte. Auslegung der Schrift war Auslegung auf Christus hin. Der Geist Gottes musste einem die Ohren, Herzen und Gedanken öffnen, dass man verstand und auslegen konnte, was in ihnen enthalten ist.
Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Das Wort aus Psalm 119 macht deutlich, welchen Rang dieses Wort der Schriften hatte. Ja, das Licht Gottes erstrahlt daraus, wenn es richtig gelesen und ausgelegt wird.
Der Autor des Briefes will also, dass die Leute die Bibel lesen. Er will, dass sie selbst erfahren, welche Hoffnung Gott durch sein Wort gibt und welchen Trost wir durch Gottes Wort erfahren können. Gott lässt sich hören, ja, dieses Wort wirkt in uns und durch uns in unserem und anderer Menschen Leben.
Wir brauchen nur Ps 23, 4 nehmen: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“ Oder: „Gott legt uns eine Last auf, aber er hilf mir auch.“ Oder: „Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich an deiner Hand!“ Oder: „Sei getrost und unverzagt, fürchte dich nicht und lass dich nicht erschrecken.“ Diese Worte können trösten und trösten bis heute. Immer wieder finden Menschen Gottes Zuspruch und Liebe in diesen und anderen Versen ausgedrückt. Nicht umsonst hängen in manchen Wohnungen die Wände voll mit unterschiedlichen Bibelworten.
Dass wir darin Gottes Wort erkennen, und dieses Wort auf unser Leben beziehen, ja, dass wir glauben, dass Gott es uns in unser Leben hinein zuspricht, das kann uns nicht menschliche Auslegung liefern. Menschen können jedes Wort verdrehen und abtun. Aber dass die Weissagung „Christum treibet“, oder aus seinem Mund zu uns kommt, das ist nur durch den Heiligen Geist möglich. Wir erkennen Gott nur, indem er sich uns offenbart.
Und so müssen wir es auch bis heute verstehen, dass Gott nicht etwa wörtlich alles in der Schrift diktiert hätte, sondern dass er sein Wesen den Menschen damals so offenbarte, dass sie es aufschreiben konnten, wie sie ihn verstanden haben und so in ihrem Wort Gottes Wort lebendig wird.
So ist auch heute unter den menschlichen Worten der Predigt Gottes Wort lebendig und erreicht uns. Ja, wir dürfen es glauben und bekennen, dass Gott auch heute noch zu uns spricht, wenn wir in der Bibel lesen. Wenn wir sie auslegen, wenn wir über sein Wort nachdenken. Er will uns durch sein Wort erreichen und uns sein Licht geben auf unseren Wegen, unsere Pfade beleuchten, dass wir seinen Willen erkennen und den Weg gehen, den er für uns bereitet hat.
Und nun kommen wir zur ursprünglichen Frage zurück. Worauf gründet sich unser Glaube? Er gründet sich nicht auf phantastischen Geschichten, auf Wundern, heroischen Taten, auch nicht auf menschlichen Worten, die einfach nur Menschenmeinung ist, sondern auf Gottes Wort selbst, das er zu uns spricht. Unser Glaube gründet nicht darin, dass wir an die Bibel glauben, sondern darin, dass wir immer noch aus ihr Gottes Stimme hören, wenn wir lesen und von seinem Wort hören, dass wir glauben können, dass wir mit ihm verbunden sind, weil er sich mit uns verbindet. Weil er uns seinen Geist schenkt, dass wir ihn erkennen, und erfahren, Gott schickte Jesus für uns zur Vergebung unserer Schuld in die Welt. Und er ist für uns gestorben und auferstanden. Nicht, weil wir es verdient hätten oder etwas selbst dazu beigetragen hätten, sondern weil es uns Gott selbst schenkt. Unser Glaube gründet sich auf seine Gnade, auf seine Zuwendung, und auf seinem Sohn Jesus Christus, an den wir glauben, weil Gottes Wort uns den Weg zu ihm führt. Er redet selbst zu uns, gibt uns Hoffnung und Trost, schenkt uns die Zuversicht in unserem Leben. Wir sind in Gottes Hand, und bleiben bei ihm geborgen. Wir brauchen nicht die himmlische Schau, nicht zusätzliche Offenbarungen, nicht großes Insiderwissen, nicht mystische Erfahrungen oder eine meditative Schau des Himmelreiches. Es genügt, sich an Gottes Wort zu halten, dann wird er selbst zu uns sprechen.
Es reicht, dass Jesus sich so offenbart, wie er es getan hat. Selbst die Autorität der Apostel hing davon ab, dass sie Jesus verkündigten als den, der verheißen war und der wiederkommen wird, in jener Herrlichkeit, die Petrus damals schauen konnte. Das Licht aus der Höhe, sendet seine Strahlen schon aus, damit wir zu ihm kommen und ihn anbeten. Amen.
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 24.01.2021
Andacht zum 3. Sonntag nach Epiphanias
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Herr, du hast uns heute zu dir gerufen,
um dein Wort zu hören.
So sende uns deinen heiligen Geist,
damit wir verstehen, was du uns lehren willst.
Hilf uns deine Wege zu verstehen
Und lass uns Mut gewinnen,
unsere Wege mit dir zu gehen.
Nimm dich aller Fragen und Zweifel an,
lass uns Antworten und Gewissheit in dir finden.
Verwandle die Mutlosigkeit in Mut
und unsere Angst in die Gewissheit deiner Gegenwart.
Du bist unser Herr,
führe uns, leite uns, kräftige uns, richte uns auf.
Damit wir dich mehr und mehr preisen und dir danken.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Rut 1,1-19a:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der Herr sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des Herrn Hand hat mich getroffen. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.
 
Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Heute würde man die Familie als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen. Die Hungersnot bringt sie auf den Weg nach Moab, der Tod der Männer Jahre später wieder zurück nach Juda; denn ohne die Männer sind die Frauen unversorgt. Im Übrigen war auch schon bei Abraham und in der Josefsgeschichte der Hunger der Grund, um andere Länder aufzusuchen.

Der Hunger und wirtschaftliche Not setzen Völker in Bewegung. Ich finde es zynisch, heute die Not der Menschen um das tägliche Brot nicht als Fluchtgrund anzuerkennen. Jeder von uns würde es auch so machen. Denn, warum ziehen denn die jungen Leute aus unserem Landkreis weg? Weil sie hier keine Arbeit finden oder weite Wege zur Arbeit haben. Im Grunde sind sie sozusagen auch Wirtschaftsflüchtlinge. Nur, im eigenen Land fällt das nicht ganz so auf.
 
Was wollen die Menschen denn auch anderes tun? Verhungern ist auch keine Lösung. Also geht man da hin, wo das Leben möglich ist, in der globalisierten Welt auch über weite Entfernungen. Aber auch Kriege und Unterdrückung treiben die Menschen aus dem Heimatland. Irgendwo müssen sie bleiben.
 
Die Not trieb auch Naomi und Rut auf den Weg, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. In der fremden Heimat war dabei die Familie umso wichtiger.
 
Solange die Frauen noch die Männer hatten, war die Versorgung sichergestellt. Eine Rentenkasse wie bei uns gab es nicht. Die Familie war die Sozialfürsorge oder man musste betteln. Als alle drei Männer gestorben waren, blieb nur der Weg zurück zu der Familie, aus der sie kamen. Orpa geht den Weg zurück zu ihrer Familie, sie bleibt in Moab.
 
Rut aber geht mit Naomi. Ihre Antwort, die auch gerne als Spruch für Hochzeitsfeiern genommen wird, spricht die Schwiegertochter zur Schwiegermutter. Rut will Naomi nicht alleine lassen. Sie teilen ein Schicksal. Auch wenn Rut auf diese Weise in ein ihr fremdes Land geht, so will sie doch ihrer Schweigermutter beistehen. Denn so sicher ist es nicht, dass Naomi in der Heimat auch gut versorgt wird, wie wir aus der folgenden Geschichte erfahren. Im zerfallenen Haus ihres Mannes kommen sie unter und leben von den Almosen, die ihnen in der Erntezeit zu Teil werden. Erst durch die Heirat mit Boas wurde dann die Versorgung der Frauen sichergestellt.
 
