Borsdorf - Evangelische Kirchengemeinden Borsdorf mit Harb und Ober-Widdersheim mit Unter-Widdersheim

Update 06.09.2017
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Borsdorf

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Die Kirche von Borsdorf


Wer sich Borsdorf, egal aus welcher Richtung, nähert, sieht sofort in der Ortsmitte den Kirchturm, der sich schlank über die Dächer der umliegenden Häuser und Scheunen erhebt. Wenn man dann vor der Kirche steht, fällt einem sofort auf, dass sie unverputzt ist. Die Borsdorfer kennen ihre Kirche gar nicht anders, steht sie doch seit ihrer Einweihung im Jahr 1873 so in ihrem Dorf.

Doch wie kommt es, dass in einem Dorf, das im Jahr 1206 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, so verhältnismäßig junge Kirche steht? Der Grund ist ganz einfach. Es handelt sich hierbei um den dritten Kirchbau, von der wir in Borsdorf wissen.

Die erste Kirche, eigentlich eine Kapelle, die aus dem Mittelalter stammte, wurde 1620 durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. Diese Kirche hatte einen Turm mit zwei Glocken. Im Laufe des 19. Jahrhunderts traten große Risse im Mauerwerk des Chores und der Südwand auf, so dass die Kirche einsturzgefährdet war. So wurde der Abriss des Gebäudes und ein Kirchenneubau beschlossen, was auch von Seiten des Großherzoglichen Oberkonsistoriums (Vorgängerbehörde der heutigen Kirchenverwaltung) genehmigt wurde.

Zwischen Ostern und Pfingsten 1869 wurde der Altbau abgerissen und im Sommer mit dem Neubau begonnen. Doch dieser Neubau, veranschlagt auf eine Bausumme von 9.950 Gulden, stand unter keinem guten Stern. Es sollte über 4 Jahre dauern, bis die Kirche am 14. September 1873 eingeweiht werden konnte. Gründe für diese lange Bauzeit waren neben dem Krieg von 1870/71 vor allem auch die Unzuverlässigkeit von Bauarbeitern. Auch damals kam es zu „Pfusch am Bau“. So arbeitete der Maurermeister Bach aus Bobenhausen mit seinen Gesellen so fehlerhaft, dass die Kirche noch im Rohbau einzustürzen drohte. Zum Glück konnte Maurermeister Falk aus Hungen die entstandenen Mängel beseitigen und dafür sorgen, dass die Kirche standsicher fertig gebaut wurde.

Doch all dies führte dazu, dass am Ende der Kirchbau insgesamt 11.158 Gulden kostete, obwohl aus Kostengründen auf den Verputz der Kirche verzichtet wurde. Man kann dies noch daran erkennen, dass sowohl die Einfassungen der Fenster und Türen als auch die Gesimse und Eckquader der Kirche ca. 2 cm aus dem Mauerwerk hervorstehen.
Durch ihre exponierte Lage mit einem Turm, der alle umliegenden Gebäude weit überragt, kam es in der Vergangenheit zu mehreren Blitzeinschlägen in der Kirche, die zum Glück nie ein Feuer entzündeten. Nach den Einschlägen von 1903, 1944 und 1969 entschloss man sich endlich, eine Blitzschutzanlage zu installieren. Bisher scheint sie ihrer Funktion gerecht geworden zu sein, da seither kein weiterer Blitzeinschlag zu verzeichnen war.
Der Blitzschlag von 1969 hatte allerdings die angenehme Folge, dass neben einer umfassenden Innenrenovierung auch eine elektrische Heizungsanlage eingebaut und das Glockengeläut von Handbetrieb auf elektrischen Antrieb umgestellt wurde.
Betritt man die Kirche vom Haupteingang her, so fällt der Blick auf Altar und Kanzel. Beide sind wie die ganze Kirche sehr schlicht gehalten, wie es dem Zeitgeist der Erbauungszeit entsprach. Den Altar ziert ein mittelalterlicher Kruzifixus, der vor vielen Jahren bei Aufräumarbeiten auf dem Dachboden der Kirche gefunden und restauriert wurde. Er ist der wertvollste Einrichtungsgegenstand der Kirche.

Die Orgel, die sich gegenüber des Altars auf der Empore erhebt, ist älter als die Kirche. Sie stammt noch aus der alten Kirche und war im Jahr 1821 von Orgelbauer Johann Hartmann Bernhard (1773-1839) aus Romrod bei Alsfeld gebaut worden. Vor dem Abriss der Kirche wurde sie von seinem Enkel Carl Theodor Bernhard sorgfältig abgebaut und nach Fertigstellung der Kirche im Jahr 1873 wieder aufgestellt.

Im Turm der Kirche hängen 2 Glocken, die sonn- und feiertags zum Gottesdienst rufen und werktags mit ihrem „Zeitläuten“ ans Beten mahnen. Die große Glocke wurde 1949 gegossen, nachdem ihre Vorgängerin im 2. Weltkrieg abgeliefert und eingeschmolzen worden war. Damit erlitt sie das gleiche Schicksal, das ihrer Vorgängerin im 1. Weltkrieg beschieden war. Nun sind wir dankbar, dass sei nunmehr 60 Jahren diese Glocke gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester im Frieden zu Gottesdienst und Gebet ruft. Davon kündet auch ihre Aufschrift „O LAND LAND LAND HOERE DES HERRN WORT“
Wollen wir hoffen, dass diese Glocke zusammen mit ihrer wesentlich älteren Schwester noch lange ihren verkündigenden und mahnenden Dienst tun kann.





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