Aber fremd bleibt Rut als Moabiterin im Land Juda dennoch.
 
Übrigens nach dem Gesetz, das nach dem Exil aufgestellt wurde, dass Israeliten nur Israelitinnen heiraten durften, wäre eine solche Ehe gar nicht möglich gewesen, so aber wird Rut zur Stammmutter der Königsdynastie Davids.
 
Was aber aus der Antwort Ruts an Naomi heraussticht, ist nicht nur die Zusage, die sie Naomi gab und damit die Liebe, die sie darin zeigte, sondern auch, dass sie sich zu dem einen Gott bekannte, den sie in der Familie ihres Mannes kennen gelernt hatte. „Dein Gott ist mein Gott.“ Dieser Gott, der die Menschen begleitet, der sein Volk rettet, der sie leitet und führt, der Himmel und Erde gemacht hat, diesem Gott wollte Rut vertrauen. Gerade auch in der Not, die sie getroffen hatte. Denn Gott verlässt sein Volk nicht. Er versorgt die, die an ihn glauben und begleitet ihren Weg. Er ist der gute Hirte, der das Leben in den Händen hält.
 
Der Glaube an diesen Gott machte Rut Mut, mit ihrer Schwiegermutter den schweren Weg zu gehen. Der Herr würde einen Platz für sie finden und beiden eine Zukunft schenken.
 
Wenn wir die weitere Geschichte betrachten, hat Gott für sie gesorgt. Ihre Hoffnung hat sich erfüllt. Das Leben geht weiter unter Gottes Segen.
 
So ist Gott auch an unserem Weg beteiligt und führt auch unsere Lebenswege. Er sorgt für uns. In der ganzen Geschichte Israels ist er ein mitgehender, ein begleitender, ein sorgender Gott und Vater, der keinen aus den Augen und damit aus seiner Obhut lässt. Was auch immer Menschen erfahren, wie schwer ihr Weg auch wird, keiner muss ohne Gott den Weg gehen, sondern bei ihm ist Hoffnung und Trost. Er sagt seine Kraft und seinen Segen zu, lässt aus unsicherer Zukunft eine gesicherte Zukunft werden. So ist er der Halt und der Anker, an dem wir uns festhalten können. Seiner Liebe können wir uns anvertrauen.
 
Diese Liebe Gottes hat auch Jesus verkündigt. Der Gott der Barmherzigkeit und allen Trostes, schickte seinen Sohn, um alle Menschen einzuladen, seiner Liebe zu vertrauen. Er gibt sich selbst in diese Welt hinein, und nimmt auf sich, was uns von ihm trennen könnte. Jesu starb für unsere Sünde und nimmt unsere Schuld von uns. Er überwindet für uns den Tod, und führt uns ins himmlische Paradies. Er will uns das Ziel des Lebens schon vor Augen stellen, das denen bereitet ist, die dem Herrn vertrauen. Der Gott, der das ewige Heil für uns bereitet hat, der will auch im Leben unser Herr und Retter sein. Unser Weg, wohin er auch führt, ist und bleibt geborgen durch ihn und in ihm in Ewigkeit.
 
Das ist die Zuversicht, die uns Mut macht, auch Neues zu wagen oder eben in der Fremde neue Heimat, Arbeit und Auskommen zu finden, so wie Rut es tat. Der Glaube ist eine feste Zuversicht, dass Gott den Weg für uns schon weiß. Er kann uns überall auf der Welt einen Platz geben.
 
Rut hat über die Familie Naomis von diesem Gott erfahren, dem sie vertrauen kann. Auch wir können anderen Menschen von diesem Gott erzählen und ihnen durch unser Zeugnis Mut machen, mit Gott ihren Lebensweg zu gehen, auch wenn dieser Weg in andere Länder, andere Gemeinschaften, zu fremden Menschen führt, so wissen wir doch: Gott geht diesen Weg mit. Viele Missionare haben sich unter der Verheißung Gottes von der Vergangenheit bis in die Gegenwart auf den Weg gemacht. Sie haben Gottes Wort weitergetragen. Mit Gottes Hilfe breitet sich das Wort auch durch uns aus und andere Menschen kommen zum Glauben an den Herrn. Gott rettet überall auf der Welt Menschen durch seinen Sohn, Jesus Christus. Er begleitet uns hier in dieser Welt, damit wir zum Segen werden, bis er uns die letzte Heimat schenkt, die himmlische, in der wir bei ihm vollendete Gemeinschaft finden in Ewigkeit. Amen.
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 10.01.2021
Andacht zum 1. Sonntag nach Epiphanias für Borsdorf und Ober-Widdersheim
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast Jesus in seiner Taufe
als deinen lieben Sohn offenbart
und den Geist auf ihn herabgesandt.
Wir bitten dich:
Gib, dass auch wir uns als Getaufte
von deinem Geist leiten lassen,
deinem Willen folgen,
und gehen, wohin du uns führst.
Mache uns zu Gottes Kinder,
die nach deinem Willen leben,
zu Brüdern und Schwestern Jesu,
die ihm nachfolgen und ganz auf ihn vertrauen,
und zu Zeugen des Heiligen Geistes,
die das Geschenk deiner Liebe in Wort und Tat preisen.
Sei du mit uns und leite uns.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Röm 12,1-8:
Liebe Schwestern und Brüder!

 
Mich bewegt diese Woche eine ganze Menge:
 
Die ausgeuferten Proteste in Amerika, angestachelt von einem uneinsichtigen Präsidenten. Menschen, die ihren eigenen Institutionen nicht mehr trauen. Obwohl alle Gerichte Trumps Unterstellungen einer gefälschten Wahl zurückgewiesen haben, glaubt ein Viertel der Amerikaner an seine falschen Behauptungen.
 
Eine andere Nachricht bewegt mich:
 
Die Nachricht, dass viele Pflegerinnen und Pfleger sich nicht impfen lassen wollen, weil sie lieber den angeblichen Nachrichten auf Facebook glauben, die ihnen einreden, dass der Impfstoff nicht sicher wäre und Nebenwirkungen hätte, statt sich vernünftig über das RKI und bei Ärzten zu informieren. Heute kann jeder auch falsche Infos streuen. Es ist verheerend, wenn gerade das Personal, das sich um ältere und kranke Menschen kümmert, nicht mit gutem Vorbild vorangeht und damit sich und andere gefährdet.
 
Als drittes wundere ich mich über, die Menschen, die in Massen in die Skigebiete fahren und sich dort zusammendrängen, als wäre das in dieser Zeit vernünftig. Abseits, jeder für sich, wäre ok, aber so?
 
Es scheint so, als hätte das alles nichts miteinander zu tun. Aber all das ist das Ergebnis einer modernen Maxime, die Trump zum Motto erhoben hat: Erst ich und dann ich und dann wieder nur ich.
 
Ich habe das Recht! Ich kann machen, was ich will! Ich darf! Ich stehe im Mittelpunkt! Was andere denken, was andere wollen, was andere sagen, ist mit egal. Was zählt, ist meine Meinung, sonst nichts. Gesetze, Regeln, Vorschriften und ähnliches sind nur gut, wenn sie mir dienen. Ich lasse mir nichts vorschreiben.
 
Ich, Ich, Ich!
 
Leider sind diese Menschen gegen Argumente immun. Sie sind im eigenen Kosmos gefangen. Hinein gelangt nur, was zum eigenen Bild passt.
 
Diese Grundhaltung gefährdet alles, gerade auch die Freiheit der Menschen, die sie für sich so sehr einfordern. Denn wenn jeder nur seine Meinung gelten lässt, dann führt das zur Anarchie, wie wir in Amerika gesehen haben. Aber auch auf den Demos der Querdenker oder beim Sturm auf den Reichstag oder bei dem Mob, der sich bei Pegida vor Jahren sammelte und noch immer sammelt.
 
Und auch in den Skigebieten, wo manche Menschen den Anordnungen der Polizei kaum noch Folge leisten. Appelle, gar nicht erst hinzufahren verhallen ungehört. Denn ich will...
 
Demokratie und überhaupt das Zusammenleben funktioniert aber nur, wenn wir aufeinander hören, Argumente noch austauschen können und sie wirklich abwägen und dabei bereit sind, unsere Meinung zu ändern. Zusammenleben funktioniert nur, wenn wir miteinander leben und nicht gegeneinander, wenn die Freiheit, die Freiheit auch des anderen ist und die eigene Macht Grenzen hat, wo sie andere beeinträchtigt, mein Recht an Grenzen stößt, wo es andere Rechte berührt. Wenn das eigene Leben auch Pflichten hat, die am Gemeinwohl sich orientieren und nicht nur am eigenen Nutzen.
 
Wir steuern mit dem derzeitigen Egoismus der Menschen auf die Anarchie zu. Das gibt mir zu denken und macht mich traurig.
 
Es entspricht auch nicht dem, was uns der christliche Glauben lehrt. Gott hat uns seine ganze Gnade und Liebe geschenkt. Wir sind hineingenommen in die Gemeinschaft mit ihm, weil Jesus uns alle gleichermaßen erlöst hat und Sünde und Tod überwunden hat. Er will uns zu neuen Menschen machen, die seiner Liebe folgen. Dazu gibt er uns seinen Geist und seine Liebe ins Herz, damit wir es auch umsetzen können. Keiner ist vor Gott mehr oder weniger wert. Vor ihm sind wir seine Kinder, Schwestern und Brüder im Glauben, verbunden in der Liebe, die uns trägt und zur Gemeinschaft führt.
 
Nachdem Paulus Gottes Heil in Christus in den ersten elf Kapiteln des Römerbriefes dargelegt hat, geht es in den folgenden Kapiteln um die Umsetzung.
 
Das Predigtwort für den heutigen Sonntag, steht Röm 12,1-8:
 
Paulus schreibt: Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte, wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens. Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied. Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß. Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er. Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude.
 
 
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
Unser Leben ist für Paulus, die Antwort auf Gottes Gnade, Liebe und Barmherzigkeit. Paulus ruft uns auf, unser Leben als Gesamtes als einen Dienst für Gott zu begreifen. Unser Leben soll sich ändern lassen, von der Liebe Gottes.
 
In der Welt geht es um den Rang zwischen den Menschen. In ihr gilt: Der eine ist mehr wert als der andere, der eine hat mehr zu sagen als der andere. Der eine kann sich durchsetzen, der andere verliert. In der Welt zählt scheinbar der Egoismus, sich herausstellen, sich groß machen, etwas sein.
 
Selbst unter Christen kann es dieses Rangfolge­denken geben. Aber wir sollen uns darauf nichts einbilden, weil wir angeblich die besseren Christen wären oder Lehrer oder Prediger oder Kirchenvorsteher oder auch gute Tröster oder Helfer im Alltag ... Gott hat allen eine besondere Aufgabe gegeben und besondere Fähigkeiten. Aber alle sind gleich viel wert. Jeder ist Teil am Leib Christi. Jeder ist ein Rädchen im Getriebe, doch nur zusammen funktioniert das Ganze. Und jeder hat seinen Wert und seine Würde von Gott her, aber er dient dem Ganzen.
 
Wenn Menschen sich für was besseres halten, sich über andere setzen, meinen, über Gesetz und Ordnung zu stehen, dann verletzten sie die Gemeinschaft, dann wird das lieblos und sie beleidigen Gottes Willen.
 
Ändert euch und euer Leben gemäß der Barmherzigkeit und Liebe, die Gott euch geschenkt hat, ruft Paulus uns zu. Macht euch nicht zu etwas Besserem, wie es dem Denken in der Welt entspricht, sondern ordnet euch der Liebe unter. Folgt dem, was der Liebe entspricht, was allen gut tut, was jedem dient, was allen hilft, was uns zur vollkommenen Liebe und Gemeinschaft führt.
 
Wir sollen als Christen prüfen, was Gottes Willen entspricht, was er uns ins Herz gegeben hat: Es sind seine Liebe und Barmherzigkeit. Sie sollen unser Reden, Denken und Handeln bestimmen.
 
Das ist der Gegenentwurf zum egoistischen Denken, von Überheblichkeit und Ellenbogenmentalität. Im Glauben geht es um die Gemeinschaft, um das Miteinander. Rücksicht sollen wir üben, das tun, was dem anderen dient. Es geht nicht darum, um sich selbst zu kreisen und den eigenen Willen durchzusetzen, sondern den Blick zu dem Mitmenschen zu erheben und zu sehen, wo wir ihm helfen, beistehen oder Wert zusprechen können und ihm sein Recht zukommen lassen können.
 
Unser Leben sollten wir so führen, dass es der Gemeinschaft dient. Das würde der Liebe entsprechen, die Gott uns gibt. Alle können zum Gesamten einen Beitrag leisten, wenn sie miteinander und nicht gegeneinander leben. Dazu gehört auch, dass wir uns einschränken, damit der Mitmensch auch sein Recht auf Leben erhält. Jeder hat seine Stellung, seinen Platz im Getriebe der Welt, so dass es nicht auseinanderfällt. Doch dazu müssen wir darauf verzichten, uns als den Mittelpunkt des Universums zu sehen und auf manches verzichten, was nur unserem Egoismus dient. Jeder braucht Raum zum Leben. Unser Leben grenzt an andere Menschen. Ihre Grenzen sollen wir achten. Unser Recht ist auch ihr Recht zum Leben.
 
Doch dazu müssen wir wieder anfangen, aufeinander zu hören, einander wahrzunehmen und auch andere Meinungen ernst zu nehmen. Vielleicht sind wir es ja, die den Fake News aufgesessen sind. Sind wir bereit das zu überprüfen? Zusammenhalt gelingt nur dort, wo wir bereit sind uns selbst zu korrigieren, und die eigene Meinung auch mal hintenanstellen. Es geht in der Liebe um das Miteinander, dazu soll unser Leben dienen. Möge Gott uns dafür seinen Geist und die Liebe schenken, und die Menschen wieder zusammenführen, bei uns und in Amerika und der ganzen Welt. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe und im Glauben an seine Kraft wird es gelingen. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 03.01.2021
Andacht zum 2. Sonntag nach Weihnachten für Borsdorf und Ober-Widdersheim
von Pfr. Michael Clement

 
Gebet
Gnädiger Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus,
du hast der Welt in deinem Sohn
die Fülle des Heils geschenkt.
Du hast uns mit dir verbunden.
Durch ihn ist uns vergeben,
durch deine Liebe hast du uns
zum Leben mit dir geführt.
Wir bitten dich:
Lass uns alle Tage des neuen Jahres
im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung wachsen.
Damit wir dir in Wort und Tat dienen.
Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
 
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Sonntag, steht Lk 2,41-52:
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten's nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Als unsere Kinder noch klein waren, 3 ¼ waren sie glaube ich, waren wir im Opel-Zoo im Taunus. Wir hatten schon einen Rundgang gemacht und waren am Spielplatz angekommen, die Kinder spielten fröhlich. Plötzlich war Janine verschwunden. Oh Schreck, wo ist sie denn hin? Auf dem Spielplatz war sie nicht. Ich blieb bei Evelyn, meine Frau ging auf die Suche. Bei den Elefanten ein ganzes Stück weiter hat sie Janine dann gefunden. Aber was war das für ein Schrecken.
 
Wie muss es da erst Maria und Josef gegangen sein, als sie am Abend feststellten: Jesus ist nicht bei den Pilgern. Er war nicht bei den Freunden, ja, nicht einmal mit auf dem Weg gewesen. Was für eine Panik muss sie da ergriffen haben! Also zurück nach Jerusalem. Aber wie findet man ein Kind, wenn auch schon zwölf Jahre alt, in einer so großen Stadt?
 
Drei Tage waren sie auf der Suche, bis sie ihn fanden. Sicher sind sie alle Wege und Orte abgelaufen, die sie besucht hatten. Herbergen, Gasthäuser, Pilgerstätten. Unzählige Menschen werden sie nach ihrem Sohn gefragt haben. Endlich kamen sie im Tempel an und fanden ihn bei den Gelehrten. Endlich nach drei Tagen voll Sorge und Ängste um ihn, waren sie froh ihn zu sehen. Aber sicher hatten sie auch Vorwürfe im Kopf: Was tut der Bengel uns an? Warum hast du uns das angetan?
 
Er saß da seelenruhig bei den Lehrern. Interessiert lauschte er ihren Reden. Will mehr wissen und gibt gute Antworten auf ihre Fragen. Ein pfiffiges Kerlchen war Jesus wohl. Die Lehrer wunderten sich über ihn, über seinen Verstand, seine Antworten.
 
Nun muss man wissen, dass jüdische Jungs, wie bei uns bei der Konfirmation auch, auch im Judentum als vollgültige Gemeindeglieder aufgenommen werden. Später gab es das Bar Mizwa Fest, ob es das zu Jesu Zeiten schon gab, ist umstritten. Aber so mit 12 bis 13 Jahren sollten die Jungen die Thora lesen, ja, auch in der Synagoge, dem Gebetshaus vorlesen können und waren in der Auslegung der Schriften zumindest mit Grundkenntnissen unterrichtet.
 
Jesus war mit seinen Eltern nach Jerusalem gereist. Das könnte heißen, dass er schon in dem Alter war, dass er alle Regeln des Glaubens einhalten musste und deshalb auch zum Passahfest mitgekommen war. Sicher hat er in Nazareth Unterricht gehabt. Aber natürlich steckt da noch mehr dahinter, wie wir uns denken können.
 
Seine Antwort an seine Eltern klingt auf den ersten Blick ziemlich frech: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?
 
Verstanden haben Maria und Josef das nicht.
 
Aber klar, er ist Gottes Sohn. Wo sollte er anders sein als im Haus Gottes. Dort, wo Gott seine Gegenwart zugesagt hat, dort, wo die Opfer gebracht werden, wo das religiöse Zentrum ist, wo die klügsten Lehrer sich versammeln und über den Glauben diskutieren. In den weiten Hallen auf der Südseite des Tempels in den königlichen Hallen, da traf man sich zum Austausch. Dort werden Maria und Josef auch Jesus gefunden haben. Es ist die einzige Kindheitserzählung ,die uns in den Evangelien überliefert ist.
 
Es wird darin schon deutlich, wer der Knabe ist, der da unter den Lehrern saß. Maria hätte es wissen können. Von der Botschaft der Hirten, denen der Heiland verkündigt wurde, von Simeon und Hanna, die auf den Retter gewartet haben, und ihn schon bei seiner Beschneidung am 8. Tag nach der Geburt als den Heiland erkennen. Aber Jesus musste auch erst wachsen und groß werden, bevor er als Messias auftrat und die Menschen zu seinem Vater führte. Erst nach der Taufe durch Johannes begann sein Wirken.
 
Doch im Kind steckt schon, was er einmal werden wird. Die klugen Antworten, die gescheiten Fragen zeigen schon, dass er mehr ist als nur ein gewöhnlicher Knabe. Er ist Gottes Sohn. Bei seinem Vater muss er sein. Gott ist bei ihm, mit ihm auch schon in den Jugendtagen. Er hört Gottes Wort und lernt die Schriften. Gott selbst unterweist ihn durch seinen heiligen Geist, dass er mehr und mehr an Weisheit und Gnade zunimmt. Schon kann er mit den frommen und gelehrten Männern seiner Zeit mithalten.
 
Mit ihnen wird er sich als erwachsener Mann auseinandersetzen, mit ihren strengen Gesetzen, den Regeln des Glaubens und des Lebens, mit ihrer aufgesetzten Frömmigkeit, ihrem zur Schau getragenen Glauben. Mit den Pharisäern, die besonders gut die Schrift kannten, hat er sich dann angelegt. „Das Gesetz ist für den Menschen gemacht und nicht der Mensch für das Gesetz.“, wird er ihnen sagen. Er wird ihnen vorwerfen, sich selbst für etwas Besseres zu halten, wie im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner. Er wird ihre Heuchlerei kritisieren, weil sie das Gesetz zu ihrem Zweck umdeuten. Wie in der Geschichte, in der sie ihre Gabe für die Eltern zur Opfergabe erklären, statt sich um ihre Eltern zu kümmern. Er zeigt ihnen ihre Schwachstellen auf, wenn sie andere ausschließen, statt die Menschen zu Gott zu führen. Ihre Heuchelei, wenn sie meinen das Gesetz halten zu können, dabei sind sie Sünder wie jeder andere Mensch auch. Keiner kann vor Gott gerecht sein. Niemand hält das ganze Gesetz. Doch er will es nicht auflösen, sondern erfüllen. Er erfüllt Gottes Willen und geht für die Sünden der Welt in den Tod. Er trägt die Last der Welt ans Kreuz. Er nimmt unsere Strafe auf sich. Damit wir nicht sterben, geht er durch den Tod. Doch er bleibt nicht fern von Gott, und Gott lässt ihn nicht allein. Der Herr ist auferstanden von den Toten. Gott hat ihn auferweckt, damit das Leben siegt. Mit ihm werden auch wir zum Vater gehen und mit ihm Heimat finden in den himmlischen Auen, an Gottes Seite. In der Ewigkeit wird unser Leben vollendet und wir werden ihn von Angesicht zu Angesicht sehen, ihn ganz erkennen, wie er ist und wer er ist.
 
All das ist schon angelegt, als er als Zwölfjähriger unter den Lehrern sitzt. Er ist ihren Argumenten gewachsen, er kann mitreden und beginnt die zu lehren, die ihn belehren sollten. Er kann ihnen Gottes Liebe und Güte aufzeigen, den Weg, den Gott zu den Menschen geht. Denn der Vater im Himmel will uns gewinnen, dass wir zum Glauben und Leben gelangen. Jesus ruft uns in die Gemeinschaft mit Gott, dem jeder Mensch wichtig und wertvoll ist. Wir sollen nicht verloren gehen, sondern gefunden werden. Gott wartet auf uns, auf die Rückkehr des verlorenen Sohnes und der Tochter, die ihn vergessen hatte. Jesus Vater erwartet uns und er will uns die Liebe lehren, die von Gott kommt und zu Gott führt, damit auch wir zum Vater finden und sind, wo wir sein sollen: in Gottes guten Händen geborgen, voll Vertrauen in den Vater im Himmel. Jesus führt uns zu ihm und damit zum Leben. „Ich muss in dem sein, was meines Vaters ist!“ sagt Jesus. Er ist auch bei uns in der Liebe, im Vertrauen auf Gott, in der Gegenwart des Herrn. Nicht nur im Tempel, überall, wo von ihm geredet und in seinem Namen Menschen zusammenkommen, ist auch Gott in Jesus durch den Heiligen Geist gegenwärtig. Wir können in ihm den erkennen, der sein Vater ist, Gott selbst ist mitten unter uns.
 
Die Lehrer werden es noch nicht begriffen haben und auch Maria und Josef werden andere Gedanken im Kopf gehabt haben. Der Bengel, einfach da bleiben und den Eltern so einen Schrecken einjagen, ab nach Hause. Erst nach Jahren kann sich Maria daran erinnern, dass damals Jesu schon bei Gott sein wollte. Gott war mit ihm und er wuchs auf unter Gottes Gnade. Amen.
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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